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Reisehinweise für USA verschärft: Trauen sich Deutsche noch zur WM?

Die FIFA hatte Donald Trump im Dezember mit dem „FIFA Peace Prize“ ausgezeichnet und war dafür in die Kritik geraten.
Die FIFA hatte Donald Trump im Dezember mit dem „FIFA Peace Prize“ ausgezeichnet und war dafür in die Kritik geraten. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Die USA bleiben für viele Deutsche ein Sehnsuchtsziel. Aber die Zahl der USA-Trips sinkt. Liegt es an Trumps Politik? Nach den tödlichen ICE-Einsätzen und gewalttätigen Protesten hat das Auswärtige Amt jetzt seine Reise- und Sicherheitshinweise verschärft.

Rund zwei Millionen Deutsche reisen Jahr für Jahr in die Vereinigten Staaten. Vieles dort ist wie immer: die weiten vielfältigen Landschaften, Metropolen wie New York oder San Francisco. Doch in den vergangenen Wochen hat sich etwas verschoben – der Ton zwischen Deutschland und den USA ist rauer geworden. Das merkt inzwischen auch die Reisebranche: Die USA bleiben Sehnsuchtsziel, aber die spontane Buchungslust ist eingebrochen, viele zögern – liegt es an Trumps Politik?

Fakt ist: Seit dem 30. Januar 2026 hat das Auswärtige Amt seine Reise- und Sicherheitshinweise für die USA erweitert und rät zu erhöhter Vorsicht. Grund sind teils gewalttätige Auseinandersetzungen bei Demonstrationen rund um die Einsätze der Einwanderungsbehörde (ICE) – unter anderem in Minneapolis, aber auch in anderen Städten.

Bremst Trumps Politik die Reiselust der Deutschen?
Bremst Trumps Politik die Reiselust der Deutschen? Copyright 2006 AP. All rights reserved.

Was das Auswärtige Amt USA-Besuchern jetzt rät

Das Auswärtige Amt rät nicht grundsätzlich von Reisen ab, empfiehlt aber ein Verhalten, das Risiken vermeidet: lokale Medien verfolgen, die Lage am Aufenthaltsort regelmäßig prüfen, Menschenansammlungen meiden – insbesondere Demonstrationen oder Veranstaltungen mit Eskalationsrisiko. Wichtige Dokumente sollen möglichst mitgeführt werden; in einzelnen Bundesstaaten wird auf Ausweispflichten hingewiesen. Im Ernstfall: ruhig bleiben und Anweisungen von Behörden und lokalen Sicherheitskräften befolgen.

Warum die Reisehinweise verschärft wurden

Die Verschärfung der Reisehinweise hat einen konkreten Anlass: In Minneapolis kam es bei mehreren Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE binnen weniger Wochen zu tödlichen Schüssen. Zuletzt starb am 24. Januar 2026 der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti nach Schüssen durch Bundesbeamte. Minnesotas Gouverneur Tim Walz kritisierte den Einsatz öffentlich und forderte den Abzug der Einsatzkräfte.

Bereits am 7. Januar wurde außerdem die US-Bürgerin und dreifache Mutter Renée Good bei einem ICE-Einsatz erschossen. Die US-Regierung sprach jeweils von Notwehr, zugleich sorgten Videos für Zweifel, Empörung und Proteste.

So deutlich der Ton ist: Eine Reisewarnung ist das nicht. Sicherheitshinweise reagieren auf Risiken und enthalten Empfehlungen, Risiken zu vermeiden; Reisewarnungen werden ausgesprochen, wenn "jedem Reisenden eine konkrete Gefahr für Leib und Leben droht". Für die USA gilt derzeit: keine pauschale Reisewarnung, aber eine klare Aufforderung zu erhöhter Vorsicht.

Was die Reisebranche beobachtet

Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband (DRV) beschreibt die Buchungslage als "vielschichtig": Zurückhaltung entstehe selten durch eine einzelne Nachricht, sondern durch einen Mix aus politischer und gesellschaftlicher Stimmung, Einreisebestimmungen und Preisniveau.

In den ersten zehn Monaten 2025 kamen 1,52 Millionen Gäste aus Deutschland in die USA, das waren 11,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allerdings fehlen hier noch die November- und Dezember-Zahlen.

Auf Jahressicht lagen die Werte in den vergangenen Jahren – Pandemie ausgenommen – meist bei rund zwei Millionen deutschen Touristen oder darüber. Für den Reisesommer 2025 verzeichnete die Branche zudem einen spürbaren Rückgang: In Umsatz verloren die USA fast ein Fünftel gegenüber dem Vorjahressommer.

Trotz Trump: USA beliebtestes Fernreiseland der Deutschen

Heinen betont zugleich: Die USA seien weiterhin das mit Abstand beliebteste Fernreiseland der Deutschen – und nach ihrer Erfahrung führten politische Debatten zwar zu kurzfristigen Dellen, aber nicht zwingend zu einem dauerhaften Einbruch.

Die USA sind für America Unlimited seit jeher das zentrale Reiseziel und wichtigste Standbein.
Die USA sind für America Unlimited seit jeher das zentrale Reiseziel und wichtigste Standbein. 2021 by Köpers Corporate & Crisis Communications GmbH

Veranstalter spüren einen "Knick"

Timo Kohlenberg, Geschäftsführer und CEO von America Unlimited, spürt eine Veränderung der Reiselust: Er nennt 15 bis 20 Prozent weniger USA-Buchungen als im Vorjahr. Seit der Aktualisierung der Hinweise gebe es spürbar mehr Rückfragen, vor allem von Erst-USA-Reisenden. Entscheidungen würden häufiger vertagt statt komplett gestrichen.

Zugleich hält Kohlenberg die Angstdebatte für überzogen und setzt einen nüchternen Gegenakzent: Der touristische Alltag laufe normal, "in der Realität" habe sich wenig verändert. Probleme entstünden vor allem dann, wenn das elektronische Reisegenehmigungssystem der Vereinigten Staaten (ESTA) fehlerhaft ausgefüllt wird, die Aufenthaltsdauer nicht eingehalten wird oder wenn jemand unerlaubt arbeitet.

Wie stark die Verunsicherung dennoch ist, zeigt der Blick in einzelne Reisebüros: In Hamm berichtet ein Inhaber dem Westfälischen Anzeiger von einem Einbruch der USA-Nachfrage um "etwa 90 Prozent" – und macht dafür vor allem den aktuellen US-Präsidenten verantwortlich.

WM 2026 unter neuen Bedingungen

Wird die Fußballweltmeisterschaft die Reiselust wieder wecken? Timo Kohlenberg sagt, die WM werde bereits aktiv nachgefragt – allerdings mit längeren Entscheidungsprozessen: Viele Interessierte informierten sich früh und sehr gezielt, ließen sich mit der Buchung aber mehr Zeit. Sicherheits- und Einreisethemen spielten dabei eine Rolle, seien bislang jedoch kein Ausschlusskriterium.

Einen Boykott von WM-Reisen erwartet Kohlenberg nicht, eher eine bewusste Bündelung der Nachfrage: Wer sich für das Turnier entscheide, tue das informiert und überzeugt – und Großereignisse dieser Art seien am Ende oft stärker als kurzfristige Debatten.

Von insgesamt 104 WM-Spielen werden 78 in elf unterschiedlichen US-Spielstätten ausgetragen. Zum Beispiel im Seattle-Stadion.
Von insgesamt 104 WM-Spielen werden 78 in elf unterschiedlichen US-Spielstätten ausgetragen. Zum Beispiel im Seattle-Stadion. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Wie groß ist die WM-Skepsis?

Die Diskussion rund um die WM ist längst nicht nur eine Frage von Tickets und Flügen. Das Sportereignis ist längst zum Politikum geworden. Auch der deutsche Fußball ringt über die richtige Haltung: DFB-Präsident Bernd Neuendorf hält eine Boykottdebatte aktuell für "völlig verfehlt", dennoch wolle man sich in Gremien damit beschäftigen.

Der DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich forderte, über einen Boykott nachzudenken, und sagte, er würde persönlich raten, nicht zu fahren – wegen der aktuellen Lage in den USA; zugleich sprachen sich andere Akteure wie DFL-Präsident Hans‑Joachim Watzke gegen Boykott aus. Auch Ex‑FIFA‑Präsident Sepp Blatter schloss sich in den Unterlagen einer Warnung an und schrieb auf X: "Bleibt den USA fern."​

Sepp Blatter befeuert die Boykottdebatte um die Fußball-Weltmeisterschaft.

Wie stark solche Debatten auf Fans wirken, zeigt eine t‑online‑Umfrage: 41.085 Leser stimmten ab, 94,5 Prozent antworteten "Nein" auf die Frage, ob sie zur WM in die USA reisen würden; sie nannten die Nachrichtenlage als abschreckend und würden die Spiele lieber im Fernsehen schauen.

Solche Umfragen sind nicht repräsentativ, zeigen aber, wie stark sich das Sicherheitsgefühl in der öffentlichen Wahrnehmung verschoben hat und warum Veranstalter von stärkeren Zweifeln und längeren Entscheidungsprozessen berichten.

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