Mit dem Erlöschen des olympischen Feuers endet Mailand-Cortina 2026. Ein Blick durch Europa zeigt, wer jubelt, worüber gestritten wird – und was von diesen Winterspielen bleibt.
Am Sonntag wurde das olympische Feuer gelöscht. Damit endeten die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina 2026 offiziell.
Insgesamt wurden 116 Medaillenwettbewerbe in 61 olympischen Disziplinen ausgetragen. Dabei wurden 1.146 Medaillen vergeben.
Während die Athleten die Heimreise antreten, blicken die Euronews-Redaktionen auf die Winterspiele zurück. Sie schildern, wie der Wettbewerb mit all seiner Dramatik und seinem Glanz in Europa wahrgenommen wurde.
Italien
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina wurden im Gastgeberland von Verantwortlichen und Öffentlichkeit gleichermaßen gelobt.
Staatspräsident Sergio Mattarella sprach von "einem Italien, das Talent und Zusammenhalt zeigt". Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte die Spiele ein "außergewöhnliches internationales Schaufenster" und einen "Beweis dafür, dass wir etwas organisieren und erfolgreich sein können".
Giovanni Malagò, Präsident des Italienischen Olympischen Komitees, bezeichnete Italiens 30 Medaillen als "historische Leistung". Sie sei "das Ergebnis jahrelanger sorgfältiger Planung".
Auch Medien und Publikum zeigten sich zufrieden. Sie feierten den sportlichen Erfolg und das internationale Image Italiens. Gleichzeitig geht die Debatte über Gesamtkosten, Infrastruktur-Erbe und die spätere Nutzung der Austragungsorte weiter.
Frankreich
In Frankreich wurden die Spiele in Mailand-Cortina als Testlauf für die Winterspiele 2030 in den französischen Alpen gesehen.
Amélie Oudéa-Castéra, Präsidentin des Nationalen Olympischen Komitees und des Sportkomitees Frankreichs, sagte, sie habe "den olympischen Geist voll gespürt". Zudem lobte sie die Organisatoren dafür, die Spiele trotz der weit verteilten Austragungsorte erfolgreich durchgeführt zu haben.
Sportministerin Marina Ferrari erklärte, "Italien hat gut gemanagt". Frankreich könne daraus lernen.
Auch Renaud Muselier, Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, äußerte sich positiv. Er lobte das Konzept mit mehreren Austragungsorten. Genau so werde es auch 2030 in Frankreich sein.
Spanien
Spanien zeigte in Mailand-Cortina die beste olympische Winterleistung seiner Geschichte.
Die Delegation gewann drei Medaillen. Alle kamen im Skibergsteigen, das 2026 erstmals olympisch war und zum Kern des spanischen Erfolgs wurde.
Oriol Cardona holte Gold im Sprint der Männer. Es war Spaniens erste olympische Goldmedaille seit 1972. Ana Alonso gewann Bronze im Sprint der Frauen. Gemeinsam holten beide außerdem Bronze in der Mixed-Staffel. Insgesamt stand Spanien damit bei einer Gold- und zwei Bronzemedaillen.
Für den spanischen Wintersport ist das ein Meilenstein. Das Land war hier traditionell hinter den europäischen Großmächten zurückgeblieben. Der Erfolg unterstreicht zudem den Aufstieg einer neuen, konkurrenzfähigen Generation. Skibergsteigen könnte damit zu einer strategischen Disziplin für Spaniens olympische Zukunft werden.
Deutschland
Die Winterspiele haben in Deutschland einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Für Schlagzeilen sorgten spektakuläre Stürze, aber auch skurrile Kostüme. Besonders diskutiert wurde das Outfit der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier.
Der von Adidas entworfene Poncho löste gemischte Reaktionen aus. Auch Unfälle während der Wettkämpfe wurden breit aufgegriffen. Dazu zählten der dramatische Sturz des US-Skistars Lindsey Vonn und die Schulterverletzung der deutschen Rennrodel-Legende Georg Hackl.
Hackl schilderte den Vorfall in lokalen Medien so: "Ich wollte meinen Rennrodlern beim Training zuschauen. Ich ging einen Weg entlang und kletterte ein Stück hinauf, um einen Blick auf die Bahn zu werfen. Das ist ja schließlich mein Job. Leider ist unter mir etwas weggebrochen und ich bin 1,80 Meter gestürzt und habe mir den Kopf angeschlagen."
Sportlich fiel die Bilanz positiv aus. Deutschland gewann 26 Medaillen, darunter 10 Gold-, 6 Silber- und 14 Bronzemedaillen. Damit liegt das Land auf Platz fünf im Medaillenspiegel.
Polen
Auch Polen kann zufrieden sein. Das Land gewann vier Medaillen: drei Silber- und eine Bronzemedaille. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber Peking, wo Polen nur einmal Bronze holte.
Überraschend war die starke Form von Skispringer Kacper Tomasiak. Er gewann zwei Einzelmedaillen und eine im Duo-Wettbewerb.
Der Optimismus für die Zukunft ist groß. Viele der Athletinnen und Athleten, die Medaillen gewannen oder unter die ersten acht kamen, sind relativ jung. Einige Kommentatoren sprachen sogar von einem Generationswechsel im Team.
Überschattet wurde die Berichterstattung allerdings von Kritik an Ausrüstung und Verbandsunterstützung. Rodler und Bobsportler beklagten öffentlich, sie seien teilweise mit fast zehn Jahre alter Ausrüstung angetreten.
Portugal
Portugal ist bei Winterspielen traditionell nur gering vertreten. Ein Grund sind die fehlenden natürlichen Bedingungen wie Schnee und Eis. Hinzu kommt, dass es an Infrastruktur für Training und Wettkämpfe fehlt.
Historisch liegt das sportliche Hauptinteresse in Portugal eher bei Fußball, Leichtathletik, Radsport und Surfen. Diese Sportarten lassen sich ganzjährig ausüben.
Auch kulturelle Präferenzen spielen eine Rolle. Viele Portugiesinnen und Portugiesen verfolgen die Winterspiele weniger als die Sommerspiele. Dort sind Sportarten vertreten, die stärker zu den lokalen Interessen passen. Die Winterspiele wurden vor allem über soziale Medien verfolgt – allerdings mit geringem Interesse an Ergebnissen.
Griechenland
Ähnlich ist die Lage in Griechenland. Winterspiele finden dort nur begrenzte Beachtung. Eine große Tradition im Wintersport gibt es nicht, und nur wenige Athletinnen und Athleten qualifizieren sich.
Auch die TV-Quoten spiegeln das wider. Die Übertragungen schafften es an keinem Tag in die Top 10 der Programme.
Trotzdem haben die Spiele eine besondere symbolische Bedeutung. Griechenland gilt als Ursprungsland der olympischen Bewegung.
Türkei
In der Türkei haben die Winterspiele 2026 ebenfalls keinen großen Hype ausgelöst. Diesmal gab es keine Medaillen. Dennoch war ein gestiegener institutioneller Ehrgeiz erkennbar.
Viele Menschen sind zwar vor allem mit Fußball beschäftigt. Trotzdem berichteten türkische Medien häufig über die Spiele. Grund ist auch, dass die Zahl der teilnehmenden türkischen Athleten deutlich gestiegen ist.
Im Mittelpunkt stand vor allem Skispringer Fatih Arda İpcioğlu. Er zeigte, dass auch eine Mittelmeernation im Skispringen auf höchstem Niveau mithalten kann.
Türkische Kommentatoren lobten außerdem die Organisation in Mailand und Cortina. Sie sahen sie als Vorbild für mögliche eigene Bewerbungen. Genannt wurde insbesondere Erzurum, eine osttürkische Provinz mit bekannten Skigebieten.
Russland
Russische und belarussische Sportler dürfen seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 nicht unter ihrer Flagge bei Olympischen Spielen und Paralympics antreten.
Neutrale Sportler durften jedoch an der Schlussfeier teilnehmen. Sie starteten als "individuelle neutrale Athleten". Das ist eine Kategorie für qualifizierte Athletinnen und Athleten, die unter Bedingungen antreten dürfen. Dazu gehört etwa, dass sie die Invasion nicht aktiv unterstützen und nicht beim russischen oder belarussischen Militär oder bei Sicherheitsdiensten unter Vertrag stehen.
Nach Angaben der Moscow Times passte das russische Staatsfernsehen seine Berichterstattung schrittweise an. Anfangs blieb die Olympia-Berichterstattung begrenzt. Später wurden Erfolge neutraler Athleten stärker hervorgehoben. Besonders gefeiert wurde die Silbermedaille von Nikita Filippov, die als bedeutende Leistung dargestellt wurde.