Knapp vier Monate vor dem Eröffnungsspiel der WM zwischen Mexiko und Südafrika ist in Mexiko nach der Tötung von "El Mencho" neue Kartellgewalt ausgebrochen. Brennende Autos, Straßensperren und Angriffe schüren Sorgen um die Sicherheit, während das Land sich auf das Turnier vorbereitet.
Die Kartellgewalt, die nach der Tötung des mutmaßlich mächtigsten Drogenbosses Mexikos ausgebrochen ist, weckt nur wenige Monate vor der Fußball-WM neue Sicherheitsbedenken. Mexiko richtet das Turnier gemeinsam mit den USA und Kanada aus.
Nemesio Oseguera Cervantes, Anführer des Kartells der Neuen Generation von Jalisco (CJNG), wurde am Sonntag bei einer Operation des mexikanischen Militärs getötet. Oseguera Cervantes, bekannt als "El Mencho", wurde demnach in Tapalpa im Bundesstaat Jalisco verletzt. Der Ort liegt etwa zwei Autostunden südwestlich von Guadalajara. Er starb, als er per Flug nach Mexiko-Stadt gebracht wurde.
Nach Angaben der Behörden kamen bei dem Versuch, den Kartellchef zu fassen, und bei den anschließenden Ermittlungen mehr als 70 Menschen ums Leben. Unter den Toten seien Sicherheitskräfte, mutmaßliche Kartellmitglieder und weitere Personen.
Seitdem hält die Gewalt in Jalisco und mehreren anderen Bundesstaaten an. Berichten zufolge blockierten Kartellmitglieder Autobahnen mit brennenden Autos. Außerdem sollen sie Geschäfte in Brand gesetzt haben.
In Tapalpa, einer Touristenstadt in den Bergen von Jalisco, sorgt man sich um die Folgen. Die Ladenbesitzerin Maria Dolores Aguirre fürchtet, dass die Unruhen den Tourismus treffen und damit ihren Lebensunterhalt gefährden. "Es wird uns treffen. Das ist ein Kollateralschaden", sagte die 50-Jährige. "Die Regierung wird für mehr Sicherheit sorgen müssen. Die ganze Welt hat gesehen, was passiert ist, und natürlich werden sich die Leute zweimal überlegen, ob sie kommen wollen."
Die WM-Spiele in Mexiko finden an drei Orten statt. Guadalajara, die Hauptstadt von Jalisco, richtet in diesem Sommer vier Spiele aus. Weitere fünf Partien werden in Mexiko-Stadt ausgetragen, darunter das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika am 11. Juni. Vier Spiele sind in Monterrey geplant.
Auch der nationale Fußball bekam die Lage zu spüren. Am Sonntag wurden vier Spiele verschoben, zwei in der ersten und zwei in der zweiten Liga.
Sorge vor weiterer Eskalation
Einige Sicherheitsanalysten warnen, die Tötung von Oseguera Cervantes könne eine längere Phase der Instabilität auslösen. Nachfolger könnten um die Kontrolle kämpfen, was zu weiterem Blutvergießen führen könnte.
Javier Eskauriatza, Assistenzprofessor für Strafrecht an der Universität Nottingham, sagte der BBC jedoch, die Kartelle hätten auch ein wirtschaftliches Interesse an einem ruhigen Verlauf der WM. "Ja, sie bezahlen Politiker und lokale Polizeikräfte, aber sie kaufen auch Restaurants und besitzen Hotels", sagte er. "Sie sind Teil des Wirtschaftssystems." Es sei für sie nützlich, wenn Menschen aus dem Ausland nach Mexiko kommen, Geld ausgeben und Urlaub machen.
Nach der Tötung von Oseguera Cervantes setzten mehrere Fluggesellschaften Flüge nach Puerto Vallarta vorübergehend aus, darunter Air Canada, United Airlines, Aeromexico und American Airlines. Puerto Vallarta ist ein wichtiger Ferienort in Jalisco und soll besonders von möglichen Reaktionen des Kartells betroffen sein.
Der Tod des Kartellchefs fällt in eine Phase, in der Mexiko seinen Druck auf kriminelle Gruppen erhöht. Hintergrund sind Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach einem härteren Vorgehen. Andernfalls stellte er weitere Zölle oder sogar einseitige Militäraktionen in Aussicht.
Das Weiße Haus bestätigte, dass die USA die Operation nachrichtendienstlich unterstützt hätten. Zugleich lobte es die mexikanische Armee für die Festnahme eines Mannes, der in beiden Ländern zu den meistgesuchten Verbrechern gezählt habe.
Das CJNG zählt zu den am schnellsten wachsenden kriminellen Netzwerken Mexikos. Es ist bekannt für den Schmuggel von Fentanyl, Methamphetamin und Kokain in die USA. Außerdem wird der Gruppe eine Reihe besonders dreister Angriffe auf mexikanische Regierungsbeamte zugeschrieben.