Finanzminister Lars Klingbeil und Außenminister Johann Wadephul waren bereits vor Ort, jetzt ist es Zeit für den Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in China. Er trifft Xi Jinping und vereint hinter sich eine große Wirtschaftsdelegation.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist nach Peking gereist. Dort soll er am Mittwoch Staatspräsident Xi Jinping treffen, Unternehmen und kulturelle Stätten besuchen, bevor er Richtung USA weiter reist.
"Weil sich Außen-, Wirtschafts-, Innen- und Verteidigungspolitik nicht mehr trennen ließen", fahre er kommende Woche nach China, sagte Merz im Vorfeld. "Voraussetzung ist und bleibt, dass unser Wettbewerb fair und transparent ist. Es muss Verlass auf vereinbarte Regeln sein", so Merz auf dem Rollfeld, bevor er in den Flieger gestiegen ist.
Mit US-Präsident Donald Trump will Friedrich Merz am Freitag in Washington zusammentreffen. Nachdem das erste Treffen im Weißen Haus glimpflich ausging, geht das Zittern nun in die zweite Runde.
Durch Trumps dominante Zollpolitik sowie zwischenzeitliche Grönland-Pläne sind die transatlantischen Beziehungen in die Brüche gegangen. Binnen weniger Tage besucht der Kanzler nun die Länder, von denen sich Europa eigentlich weniger abhängig machen will.
Zwei Tage Chinareise: Handelsbeziehungen im Vordergrund
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) reiste bereits im November nach China. Im Dezember war Außenminister Johann Wadephul (CDU) an der Reihe, dessen ursprüngliche Pläne im Oktober kurzfristig abgesagt gewesen waren.
Nun steht aber zunächst der erste Besuch von Bundeskanzler Merz in China an. Vor Ort wird er von Ministerpräsident Li Qiang empfangen, nach einem gemeinsamen Mittagessen geht es um das Thema Wirtschaft. Merz und seine Wirtschaftsdelegation werden an der Sitzung des Beratenden Ausschusses der deutsch-chinesischen Wirtschaft teilnehmen.
Die ihn begleitende große Wirtschaftsdelegation zeige ihm, wie groß das Potenzial sei, so der Kanzler vor seinem Abflug. Man müsse einseitige Abhängigkeiten von China abbauen, nicht jedoch die Kontakte einstellen. "Das gilt besonders mit Blick auf Lieferketten, Technologien und Rohstoffe." Er hielt auch an, globale Aufgaben wie den Kampf gegen den Klimawandel und den Einsatz für eine faire Welthandelsordnung nur gemeinsam bewältigen zu können.
Nachmittags empfängt ihn der Staatspräsident Xi Jinping zu einem Vier-Augen-Gespräch. Neben dem wirtschaftlichen Schwerpunkt soll es in dieser Unterredung auch um die bilateralen Beziehungen und um sicherheitspolitische Fragen gehen.
Zum Abschluss seiner China-Reise wird Merz am Donnerstag die Verbotene Stadt besichtigen, bevor er ein Werk der Mercedes-Benz-Gruppe sowie das Robotik-Unternehmen Unitree und Siemens Energy besucht.
Deutschland zwischen China und USA
Inzwischen ist China zum wichtigsten Handelspartner geworden, die USA standen im Jahr 2025 nur noch an zweiter Stelle. Während der Warenhandel mit China gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent stieg, nahm der Handel mit den Vereinigten Staaten um 5 Prozent ab, wie Zahlen des Deutschen Bundesamts für Statistik zeigen.
Trotzdem sind die Wirtschaftsbeziehungen unter Druck. Denn das Handelsdefizit klafft immer mehr auseinander: die Importe aus China nehmen stark zu, während die Exporte in das asiatische Land stark gefallen sind.
Auch Europa hat den Merz-Besuch im Blick: Denn China unterstützt bisher auch Russlands Krieg in der Ukraine, auch beim Thema Wettbewerb wird der asiatischen Großmacht unfaires Spiel vorgeworfen.
Deutsche Schlüsselmärkte wie die Auto- oder Chemie-Industrie geraten weiter in Bedrängnis. Insbesondere im Bereich der Elektromobilität hat China einen enormen Vorsprung eingefahren. Hat Wadephuls Vorgängerin Annalena Baerbock die Menschenrechtsverletzungen in China deutlich benannt, versucht sich Merz nun in einer diplomatischen Gratwanderung.
Wirtschaftsfragen sind zunehmend zu Sicherheitsfragen geworden, egal ob es um KI, Seltene Erden oder Handels-Ungleichgewichte geht. Ob es gelingt, die Märkte in China weiterhin offen zu halten und die von Exporten nach China abhängigen Arbeitsplätze in Deutschland langfristig zu sichern, wird sich nach der Reise am Freitag zeigen.
Die Begegnung mit China wird außerdem auch in den USA Beachtung finden. Denn kaum landet Merz Flieger Freitagnacht in Berlin, so geht es am Montag direkt weiter zum nächsten Staatsbesuch. Der einzige Unterschied: Den Besuch mit Donald Trump hat Bundeskanzler Merz schon einmal geprobt, das Weiße Haus ist für den CDU-Politiker im Gegensatz zum ukrainischen Präsident Selenskyj glimpflich ausgegangen.
Wie soll man China begegnen, ohne die neue Weltmacht offen zu brüskieren, aber auch ohne zu beschwichtigen?
Dienstreise in die USA: Am Montag besucht Merz Trump
Dennoch steht die nächste Gratwanderung bevor, denn China hat die USA als wichtigsten deutschen Handelspartner erst im vergangenen Jahr überholt. Eine Entwicklung, die unter genauer Beobachtung in den USA steht.
Je nach den Ergebnissen des China-Besuchs könnte der US-Präsident seine Haltung zu Deutschland verändern. Und die Spannungen zwischen den EU-Staaten und den USA sind auch darin spürbar, dass das neueste Zollabkommen erneut auf Eis gelegt wurde.
Die Europäische Kommission hat die USA aufgefordert, für "volle Klarheit" zu sorgen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA viele der Zölle von Präsident Trump in der vergangenen Woche gekippt hatte.
Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange, will die Ratifizierung des Abkommens mit den USA vom Sommer auf Eis legen, insbesondere, wenn der Präsident seine Handelszusagen nicht einhalten könne.
"Wenn Zölle unvorhersehbar angewandt werden, sind sie von Natur aus störend, untergraben das Vertrauen und die Stabilität auf den globalen Märkten und schaffen weitere Unsicherheit in den internationalen Lieferketten", so die Kommission in einem Statement am Montag.
Wo Deutschland steht, machte Merz zuletzt allerdings deutlich. Beim CDU-Parteitag letzte Woche verortete er sein Land trotz allem viel näher an den USA als an China, wo Werte wie Meinungsfreiheit oder Religionsfreiheit keine Rolle spielten. Können die Europäer nicht zusammen mit den US-Amerikanern "gemeinsam etwas Besseres entgegensetzen?", fragte er das Publikum.