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Größte Bundeswehrübung: Soldaten proben Rettungskette von Litauen nach Deutschland

Eine Kolonne von Sanitätsfahrzeugen durchkreuzt am Mittwoch Deutschland.
Eine Kolonne von Sanitätsfahrzeugen durchkreuzt am Mittwoch Deutschland. Copyright  Bundeswehr/Thilo Pulpanek
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Mehr als 1.000 Soldaten und 250 zivile Helfer sollen den Ernstfall üben: Wie können Verletzte im Kriegsfall möglichst schnell gerettet und weiterbehandelt werden? Die Übung erstreckt sich von Litauen bis nach Deutschland.

Am heutigen Mittwoch fahren Sanitäter der Bundeswehr quer durch Deutschland. Sie befinden sich auf dem Weg nach Litauen, denn dort soll im März die größte Sanitätsübung seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine stattfinden.

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Es soll zum ersten Mal die gesamte Rettungskette realitätsnah trainiert werden: vom Ort der Verwundung in einem Einsatzgebiet in Litauen, über die medizinische Evakuierung bis hin zur Versorgung in deutschen Kliniken durch zivile Partner. Auch die Luftwaffe nimmt an der Übung teil.

Rettungskette testen: von Litauen bis ins deutsche Krankenhaus

Ziel ist dabei nicht nur, dass alles reibungslos funktionieren soll. Mit der Übung "Quadriga 2026" bündelt die Bundeswehr mehrere nationale Übungsvorhaben, um ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Es handelt sich also um eine Übung mit Signalwirkung.

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr trainiert in einem ersten Schritt die schnelle Verlegung von zusätzlichen Sanitätskräften nach Litauen und wird dort bereits im Februar ein Rettungszentrum zu Übungszwecken aufbauen und betreiben.

Deshalb durchqueren sogenannte Marschgruppen aus mehreren Bundeswehr-Fahrzeugen die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Insgesamt müssen die Gruppen aus rund 50 Fahrzeugen über 600 Kilometer in Deutschland zurücklegen, bevor sie Litauen über Polen erreichen können.

Bundeswehr-Übung mit rund 1.400 Soldaten

Anfang März wird es ernst für rund 1.000 Soldaten im Baltikum, darunter viele von der Bundeswehr, aber auch die litauische und die niederländische Armee sind bei der Übung vertreten.

Sie sollen die praktische Antwort auf die theoretische Frage liefern: Was ist zu tun, wenn in Litauen ein Großeinsatz notwendig wird?

Die Bundeswehr will bis 2029 mit rund 5.000 Soldaten in Litauen die Verteidigung der NATO-Ostflanke verstärken.
Die Bundeswehr will bis 2029 mit rund 5.000 Soldaten in Litauen die Verteidigung der NATO-Ostflanke verstärken. Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved.

Geübt wird unweit von der Basis der deutschen Brigade 45. Die sogenannte Litauen-Brigade umfasst rund 5.000 Bundeswehr-Soldaten, die dauerhaft an der Grenze zu Belarus stationiert werden sollen.

Bei der Übung geht man von etwa 200 Verletzten aus. Sie werden von Soldaten mit realistischen Verletzungsarten dargestellt. Am ExpoCenterAirport, einem Messegelände am Flughafen Berlin Brandenburg (BER), wird hierfür ein temporärer Aufnahmepunkt für Patienten eingerichtet. Von dort aus werden die Verletzten weitergeleitet.

MedEvac-Airbus: Die fliegende Intensivstation der Bundeswehr

Doch um die Patienten dort versorgen zu können, braucht es den Einsatz des Airbus A330 MedEvac der Bundeswehr. Statt Sitzreihen sind Rettungstragen installiert, Patienten können innerhalb des Flugzeugs weiterversorgt werden.

Die Sanitäter, die bereits jetzt auf dem Weg nach Litauen sind, kommen dann vor Ort und beim Transport zum Flughafen zum Einsatz. Im Gegensatz zum Rettungshubschrauber nimmt der MedEvac verletzte Patienten nicht direkt am Unfallort auf, sondern erst, nachdem diese für den Transport - zum Beispiel durch eine Operation - "stabilisiert" wurden.

In Afghanistan brachten Bundeswehrsoldaten 2010 ihre verwundeten Kameraden zu einem MedEvac-Airbus in Termes.
In Afghanistan brachten Bundeswehrsoldaten 2010 ihre verwundeten Kameraden zu einem MedEvac-Airbus in Termes. AP Photo

Dieser intensivmedizinische Behandlungsplatz ist für Patienten geeignet, die bereits künstlich beatmet an Bord kommen. Außerdem gibt es weitere Patienten-Liegeplätze, Sitzplätze sind ausschließlich für das Flugpersonal sowie die Sanitäter und Ärzte bestimmt.

Die Bundeswehr bittet um Verständnis, dass es durch die Konvois auf den betroffenen Straßen teilweise zu Einschränkungen kommen könnte. Sowohl am Mittwoch als auch bei der Übung Anfang März bestehe aber zu keiner Zeit eine Gefahr.

Die Bevölkerung wird darauf hingewiesen, dass Aktivitäten der Bundeswehr und ziviler Rettungsorganisationen im Umfeld des Flughafens BER zu sehen seien, diese aber nur Übungen sind. Es gebe keinen Anlass zur Beunruhigung. Auch die dargestellten Verletzungen seien lediglich simuliert.

Bei der Übung handelt es sich um die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, so die Bundeswehr.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte im Juni 2024 angekündigt, dass die Bundeswehr 2029 "kriegstüchtig" sein solle. Die Bundeswehr reagiere mit der Übung auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Deutschland wäre im Verteidigungsfall Drehscheibe für Nachschub an die NATO-Ostflanke – und für den Rücktransport Verwundeter.

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