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Sturmflut: So wahrscheinlich ist ein Tsunami im Mittelmeer

Ein Surfer surft am Stinson Beach, nachdem die Tsunami-Warnung im Marin County, Kalifornien, am Mittwoch, den 30. Juli 2025, aufgehoben wurde.
Ein Surfer surft am Stinson Beach, nachdem die Tsunami-Warnung im Marin County, Kalifornien, am Mittwoch, den 30. Juli 2025, aufgehoben wurde. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind rund 100 Tsunamis im Mittelmeer oder angrenzenden Gebieten dokumentiert worden – etwa 10 % aller weltweit registrierten Ereignisse. Forscher erwarten mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten weitere Tsunamis in der Region.

Das Mittelmeer wird oft als ungefährlich eingeschätzt. Doch Experten warnen: Tsunamis stellen eine reale Gefahr dar – auch in Teilen des Mittelmeers. Es gibt die 100-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten 30–50 Jahren ein Tsunami mit mindestens einem Meter Höhe im Mittelmeer auftreten wird, sagt die UNESCO.

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Auch wenn ein Meter nicht hoch klingt: Dicht besiedelte Küsten mit seismischer und vulkanischer Aktivität müssten das Risiko von kleinen wie auch potenziell verheerenden Tsunamis im nordöstlichen Atlantik und angrenzenden Meeren wie Mittelmeer, Nordsee, Ostsee und Schwarzem Meer aktiv berücksichtigen, so die UNESCO weiter.

Tsunamis entstehen meist durch Seebeben oder Vulkanausbrüche, sie ziehen mehrere aufeinanderfolgende Wellen nach sich. Experten weisen darauf hin, dass die erste Welle nicht unbedingt die stärkste ist. Besonders gefährlich sind die kräftigen Strömungen, die Häfen überfluten, Schwimmer überraschen und in bebauten Küstengebieten schwere Schäden anrichten können.

Mehrere Regionen im Mittelmeer gelten als Zonen mit höherem Tsunami-Risiko, z.B. weil sie in der Nähe aktiver Verwerfungen liegen.

Hier sind die wichtigsten Hotspots:

Griechenland gilt als das Mittelmeerland mit dem höchsten Tsunami-Risiko, insbesondere die Insel Kreta, der Hellenische Bogen und die Ägäis. Hier taucht die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte ab, wodurch große Erdbeben entstehen können, die Tsunamis auslösen. Das berühmte Erdbeben von Kreta im Jahr 365 n. Chr. erzeugte einen gewaltigen Tsunami, der sich über den gesamten östlichen Mittelmeerraum ausbreitete.

Süditalien ist besonders gefährdet, vor allem Sizilien, die Straße von Messina und Gebiete in der Nähe des Ätna. Das Erdbeben von Messina im Jahr 1908 löste einen Tsunami aus, der eine Höhe von bis zu etwa 13 Metern erreichte.

Spanien und das westliche Mittelmeer sind vor allem auf den Balearen und Teilen der Küste von Valencia gefährdet. Tsunamis sind hier seltener, können aber auftreten, wenn sie in Nordafrika ausgelöst werden.

Nordafrika ist besonders gefährdet an den Küstenregionen Algeriens und Marokkos. Das Erdbeben von Boumerdès im Jahr 2003 löste einen kleinen Tsunami aus, der Teile des westlichen Mittelmeers beeinflusste.

Portugal gehört zur Nordost‑Atlantik‑Region, in der sich die afrikanische und eurasische Platte treffen – eine tektonisch aktive Zone, die Erdbeben und gelegentlich auch Tsunamis auslösen kann. Laut Experten am Portugiesischen Instituto Português do Mar e da Atmosfera (IPMA) ist das Risiko eines Tsunamis an der portugiesischen Küste real, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für sehr große Wellen geringer ist als in stark seismischen Regionen wie dem Pazifik. Das liegt unter anderem daran, dass es im Nordostatlantik nur sehr selten zu großen Erdbeben kommt.

Die Westtürkei ist besonders gefährdet an den Küsten der Ägäis, insbesondere in der Nähe von Izmir und der Bodrum-Halbinsel. Häufige Erdbeben entlang aktiver Verwerfungen können kleinere Tsunamis auslösen.

Die Mittelmeerküste Südfrankreichs, insbesondere die Regionen um Nizza, Marseille, Toulon und die Côte d’Azur, ist aufgrund der Nähe zu tektonisch aktiven Zonen moderat tsunamigefährdet. Obwohl extrem große Wellen selten sind, können schnelle Tsunamiwellen die Küsten innerhalb von 20–60 Minuten erreichen, weshalb Vorsorge und Frühwarnsysteme von Bedeutung sind.

Alle aufgeführten Länder sind im gemeinsamen regionalen Tsunami‑Warnsystem der UNESCO (NEAMTWS) im Mittelmeerraum eingebunden.

Frankreich, Italien, Griechenland, Türkei und Portugal haben neben ihrer Mitgliedschaft im NEAMTWS auch eigene nationale Warnzentren oder akkreditierte "Tsunami Service Provider" und geben im Alarmfall Warnungen weiter.

Tektonische Aktivität im östlichen Mittelmeer am größten

Grundsätzlich gilt: Das östliche Mittelmeer (Griechenland, Türkei, Italien) weist aufgrund der starken tektonischen Aktivität das höchste Risiko auf. Im zentralen Mittelmeer ist das Risiko moderat, während es im westlichen Mittelmeer (Spanien, Frankreich) geringer, aber nicht null ist.

Interessant: Da das Mittelmeer vergleichsweise klein ist, kann ein Tsunami nahegelegene Küsten bereits in 20 bis 40 Minuten erreichen, sodass ein Seebeben oft die wichtigsten Warnsignale sind. Es bedeutet auch, dass wesentlich weniger Vorwarnzeit bleibt als in großen Ozeanen wie z.B. dem Pazifik.

Viele Mittelmeerländer sind über das gemeinsame regionale Tsunami‑Warnsystem der UNESCO verbunden, das Warninformationen koordinieren und weiterleiten kann.

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