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Angriffsdrohung gegen Insel Kharg: Trump erhöht den Druck auf Iran und Verbündete

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten
Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten Copyright  AP Photo
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Von Farhad Mirmohammadsadeghi
Zuerst veröffentlicht am
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Trump droht mit weiteren Angriffen auf die iranische Insel Kharg und treibt zugleich eine internationale "Hormus-Koalition" voran. Doch noch hat sich kein Staat festgelegt und die Risiken einer weiteren Eskalation sind enorm. Was Washington jetzt plant.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag, er habe Angriffe auf militärische Ziele auf der Insel Kharg angeordnet. Ölanlagen seien dabei jedoch nicht ins Visier genommen worden.

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In einem Gespräch mit NBC sagte er am Samstag dann, die Vereinigten Staaten könnten Kharg "nur zum Spaß noch ein paar Mal ins Visier nehmen".

"Niemand sollte die Äußerungen des Präsidenten anders verstehen als genau so, wie er sie formuliert hat", sagte ein hochrangiger Beamter des Weißen Hauses. Zugleich betonte er, Trump habe bislang keine Entscheidung über die Insel Kharg getroffen.

Sollten die Bemühungen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus jedoch längere Zeit dauern, "könnte sich das ändern". "Der Präsident wird nicht tatenlos zusehen und dem Iran erlauben, das Tempo dieses Konflikts zu bestimmen", fügte der Beamte hinzu.

Ein weiterer Vertreter des Weißen Hauses sagte, Trump neige zu der Idee, die Insel Kharg einzunehmen. Das wäre demnach "ein Schlag, der die Wirtschaft des iranischen Regimes hart treffen" und Teherans finanzielle Spielräume massiv einschränken würde.

Bodentruppen für Kharg-Offensive?

Eine solche Aktion würde allerdings den Einsatz von Bodentruppen erfordern. Zudem könnte sie iranische Vergeltungsangriffe auf Ölanlagen und Pipelines in den Golfstaaten auslösen, vor allem in Saudi-Arabien.

"Es gibt große Risiken und große Chancen", sagte der Beamte. "Der Präsident ist an diesem Punkt noch nicht angekommen, und wir sagen auch nicht, dass er ihn erreichen wird."

Der republikanische Senator Lindsey Graham und eine ihm nahestehende Person begrüßten zwar "Trumps Entscheidung, den Krieg auf die Insel Kharg zu tragen". Sie betonten aber auch, dass der Verlust der Kontrolle über die Insel, einen zentralen Umschlagplatz für iranische Ölexporte, die iranische Wirtschaft schwer treffen würde.

Graham sagte: "Im Krieg hat der Feind nur selten ein einziges Ziel wie die Insel Kharg, das den Verlauf des Konflikts dramatisch verändern kann. Wer Kharg kontrolliert, hält das Schicksal dieses Krieges in den Händen."

Axios hatte bereits vergangene Woche berichtet, das US-Militär prüfe sowohl eine Einnahme der Insel Kharg als auch den Einsatz von Spezialeinheiten, um die Kontrolle über iranische Uranvorräte zu erlangen.

Trump drängt auf internationale "Hormus-Koalition"

Donald Trump arbeitet zudem an einer internationalen Koalition zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Diese könnte nach seinen Vorstellungen noch in dieser Woche angekündigt werden. Das berichtete Axios unter Berufung auf vier mit den Vorgängen vertraute Quellen.

Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran ist die Straße von Hormus faktisch blockiert. Damit wurden Ölexporte aus den Golfstaaten erheblich behindert. Der Iran erlaubt Tankern nach Angaben des Berichts zwar weiterhin, eigenes Öl zu verladen, und hält so seine Exporte nach China und in andere Länder aufrecht.

Die Folgen zeigen sich bereits an den Märkten: Die Ölpreise sind deutlich gestiegen.

Einer mit der Lage vertrauten Quelle zufolge könnte Trump den Krieg selbst dann kaum beenden, wenn er es wollte, solange die aktuelle Situation anhält und die Ölexporte der Golfstaaten eingeschränkt bleiben.

Am Sonntag sagte der Präsident, er wolle Nato-Staaten und andere ölimportierende Länder, darunter auch China, um Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus bitten.

"Wir sprechen mit anderen Ländern darüber, in dieser heiklen Lage zu patrouillieren", sagte Trump. "Es ist gut, wenn andere Länder gemeinsam mit uns patrouillieren. Wir werden helfen. Die Resonanz ist gut."

Trump erklärte weiter, die USA führten Gespräche mit sieben Staaten. Einige davon hätten sich gegen eine Beteiligung ausgesprochen. Zugleich betonte er, die Mission werde "klein" ausfallen, da der Iran "nur noch sehr wenig Feuerkraft" habe.

Nach Angaben eines US-Beamten verbrachten Trump und führende Regierungsvertreter das gesamte Wochenende mit Telefonaten, um die internationale Koalition auf den Weg zu bringen.

Am Sonntag sprach Trump auch mit dem britischen Premierminister Keir Starmer über die Bemühungen. Das ist bemerkenswert, weil Trump noch vor wenigen Tagen gesagt hatte, für britische Hilfe sei es "zu spät".

"Wir haben ein fruchtbares Wochenende in der Diplomatie mit den Verbündeten der USA in Europa, am Golf und in Asien verbracht", sagte eine mit den Gesprächen vertraute Quelle. "Das Hauptziel der Trump-Regierung ist es derzeit, das politische Engagement der Verbündeten zu stärken und sie bei der Frage der Straße von Hormus neu zu formieren."

Noch hat sich kein Staat festgelegt

Nach Angaben eines hochrangigen Vertreters der US-Regierung hat sich bislang noch kein Land verbindlich zum Beitritt bereit erklärt. Trump rechne aber damit, dass in dieser Woche mehrere Staaten ihre Unterstützung erklären und damit die sogenannte "Hormus-Koalition" formen.

"Das meiste Öl ist nicht unser Öl", sagte der Beamte. "Es geht in andere Länder. Wenn sie also wollen, dass der Preis sinkt, müssen sie helfen."

Im Mittelpunkt stehe derzeit vor allem politisches Commitment, sagte eine weitere informierte Quelle. Welche Länder später konkret welches Material oder Personal entsenden, solle erst in einem nächsten Schritt festgelegt werden.

Das Wall Street Journal berichtete, die angefragten Staaten sollten Kriegsschiffe, Minensucher sowie Kommando- und Kontrollkapazitäten in die Region entsenden, um die Meerenge zu sichern.

Am Donnerstag will Trump das Thema auch bei einem Treffen mit dem japanischen Premierminister im Weißen Haus ansprechen. Im Mittelpunkt sollen der Iran und die sichere Passage für Öltanker stehen.

Auch China drängt Trump nach eigenen Angaben zum Mitmachen. Vor seinem geplanten Besuch in Peking Ende des Monats, bei dem er Xi Jinping treffen will, erhöhte er den Druck auf die chinesische Führung. Der Financial Times sagte er, Peking müsse sich beteiligen.

Ein iranischer Beamter sagte CNN zufolge, der Iran könnte Tankern eine sichere Passage ermöglichen, wenn Öltransporte in chinesischen Yuan statt in US-Dollar abgerechnet würden.

In der Financial Times warnte Trump zudem die Nato-Staaten: "Wenn es keine Antwort gibt oder die Antwort nein lautet, wäre das aus meiner Sicht sehr schlecht für die Zukunft der Nato."

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