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Sparen im Bundestag – aber 8.000 Euro für TikTok? Klöckner in der Kritik

Tiktok Symbolbild
Tiktok Symbolbild Copyright  Pixabay
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Von VS mit Spiegel, Deutscher Bundestag
Zuerst veröffentlicht am
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Ein Spitzengehalt für Social Media, trotz Sparvorgaben im Bundestag: Julia Klöckners TikTok-Stelle sorgt für Kritik – und steht exemplarisch für den Wandel politischer Kommunikation.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner will ihren Auftritt in sozialen Medien professionalisieren – und lässt sich das einiges kosten. Für ihr Büro sucht die CDU-Politikerin per interner Ausschreibung einen Social-Media-Redakteur mit Fokus auf TikTok. Das Gehalt: bis zu 8.000 Euro im Monat. Eine Summe, die selbst im Politikbetrieb auffällt – und eine Debatte auslöst.

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Wie Der Spiegel berichtet, verdienen solche Beträge sonst eher Führungskräfte im Staatsdienst – etwa Studiendirektoren oder Offiziere der Bundeswehr. Für eine Stelle, die sich mit der Produktion und strategischen Steuerung von Social-Media-Inhalten befasst, liegt die Vergütung deutlich über dem üblichen Niveau.

Sparen – aber nicht bei Social Media?

Brisant ist die Ausschreibung auch vor dem Hintergrund geplanter Einsparungen. Laut interner Unterlagen, über die der Spiegel berichtet, soll das Budget des Bundestags um 2,2 Prozent reduziert werden. Rund 60 Stellen könnten wegfallen. Insgesamt plant die Regierungskoalition aus SPD und CDU, das Personal in Ministerien und Parlamentsverwaltung bis zum Ende der Legislaturperiode um acht Prozent zu reduzieren.

Im Bereich der Bundestagspräsidentin scheint dieser Sparkurs bislang jedoch kaum anzukommen. Während andernorts gekürzt werden soll, wird für den Ausbau der digitalen Kommunikation offenbar zusätzlich investiert.

Zwischen Amt und Inszenierung

Klöckner selbst begründet ihren Social-Media-Fokus mit einem erweiterten Amtsverständnis: Politik müsse auch dort stattfinden, wo sich junge Menschen informieren. Das hatte sie bereits zu Beginn ihres Amtsantritts als Bundestagspräsidentin angekündigt.

Doch die Trennung zwischen Amt und Person könnte zunehmend unscharf werden. Neben offiziellen Kanälen betreibt Klöckner auch persönliche Accounts, auf denen sich teilweise identische Inhalte finden. Kritiker sehen darin eine problematische Vermischung von institutioneller Kommunikation und persönlicher Reichweitenstrategie.

Für Irritation sorgte bereits, dass Klöckner das Social-Media-Team des Bundestages – insgesamt sieben Personen – direkt in ihrem Umfeld angesiedelt hat. Verantwortlich für die Arbeit des Teams ist mit Matthias Paul ein langjähriger Vertrauter Klöckners. Nun soll ein weiterer, hoch bezahlter TikTok-Spezialist hinzukommen. Im Präsidium heißt es laut Spiegel zwar, im Mittelpunkt müsse klar das Amt stehen – nicht die Person. Ob diese Trennung gelingt, bleibt abzuwarten.

Auch Grüne und Linke suchen nach Social Media-Referenten

Der Fall steht für einen größeren Trend: Social-Media-Experten werden im politischen Betrieb zunehmend gesucht. Nicht nur einzelne Abgeordnete, auch Fraktionen bauen ihre Teams aus.

So suchen etwa die Bundestagsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke aktuell ebenfalls Personal im Bereich Social Media. Bei den Grünen wird in Stellenausschreibungen auf eine Vergütung nach TVöD Bund verwiesen – allerdings ohne konkrete Eingruppierung. Die Spannbreite könnte unter den von Klöckner angebotenen Summen liegen.

Digitale Kommunikation ist längst kein Nebenschauplatz mehr, sondern zentraler Bestandteil politischer Arbeit. Reichweite, Sichtbarkeit und Inszenierung entscheiden zunehmend über Einfluss. Klöckners Ausschreibung steht damit exemplarisch für einen Wandel, der weit über einen einzelnen Job hinausgeht. Sie wirft die grundsätzliche Frage auf, wie viel Inszenierung sich die Politik leisten will – und auf wessen Kosten.

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