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4.000 Kilometer Reichweite: Bedrohen Irans Raketen jetzt Berlin, Paris und Warschau?

"Hemmungslos und gewaltbereit": Schickt der Iran jetzt Raketen nach Deutschland?
"Hemmungslos und gewaltbereit": Schickt der Iran jetzt Raketen nach Deutschland? Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Diana Resnik
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Iran greift einen 4.000 Kilometer entfernten US-Stützpunkt im Indischen Ozean mit Raketen an. "Das hätte genauso gut Berlin sein können", sagt Militärexperte Ralph Thiele zu Euronews. Wie real ist die Raketen-Gefahr für Deutschland wirklich?

Der weitreichende iranische Raketenangriff auf den britisch-amerikanischen Militärstützpunkt auf Diego Garcia am 21. März hat jetzt gezeigt: Deutschland und Europa sind in echter Gefahr. "Dieser Raketenangriff (...) hätte genauso gut nach Berlin oder Paris gehen können", warnt Militärexperte Ralph Thiele bei Euronews.

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Nach Angaben des Staatsfernsehens hat der Iran zwei ballistische Raketen auf den Militärstützpunkt im Indischen Ozean abgefeuert. Laut Wall Street Journal soll eine der Raketen von einem US-Kriegsschiff abgeschossen worden sein, während die andere im Flug versagte.

Die von der iranischen Führung offiziell bestätigte Reichweite ihrer Raketen betrug bislang 2.000 Kilometer. Das entspricht einer Mittelstreckenrakete mittlerer Reichweite (1.000-3.000 Kilometer). Doch jetzt stellt sich heraus: Der Iran verfügt offenbar über ein Raketenarsenal mit einer viel größeren Reichweite als bislang angenommen.

Der von Großbritannien und den USA gemeinsam genutzte Militärstützpunkt in Diego Garcia galt bislang als unantastbar. Die Inselgruppe steht seit 1810 unter britischer Herrschaft und liegt rund 4.000 Kilometer südöstlich der iranischen Küste. Eine solche Distanz reiche "zumindest bis nach Süddeutschland", sagt Thiele zu Euronews.

Eine Luftaufnahme von Diego Garcia.
Eine Luftaufnahme von Diego Garcia. AP/AP

US-Militärbasis bei Ramstein hätte genauso Ziel sein können

Dass beispielsweise die US-Militärbasis Ramstein nahe Kaiserslautern nicht zur Zielscheibe eines iranischen Raketenangriffs wurde, sei Zufall, so der Militärexperte.

Die Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz gilt als der wichtigste Militärstützpunkt der USA in Europa. Auf dem Gelände befindet sich außerdem die NATO-Kommandobehörde für Luftstreitkräfte und ein Angriff beträfe damit alle Staaten im Verteidigungsbündnis.

Zudem gefährlich: Der Iran hat nicht nur Militärziele im Visier. Zuletzt hat Irans Militär offen damit gedroht, Gegner weltweit zu verfolgen. Der Sprecher der iranischen Streitkräfte, General Abolfazl Schekarchi kündigte im iranischen Staatsfernsehen an, den Iran-Krieg ausweiten zu wollen. Von nun an seien auch Freizeit- und Tourismusziele auf der ganzen Welt nicht mehr sicher, zitierte der private Nachrichtensender Iran International den Militärsprecher.

Thiele bestätigt: Der Iran sei ein Terrorstaat, der seit Jahrzehnten Menschen angreift. Sein Ziele: Botschaften, Diskotheken, Touristenzentren.

Nächster Schritt: Nuklearwaffen?

Die Raketen nach Diego Garcia zu schicken, war ein "Testing", sagt der Militärexperte. Zwar handelte es sich im Fall von Diego Garcia um konventionelle Waffen. Doch der Iran hat jetzt gezeigt, dass er auch Nuklearwaffen in dieser Reichweite abschießen könnte.

Die Gefahr ist real. Denn nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste wären Irans ballistische Raketen technisch in der Lage, nukleare Sprengköpfe zu tragen.

Auch Iran Watch bestätigt: Viele iranische Raketen seien in der Lage, nukleare Sprengköpfe zu transportieren. Das iranische Raketenarsenal gehört zu den größten im Nahen Osten. Im Jahr 2022 erklärte General Kenneth McKenzie vom US-Zentralkommando, der Iran verfüge über "mehr als 3.000" ballistische Raketen.

Das iranische Raketenprogramm ist mehr als 40 Jahre alt. Es startete in den Achtzigerjahren als Reaktion auf den Iran-Irak-Krieg. In den folgenden Jahrzehnten wurde es unter der Führung der Revolutionsgarden ausgebaut - als Abschreckung gegen die USA und Israel.

Welche iranischen Raketen könnten Europa erreichen?

Welches System der Iran für den Angriff auf Diego Garcia genau eingesetzt hat, ist laut einer Analyse des Critical Threats Project bisher unklar. Demnach könnte es sich um eine modifizierte Version einer seiner Raketen oder um eine bisher unbekannte Waffe gehandelt haben.

Um welche Art von Modifizierung es sich bei den auf Diego Garcia abgeschossenen Raketen gehandelt haben könnte, verdeutlicht folgendes Beispiel:

Zu den Raketen, über die der Iran verfügt, gehören unter anderem Chorramschahr-4 vom Typ der ballistischen Raketen mit mittlerer Reichweite von 2.000 bis 3.000 Kilometer und einer Nutzlast von 450 bis 600 Kilogramm. Die Rakete wurde in Teheran im September 2017 im Rahmen einer Feier zum 37. Jahrestag des Iran-Irak-Kriegs vorgestellt. Laut der Militärfachseite Army Technology ist die Rakete 13 Meter lang und wiegt rund 20 Tonnen.

Eine modifizierte Variante dieser Rakete wurde 2019 bei einer Parade in Teheran vorgestellt. Diese Variante war mit einem kleineren und leichteren Wiedereintrittskörpern als die Vorgängerversion ausgestattet. Die Reichweite wurde vermutlich von 2.000 km auf 3.000 km erhöht.

Berlin liegt dabei 3.200 km von Teheran entfernt - die Flugzeit läge bei etwa 15 bis 20 Minuten. Das verdeutlicht: Fast ganz Europa liegt in Irans Reichweite, so Militärexperten.

Der Iran könnte Raketen mit einer Reichweite von 4.000 km verfügen.
Der Iran könnte Raketen mit einer Reichweite von 4.000 km verfügen. Critical Threats Project

Ein Szenario, auf das Deutschland nicht vorbereitet ist

Auf ein derartiges Angriffsszenario seien Deutschland und Europa überhaupt nicht vorbereitet, sagt Militärexperte Thiele. Der Grund: Deutschland und Europa hätten zu wenig Flugabwehrsysteme und die wenigen, die sie hätten, schickten sie zur Hälfte in die Ukraine.

"Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine am 24. Februar 2022 hat Deutschland Material aus Beständen der Bundeswehr mit einem geschätzten Wiederbeschaffungswert von 5,2 Milliarden Euro an die Ukraine abgegeben", meldet die Bundesregierung.

Die Bundeswehr verfügte ursprünglich über zwölf Patriot-Systeme. Davon wurden allein 2023 und 2024 zwei Systeme an Polen und drei Systeme an die Ukraine abgegeben. Ein Zukauf weiterer Systeme war für den Zeitraum 2025 bis 2029 geplant. Doch der Krieg im Iran ändert die Lage. Die USA und Israel hätten bereits zu Beginn des Krieges mindestens 800 Patriots verschossen, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Militärkreise berichtete. Die USA brauchten jetzt die Flugabwehrraketen selbst und die Bestände in Europa seien ausgedünnt. Dabei seien Patriots das zentrale Luftabwehrsystem des Westens.

Die Lösung so Ralph Thiele: das "Arrow Weapon System for Germany" (AWS). Das AWS-G ist ein System aus israelischer Herstellung, das in Kooperation mit den USA entwickelt wurde. Dieses kann ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre in einer Höhe von über 100 Kilometern und bis zu 2400 km Entfernung abfangen. Der Vorteil: extrem kurze Reaktionszeiten, große Einsatzhöhen und Mehrschichtschutz.

Eine der Anlagen ist seit Dezember 2025 bereits im Berliner Umland in Betrieb. Zwei weitere wurden bestellt. Doch Thiele warnt: Man dürfe nicht glauben, dass wir jetzt geschützt seien. "Wir würden (unseren Luftraum) nie im Leben so dicht zumachen können, wie die Israelis", sagt Thiele. Schließlich sei Israel viel kleiner als Deutschland.

Kinder spielen neben einem Trümmerteil einer iranischen ballistischen Rakete, die am Montag, dem 23. März 2026, auf einem Schulhof in der israelischen Siedlung Peduel.
Kinder spielen neben einem Trümmerteil einer iranischen ballistischen Rakete, die am Montag, dem 23. März 2026, auf einem Schulhof in der israelischen Siedlung Peduel. AP Photo

Laut Thiele beginne jetzt ein längerer Prozess, mit dem unser Luftraum sicherer gemacht werde. Deutschland und Europa müssten ihre Verteidigung verbessern. Mit dem Kauf der Arrow-3-Systeme sei Deutschland aber auf einem guten Weg.

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