Iranische Streitkräfte haben einen Raketenangriff auf die britisch‑amerikanische Basis Diego Garcia im Indischen Ozean versucht. Bisher galt sie als außerhalb iranischer Raketenreichweite.
Eine britische Regierungsquelle hat am Samstag bestätigt, dass der Iran versucht hat, den gemeinsamen britisch-US-amerikanischen Militärstützpunkt auf Diego Garcia anzugreifen – allerdings ohne Erfolg. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.
Beim Angriff feuerte der Iran zwei ballistische Raketen ab. Keine erreichte das Atoll: Eine versagte in der Luft, die andere wurde von einem US-Zerstörer abgefangen. Nach Angaben der Quelle erfolgte der Angriff, bevor die britische Regierung am Freitag offiziell bekanntgab, dass die USA ihre Stützpunkte nutzen dürfen, um iranische Ziele anzugreifen, die an Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus beteiligt sind.
Der Vorfall deutet darauf hin, dass die iranische Raketenreichweite größer ist als bisher angenommen. Diego Garcia liegt rund 4.000 Kilometer von der iranischen Küste entfernt – etwa doppelt so weit wie die offiziell von Teheran angegebene Höchstreichweite von 2.000 Kilometern.
Militärstützpunkt Diego Garcia: Lage im Indischen Ozean
Die Basis liegt strategisch im Chagos-Archipel und gilt im Indischen Ozean als "unsinkbarer Flugzeugträger". Das Territorium steht zwar unter britischer Hoheit (BIOT), den operativen Betrieb führt jedoch das US-Militär.
Der Stützpunkt verfügt über zentrale Infrastruktur, darunter eine Start- und Landebahn für schwere Bomber sowie einen tiefen Naturhafen für Atom-U-Boote und Kriegsschiffe.
Die Stationierung der Truppen ist umfangreich und unterstreicht die Bedeutung des Stützpunkts für die globale Sicherheit. Die USA halten dort dauerhaft strategische B-52- und B-1-Bomber vor und betreiben das 15. Space Surveillance Squadron zur Satellitenüberwachung.
Die Anlage dient außerdem als wichtiger Logistikknoten. Frachter mit schwerem Gerät stehen bereit, um innerhalb kurzer Zeit eine komplette US-Marineinfanteriebrigade zu unterstützen. Die britische Präsenz ist zahlenmäßig klein, behält jedoch die administrative Verantwortung und die völkerrechtliche Aufsicht über alle Einsätze, die von dem Atoll ausgehen.
Britische Stützpunkte: USA nutzen sie für Militäreinsätze
Auf diplomatischer Ebene hat das Vereinigte Königreich den Rahmen seiner militärischen Unterstützung klar umrissen. London erlaubt Washington, von Diego Garcia sowie von RAF Fairford in Gloucestershire aus "defensive Bombenangriffe" zu fliegen. Von dort sind bereits erste Einsätze gestartet worden. Die Nutzung der Basis RAF Akrotiri auf Zypern für offensive Operationen lehnt die Regierung jedoch ab.
Diese Differenzierung deutet darauf hin, dass London eine regionale Eskalation begrenzen will, zugleich aber internationale Handelsrouten schützen möchte. Das britische Verteidigungsministerium betonte, das "rücksichtslose Vorgehen" Irans stelle eine direkte Bedrohung für britische Interessen sowie für die Stabilität der Partnerstaaten im Golf dar.