Das IOC hat am Donnerstag neue Richtlinien verkündet: Die Sportlerinnen müssen sich ab den Spielen 2028 einem Geschlechtstest unterziehen, und Transfrauen dürfen dann nicht mehr in der Frauenkategorie starten.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlangt künftig Geschlechtstests von allen Teilnehmerinnen und will Transfrauen aus der Frauenkategorie ausschließen. Die Regel soll von den nächsten Olympischen Sommerspielen an gelten, die im Juli 2028 in Los Angeles in den Vereinigten Staaten geplant sind.
Am Donnerstag hat die IOC-Spitze die neue Richtlinie zum "Schutz der Frauen-Kategorie im olympischen Sport" verabschiedet - das Ergebnis einer Arbeitsgruppe, die IOC-Präsidentin Kirsty Coventry eigens dafür eingesetzt hatte.
Nach den Sommerspielen in Paris 2024 und den jüngsten Winterspielen in Milano-Cortina hatte es Forderungen nach Reformen gegeben. Konkrete Fälle standen dabei kaum im Raum, jedoch trieb die Kontroverse von 2024 um die Boxerinnen Imane Khelif und Lin Yu-Ting die Verschärfung der Regeln voran. Die beiden hatten bei den Olympischen Spielen in Paris Gold gewonnen, waren bei der Weltmeisterschaft 2023 aber nach einer umstrittenen Entscheidung disqualifiziert worden, weil sie dort angeblich nicht alle Kriterien in den Geschlechtstests erfüllt hatten. In sozialen Netzwerken warfen Nutzerinnen und Nutzer mehreren Sportlerinnen, allen voran der Algerierin Imane Khelif, vor, das System zu ihrem Vorteil auszunutzen.
„Startberechtigt bei Olympischen Spielen oder anderen IOC-Wettbewerben, in allen Einzel- und Teamsportarten, sind in der Frauenkategorie künftig nur noch biologische Frauen“, teilte das Internationale Olympische Komitee nun mit. Den Status sollen Athletinnen einmal in ihrer Karriere mit einem obligatorischen Geschlechtstest nachweisen.
Wie viele Trans-Frauen überhaupt am Start?
Unklar ist, wie viele Trans-Frauen überhaupt auf olympischem Niveau starten. Bei den Sommerspielen 2024 in Paris trat keine Athletin an, die offiziell von einem männlichen zu einem weiblichen Geschlecht gewechselt ist. Die Transgender-Frau und Gewichtheberin Laurel Hubbard war 2021 in Tokio am Start, gewann dort aber keine Medaille.
Die nun beschlossene Startrechts-Regel, die ab den Spielen in Los Angeles im Juli 2028 gilt, „schützt Fairness, Sicherheit und Integrität in der Frauenkategorie“, erklärte das IOC.
„Sie gilt nicht rückwirkend und erfasst keine Breiten- oder Freizeitsportangebote“, so das Komitee weiter. In der Olympischen Charta ist festgeschrieben, dass der Zugang zum Sport ein Menschenrecht ist.
Nach der Sitzung der Exekutive veröffentlichte das IOC ein zehnseitiges Papier. Es begrenzt auch die Startrechte von Sportlerinnen mit sogenannten Varianten der Geschlechtsentwicklung (DSD), darunter die zweimalige Olympiasiegerin und Läuferin Caster Semenya.
„Uns ist bewusst, wie sensibel dieses Thema ist“, sagte IOC-Präsidentin Coventry in einer Online-Pressekonferenz, in der sie die Regel erläuterte.
Entscheidung stützt sich auf "biologische Forschung"
Coventry und das IOC drängten seit Längerem auf eine einheitliche Regelung. Bisher hatte das Komitee nur Empfehlungen an die Fachverbände gegeben, die eigene Vorschriften formulierten.
„Bei Olympischen Spielen entscheiden oft kleinste Unterschiede über Sieg und Niederlage“, erklärte Coventry, die selbst zweimal Olympiagold im Schwimmen gewann, in einer Mitteilung.
"Deshalb ist für uns klar, dass es nicht fair wäre, wenn biologische Männer in der Frauenkategorie antreten."
In dem Dokument legt das IOC Forschungsergebnisse vor, nach denen eine männliche Geburt körperliche Vorteile mit sich bringt, die nach Ansicht einer Expertengruppe erhalten bleiben.
"Männliche Personen erleben drei ausgeprägte Testosteronspitzen: im Mutterleib, in der Mini-Pubertät im Säuglingsalter und zu Beginn der Pubertät bis ins Erwachsenenalter", heißt es darin.
Dies verschaffe ihnen "individuelle, geschlechtsbezogene Leistungsvorteile in Sportarten und Disziplinen, die auf Kraft, Leistung und/oder Ausdauer beruhen."
Trump lobt IOC-Entscheidung
US-Präsident Donald Trump, ein entschiedener Befürworter der neuen Linie, lobte das IOC in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social.
"Glückwunsch an das Internationale Olympische Komitee zu seiner Entscheidung, Männer aus den Frauensportarten auszuschließen. Das passiert nur wegen meiner kraftvollen Executive Order, mit der ich Frauen und Mädchen verteidigt habe!"
Trump unterzeichnete im Februar vergangenen Jahres, kurz nach Beginn seiner zweiten Amtszeit, eine Executive Order. Sie verbietet Transsportlerinnen Starts in Frauenkategorien innerhalb der Vereinigten Staaten.
Der US-Präsident hatte der "woken Linken" zuvor vorgeworfen, "grundlegende Biologie" zu leugnen, um ihre Ideologie voranzutreiben. Frauen müssten vor Männern geschützt werden, die betrügen wollten, so Trump.
Er erklärte außerdem, er habe die damalige Heimatschutzministerin Kristi Noem angewiesen, "sämtliche Visaanträge von Männern abzulehnen, die versuchen, unter der falschen Angabe, sie seien Sportlerinnen, in die Vereinigten Staaten einzureisen".
Mögliche Einsprüche?
Die neue IOC-Regel könnte vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne, dem Schweizer Sitz des Komitees, angefochten werden – und vieles spricht dafür, dass das passiert. Eine Klage könnte auch von einer einzelnen Athletin oder einem einzelnen Athleten ausgehen.
Bereits früher hatten die Läuferinnen Dutee Chand aus Indien und Caster Semenya aus Südafrika frühere Fassungen der Startrechtsregeln ihres Sports vor dem CAS angegriffen.
In einem möglichen Verfahren würde das Gericht die wissenschaftliche Grundlage der IOC-Analysen prüfen, die am Donnerstag nicht veröffentlicht wurden. Ein solcher Fall könnte einen Großteil der fast achtundzwanzig Monate in Anspruch nehmen, die bis zur Eröffnung der Spiele in Los Angeles bleiben.