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Artemis II startet zum Mond - und Deutschland spielt eine Schlüsselrolle

Mit der NASA-Mission Artemis II fliegen erstmals seit fast 55 Jahren wieder Menschen in Richtung Mond.
Mit der NASA-Mission Artemis II fliegen erstmals seit fast 55 Jahren wieder Menschen in Richtung Mond. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In der Nacht zum 2. April brechen erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder vier Astronauten zum Mond auf. Mit an Bord der NASA-Mission ist weit mehr deutsche und europäische Technologie, als die meisten ahnen.

54 Jahre ist es her, dass Menschen zuletzt den Mond besucht haben. Nun ist es so weit: In der Nacht zum 2. April 2026 hat die NASA vom Kennedy Space Center in Florida ihre SLS-Rakete mit dem Orion-Raumschiff erfolgreich gestartet. An Bord ist eine vierköpfige Crew mit dem Auftrag, den Mond zu umrunden und nach zehn Tagen zur Erde zurückzukehren, wenn alles nach Plan läuft. Der Start war zuvor mehrfach verschoben worden, im Februar und März wegen technischer Probleme. Um 0:35 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit öffnete sich das Startfenster – und diesmal klappte der Abflug.

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Was bei diesem historischen Moment leicht untergeht: Ohne Europa würde die Orion-Kapsel ihren Weg zum Mond nicht antreten. Gleich drei technologische Beiträge aus Deutschland fliegen mit – das Europäische Servicemodul, Strahlungsdetektoren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und vier Kleinsatelliten eines Berliner Startups. "Deutschland ist bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond ganz vorne mit dabei", sagt Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur in der Pressemitteilung des DLR vom 1. April.

Nach dem erfolgreichen Start der Mondmission hob auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär die Bedeutung Deutschlands und Europas hervor.

TACHELES: Ein Berliner Startup greift nach dem Mond

Einer der ungewöhnlichsten Beiträge für die Artemis-II-Mission kommt von einem kleinen Unternehmen aus Berlin-Mitte: Der CubeSat TACHELES der Neurospace GmbH fliegt als erster Satellit eines deutschen NewSpace-Startups auf einer bemannten Mondmission mit. Hinter dem Unternehmen steht Irene Selvanathan, die laut Spiegel als Kind mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Berlin floh und sich später zur Elektroingenieurin ausbilden ließ. Ihr Ziel: modular aufgebaute Roboter auf dem Mond einzusetzen, die sich je nach Bedarf zusammensetzen lassen und für möglichst viele Anwendungen taugen.

Der Satellit trägt die Elektronik des zukünftigen Neurospace-Mondrovers, eines Mondfahrzeuges, und soll diese unter realen Weltraumbedingungen testen. Am 16. September 2025 übergab das Berliner Team den Satelliten am Kennedy Space Center an die NASA. Nach dem Abkoppeln vom Orion-Raumschiff wird TACHELES in eine eigenständige Umlaufbahn gebracht und dabei die Van-Allen-Strahlungsgürtel der Erde durchqueren – eine der strahlungsintensivsten Zonen rund um unseren Planeten.

Dort sollen Daten darüber gesammelt werden, wie sich kosmische Strahlung auf Rover-Elektronik auswirkt. Neurospace plant, den Satelliten durch ein gezieltes Manöver des eigenen Antriebssystems bis zu 2,5 Jahre im Orbit zu halten – dieses Manöver wird aber nur dann durchgeführt, wenn es für die vier Astronauten keinerlei Risiko darstellt. Ermöglicht wurde die Beteiligung durch Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums sowie durch ein internationales Abkommen, das DLR und NASA im Juni 2024 auf der Paris Air Show unterzeichnet haben.

Das europäische Herz der Orion-Kapsel

Das größte deutsche Einzelelement an Bord ist das Europäische Servicemodul (ESM) – entwickelt und montiert von Airbus Defence and Space in Bremen, mit Komponenten aus elf europäischen Ländern. Als Antriebs- und Versorgungseinheit der Orion-Kapsel, liefert es den Schub für den Flug zum Mond, versorgt die Crew mit Strom, Sauerstoff und Wasser und reguliert die Temperatur an Bord. Voll beladen wiegt das ESM beim Start rund 15 Tonnen. Nach dem Ende der Mission trennt es sich kurz vor der Ankunft an der Erde von der Crewkapsel und verglüht in der Atmosphäre, während die Astronautinnen und Astronauten an Fallschirmen im Pazifik landen. "Wir freuen uns sehr, dass mit dem in Bremen gebauten ESM erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein nicht-US-amerikanisches System Astronautinnen und Astronauten Richtung Mond transportiert", sagt Pelzer. Der deutsche Anteil am ESM-Programm beträgt rund 50 Prozent.

Für die Orion-Kapsel hat die deutsche Industrie Sensoren zur Navigation im Weltraum bereitgestellt.
Für die Orion-Kapsel hat die deutsche Industrie Sensoren zur Navigation im Weltraum bereitgestellt. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Kosmische Strahlung messen, Astronauten-Leben schützen

Ebenfalls an Bord sind vier Strahlungsdetektoren des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln. Sie messen die kosmische Strahlung zwischen Erde und Mond – eine der größten Gesundheitsgefahren für Menschen im Weltraum, die auf langen Missionen das Krebsrisiko erhöhen und zur akuten Strahlenkrankheit führen kann. Bereits bei der unbemannten Artemis-I-Mission 2022 lieferten DLR-Sensoren wertvolle Daten; die neue Generation ist deutlich präziser. Die Crew montiert die Sensoren nach dem Start selbst an vier verschiedenen Stellen im Raumschiff, um ein räumliches Bild der Strahlenbelastung im Innern der Kapsel zu gewinnen. "Mit dem neuen Sensor M-42 EXT haben wir die Möglichkeit, die Weltraumstrahlung zwischen Erde und Mond erneut zu messen – jetzt dank eines deutlich größeren Messbereichs noch viel genauer. Wir erwarten einen Datensatz, der einen um den Faktor sechs erhöhten Energiemessbereich umfasst", sagt Dr. Thomas Berger, Projektleiter der DLR-Strahlungsexperimente auf den Missionen Artemis I und II.

Deutschland investiert Milliarden in die Raumfahrt

Der Rahmen für das deutsche Engagement in der Raumfahrt wurde im November 2025 neu gesteckt: Bei der ESA-Ministerratskonferenz in Bremen sagten die 23 Mitgliedsstaaten der Europäischen Weltraumorganisation insgesamt rund 22,1 Milliarden Euro für die Raumfahrtprogramme der kommenden Jahre zu. Deutschland beteiligt sich daran mit rund 5,4 Milliarden Euro und bleibt mit einem Anteil von rund 23 Prozent der größte Beitragszahler der ESA. Allein 885 Millionen Euro des deutschen Beitrags fließen in die astronautische und robotische Erkundung des Mondes und erdnaher Umlaufbahnen. ESA-Generaldirektor Dr. Josef Aschbacher gab bei der Gelegenheit bekannt, dass eine deutsche ESA-Astronautin oder ein deutscher ESA-Astronaut als erste Europäerin beziehungsweise erster Europäer zum und um den Mond fliegen wird.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesministerin für Forschung, Technologie und Luft- und Raumfahrt Dorothee Bär betrachten einen Satelliten der NASA und der ESA in Berlin.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesministerin für Forschung, Technologie und Luft- und Raumfahrt Dorothee Bär betrachten einen Satelliten der NASA und der ESA in Berlin. AP

Italien baut das Zuhause der Astronauten

Artemis II ist der Auftakt für eine neue Ära der Raumfahrt, an der ganz Europa beteiligt ist. Italien hat unlängst ein Abkommen mit der NASA unterzeichnet: Italienische Unternehmen sollen das erste Wohnmodul auf dem Mond bauen – das sogenannte Multi-Purpose Habitat, entwickelt von Thales Alenia Space Italia in Turin. "Das Zuhause der Astronauten wird Made in Italy sein", hieß es aus Rom. Zudem sieht der Vertrag vor, dass ein italienischer Astronaut bei einer der nächsten Missionen die Mondoberfläche betreten wird.

Aber nicht nur Europa hat wachsende Ambitionen: US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember 2025 per Erlass die Rückkehr der USA zum Mond bis 2028 und einen permanenten Außenposten bis 2030 angeordnet. Auch China plant für 2030 eine Mondlandung.

An diesem Tag richtet sich die Aufmerksamkeit der Welt jedoch zunächst auf das Raumschiff vom Kennedy Space Center in seinen ersten entscheidenden Momenten auf der langen Reise zum Mond – begleitet von deutschem und europäischem Ingenieurswissen.

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