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Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise – kommt jetzt das Tempolimit?

Zapfsäule explodiert: Der Irankrieg treibt die Spritpreise – kommt jetzt das Tempolimit?
Zapfsäule explodiert: Der Irankrieg treibt die Spritpreise – kommt jetzt das Tempolimit? Copyright  AP Photo
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Von Diana Resnik
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In Deutschland steigen die Benzin- und Dieselpreise weiter an. Experten wie Veronika Grimm sehen ein Tempolimit als mögliche Lösung, während Politiker über unterschiedliche Entlastungen für Verbraucher debattieren. Kommt jetzt das Tempolimit?

Die Ökonomin Veronika Grimm ist angesichts der explodierenden Spritpreise offen für ein Tempolimit auf den Straßen. "Das wäre kein Schaden - vielleicht sogar ein kluges Signal, damit die Menschen die Situation ernst nehmen", sagte die Wirtschaftsweise der Rheinischen Post.

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Rohölpreise sind durch den Iran-Krieg deutlich gestiegen

Die Rohölpreise sind durch den Iran‑Konflikt deutlich gestiegen. Rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls wird über die strategisch wichtige Straße von Hormus transportiert. Der Seeweg wird durch den Konflikt blockiert. Weil die verfügbare Menge an Öl auf dem Weltmarkt sinkt, entsteht eine Lieferknappheit, die den Preis weiter nach oben treibt.

Der bundesweite Durchschnittspreis für einen Liter Super liegt aktuell bei 2,20 Euro und ist damit im Vergleich zur Vorwoche leicht gestiegen. Diesel kostet derzeit 2,36 Euro pro Liter und verteuerte sich ebenfalls leicht im Wochenvergleich. Vor Beginn des Konflikts im Iran lagen die Preise deutlich niedriger: Ein Liter Super kostete 1,83 Euro, Diesel 1,75 Euro (Datenstand: 3. April 2026, Markttransparenzstelle für Kraftstoffe).

Die Spritpreise hängen eng mit dem Rohölpreis zusammen. Dabei ist Diesel seit Beginn des Iran-Kriegs teurer als Benzin. Die Nachfrage ist hoch, das Angebot begrenzt und die Herstellung ist teurer. Hinzu kommt die geopolitische Lage. Deutschland ist beim Diesel zudem stärker auf Importe angewiesen.

Grimm kritisiert Maßnahmen der Regierung

Grimm sitzt im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die jüngsten Maßnahmen der Regierung sieht sie kritisch. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Benzin‑ und Dieselpreise in Deutschland nur noch einmal täglich erhöhen – und zwar um 12:00 Uhr mittags. Preissenkungen sind dagegen weiterhin jederzeit erlaubt. Ziel ist es, die häufigen, teils stündlichen Preissprünge zu dämpfen und mehr Transparenz für Verbraucher zu schaffen.

Dazu sagt Grimm: "Die Regierung muss die Preise wirken lassen, damit die Energie-Nachfrage sinkt. Tankrabatte und Preisdeckel verzerren die Preise, sie sind der falsche Weg. Auch von der Übergewinnsteuer halte ich nichts", so Grimm.

Effektiver seien hingegen Maßnahmen, die "Länder des Globalen Südens" umsetzen, darunter die Homeoffice-Pflicht, und Einschränkungen der Fahrzeugnutzung.

Auch die Internationale Energieagentur (IEA) riet zu Maßnahmen, die den Ölverbrauch senken. Die IEA empfehlt mehr Homeoffice, ein Tempolimit und das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel, um den Spritverbrauch zu reduzieren.

Reaktionen aus der Politik

Angesichts der hohen Kraftstoffpreise in Deutschland mehren sich die Forderungen nach sofortigen Gegenmaßnahmen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) plädiert für einen Preisdeckel für Benzin und Diesel, ähnlich wie er seit Dienstag in Polen gilt. Auf der Plattform X schrieb Wegner, die "extrem hohen Spritpreise" seien für viele Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen "unzumutbar". Er nannte als weitere Sofortmaßnahmen die Aussetzung der CO₂-Steuer. In Polen orientiert sich die tägliche Preisgrenze für Diesel und Benzin am Rohölpreis, zudem wurde die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe gesenkt.

Auch aus der SPD kommen Vorschläge für Entlastungen: Lars Klingbeil forderte in einem Brief an das Kanzleramt und das Wirtschaftsministerium zusätzliche Maßnahmen, da die steigenden Preise auch die Inflation anheizen. Ein flexibler Preisdeckel nach polnischem Vorbild sei denkbar.

Die Grünen setzen dagegen stärker auf Verbrauchsreduzierung: Felix Banaszak, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sprach sich gegenüber dem Spiegel für ein befristetes Tempolimit auf Autobahnen, die Wieder­einführung des 9‑Euro‑Tickets und eine Übergewinnabgabe für Mineralölkonzerne aus, um Verbraucher zu entlasten und den Spritverbrauch zu senken. Banaszak kritisierte die Bundesregierung dafür, bisher zu zögerlich auf die Preisentwicklung reagiert zu haben.

Kritik aus der Opposition kommt zudem von der AfD: Christian Douglas, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Finanzausschuss, bezeichnete das geplante Spritpreisdeckel-Konzept der Bundesregierung als "Scheinlösung". Seiner Ansicht nach könnten staatliche Preisobergrenzen neue Unsicherheiten schaffen und im Extremfall dazu führen, dass Tankstellen bei einem festen Preis Verluste machen und kein Sprit mehr verfügbar ist. Die AfD fordert stattdessen unter anderem Senkung der Energiesteuer und Abschaffung der CO₂‑Abgabe.

Auch die Linke meldete sich zu Wort: Sören Pellmann, Co-Fraktionschef im Bundestag, forderte eine Neuauflage des 9‑Euro‑Tickets, um Pendlerinnen und Pendler zu entlasten und eine bezahlbare Alternative zum Auto zu schaffen.

Parallel zu diesen politischen Forderungen reagiert die Bundesregierung direkt auf die Preisentwicklung: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte an, im Rahmen einer internationalen Initiative einen Teil der Strategischen Ölreserven freizugeben, um die Preisentwicklung auf den internationalen Märkten abzufedern.

Deutschland ist gesetzlich verpflichtet, einen Mindestvorrat an Erdöl und Erdölerzeugnissen für mindestens 90 Tage zu halten. Ein Teil dieser Reserven lagert in Wilhelmshaven, in der Nähe von Hamburg sowie in Heide in Schleswig-Holstein.

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