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Waffenruhe – aber kein Aufatmen: Ökonomen sehen Krise längst nicht überwunden

"Wirtschaftliche Schäden werden trotz Waffenstillstand erheblich sein", warnt der DIW-Präsident Marcel Fratzscher.
"Wirtschaftliche Schäden werden trotz Waffenstillstand erheblich sein", warnt der DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Trotz des Waffenstillstands zwischen Iran und Israel und den USA rechnet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden für Deutschland. Er fordert langfristige Gegenmaßnahmen.

Die USA und der Iran haben eine zweiwöchige Waffenruhe ausgehandelt, nun geht es um die Öffnung der Straße von Hormus. Die "wirtschaftlichen Schäden werden trotz Waffenstillstand erheblich sein", warnt jedoch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

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"Die wirtschaftlichen Schäden sind bereits jetzt erheblich, und auch die stark verflochtene deutsche Volkswirtschaft wird die Folgen deutlich zu spüren bekommen", erklärte Fratzscher in einem Statement am Mittwoch Mittag. Er erinnerte auch daran, dass der Waffenstillstand noch nicht das Ende des Konflikts markiere.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2026 werde nach Angaben des ifo-Instituts durch den Iran-Krieg erheblich gedämpft. Das ifo-Institut erwartet für 2026 nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent im Gegensatz zu einem ganzen Prozent, wie zuvor angenommen.

"Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen", sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des ifo Instituts.

Waffenstillstand in Iran: Öffnet die Straße von Hormus?

Die Vereinigten Staaten und der Iran haben sich am Dienstagabend auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt – nur etwa eine Stunde bevor die von US-Präsident Donald Trump gesetzte Frist für eine Kapitulation des Irans ablaufen sollte.

Weder der Iran noch die Vereinigten Staaten haben bekannt gegeben, wann die Waffenruhe beginnen würde. Am frühen Mittwoch fanden in Israel, im Iran und in der gesamten Golfregion weiterhin Angriffe statt.

Auch die Auswirkungen auf die Straße von Hormus sind noch nicht endgültig geklärt. Aus dem 10-Punkte-Waffenstillstandsplan des Iran geht hervor, dass sowohl der Iran als auch der Oman Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus erheben, wie ein regionaler Beamter Euronews erklärte. Er wollte anonym bleiben und war direkt an den Verhandlungen beteiligt. Der Beamte, der selbst an den Verhandlungen beteiligt war und anonym bleiben wollte, sagte, der Iran werde das eingenommene Geld für den Wiederaufbau verwenden.

Bundekanzler Friedrich Merz erklärte am Morgen, dass die Bundesregierung die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den Kriegsparteien begrüße. "Ziel muss nun sein, in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln. Dies wird sich nur auf diplomatischem Weg erreichen lassen", so Merz in einer öffentlichen Mitteilung.

Deshalb stehe Deutschland derzeit in engem Austausch mit den USA und weiteren Partnern. Man wolle dazu beitragen, die Straße von Hormus angemessen zu sichern. Auch die Bedeutung des Schutzes der iranischen Zivilbevölkerung wurde erwähnt.

Wirtschaftsinstitut warnt vor andauernden hohen Preisen

"Angesichts der hohen Preissteigerungen besteht nach wie vor Handlungsbedarf", erklärte Fratzscher vom DIW Berlin in einem Statement. Es sei daher richtig, dass die Bundesregierung weiterhin über Entlastungen diskutiere. Die aktuellen Maßnahmen hält der Wirtschaftsexperte nicht für ausreichend.

"Pauschale Maßnahmen wie eine Ausweitung der Pendlerpauschale oder eine Senkung der Kfz-Steuer seien wenig treffsicher und sozial unausgewogen, da sie vor allem höhere Einkommen begünstigen", erklärte Fratzscher. Er fordert Instrumente wie die Energiekostenpauschaue aus dem Jahr 2022, die direkte finanzielle Transfers an Haushalte ermöglichte.

Entscheidend sei außerdem, "kurzfristige Entlastung mit langfristigen Reformen zu verbinden", so Fratzscher abschließend. Strukturelle Abhängigkeiten würden Situationen wie die derzeitige Energiekrise aufgrund der Blockade der Straße von Hormus begünstigen.

Handelskammer skeptisch gegenüber staatlichen Eingriffen

An der Tankstelle wurden die Folgen des Krieges im Nahen Osten schon unmittelbar spürbar. Die Preise für Gas und Sprit sind kurzfristig stark angestiegen. "Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise am Weltmarkt beobachten wir mit großer Sorge", erklärte auch Sebastian Bolay, DIHK-Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie. Staatliche Eingriffe betrachte er dennoch skeptisch.

"Die Kosten für kurzfristige Subventionen landen über Steuern und Abgaben letztlich doch bei Wirtschaft und Verbrauchern", warnt Bolay. "Auch eine Freigabe von Ölreserven sollte man nur mit Bedacht und als tatsächlich letzte Reserve einsetzen."

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sprechen sich angesichts gestiegener Energiekosten ebenfalls gegen staatliche Eingriffe aus, die kurzfristig die Energiepreise senken. Damit würden wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt, erklärte das ifo-Institut in einer Pressemitteilung von Anfang April.

Für Freitag hat Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) einen Energiepreis-Krisengipfel einberufen, um mit Vertretern der Wirtschaft an einen Tisch zu kommen. Dabei soll es um die hohen Spritpreise und mögliche Entlastungen gehen. Auch das von der Koalition angestoßene Reformpaket dürfte Thema sein.

Eingeladen sind den Angaben zufolge die Vorsitzenden wichtiger Gewerkschaften wie der IG Metall und die Chefs verschiedener Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände. Der Austausch soll im Finanzministerium stattfinden.

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