Nur 16 Prozent der Verbraucher erwarten, dass 2026 besser wird als das vergangene Jahr. Ein Großteil hat finanzielle Sorgen. Jeder Dritte hält seine eigenen Rücklagen für unzureichend.
Wer sich für die heutigen Zeiten ein finanzielles Polster angelegt hat und deshalb die steigenden Kosten durch die anhaltenden Kriege abfedern kann, gehört in Deutschland zu einer Minderheit.
Nur ein Fünftel der Haushalte verfügt nach eigener Einschätzung noch über genügend Rücklagen, heißt es in einer Umfrage für die Auskunftei Schufa. Der Anteil dieser Menschen belief sich auf 36 Prozent. Demnach fürchtet mehr als jeder Dritte, dass die eigenen Rücklagen nicht ausreichen könnten (36 Prozent). 16 Prozent der Befragten gaben sogar an, bisherige Rücklagen bereits aufgebraucht zu haben. Die verbliebenen 22 Prozent hätten von vornherein kein finanzielles Polster besessen, heißt es weiter.
Dabei sind die finanziellen Sorgen bei den Deutschen derzeit ein großes Thema. Infolge des Iran-Kriegs hat der Ölpreisschock für sichtbar teurere Spritpreise gesorgt, doch die Verbraucherzentralen und Wirtschaftsinstitute warnen bereits, dass sich die steigenden Preise auch bei Lebensmitteln und anderen Lebenshaltungskosten niederschlagen werden.
"Weitaus gravierender als steigende Spritpreise ist derzeit der Anstieg der Lebensmittelpreise, der breite Bevölkerungsschichten trifft und insbesondere Haushalte mit geringen Einkommen stark belastet", sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
Fratzscher geht davon aus, dass die wirtschaftlichen Schäden trotz des zweiwöchigen Waffenstillstands im Iran erheblich sein werden. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran wurden darüber hinaus abgebrochen. Es sei daher wichtig, über Entlastungen zu sprechen.
Verbraucher sparen Energie und schränken Konsum ein
Mehr als drei Viertel der Deutschen fürchten der Schufa-Umfrage zufolge, dass Preise allgemein anziehen (77 Prozent). 76 Prozent der Verbraucher haben Angst, dass insbesondere Strom und Sprit noch teurer werden.
Die Inflationsrate im März war mit 2,7 Prozent so hoch wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Zuletzt erreichte sie ein solches Hoch im Januar 2024. Im Februar hatte die Teurungsrate noch 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen. Der sprunghafte Anstieg hat die Sorge der Menschen erhöht.
Geopolitische Ereignisse würden sich demnach unmittelbar auf die Zuversicht der Verbraucher auswirken, erklärte Schufa-Vorstandsvorsitzende Tanja Birkholz. "Die Menschen bekommen die Krise über höhere Preise direkt beim Einkaufen und Tanken zu spüren – vor allem die unteren Einkommensgruppen haben keine Rücklagen mehr, um dies abzufedern", sagte Birkholz zu den Ergebnissen der Umfrage.
Die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe lagen im März um 7,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats – für Kraftstoffe und Heizöl mussten die Menschen deutlich mehr zahlen. Vebraucher versuchen deshalb, selbst auf die angespannte Lage zu reagieren.
Der Umfrage zufolge versuchten 88 Prozent im März, Energie einzusparen, im Gegensatz zum Februar ist dieser Anteil erneut um vier Prozentpunkte gestiegen. Vier von Fünf Befragten reduzierten außerdem ihre Ausgaben.
Etwas weniger als die Hälfte hat im vergangenen halben Jahr bereits auf Ersparnisse zurückgegriffen, 46 Prozent haben größere Anschaffungen verschoben.
Marktcheck: Entlastung bei Stromkosten kaum angekommen
Zwar kündigte die Bundesregierung am Montag Entlastungsmaßnahmen wie eine zeitlich begrenzte Steuersenkung für Benzin und Diesel sowie einen Krisenbonus an, doch die Umsetzung ist noch nicht abschließend geklärt.
Ein Marktcheck des Vebraucherzentrale Bundesverbands hat darüber hinausgehend gezeigt, dass eine spürbare Entlastung der privaten Haushalte bei den Stromkosten, die schon im Koalitionsvertrag versprochen worden war, weitgehend ausbleibe. Im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung eine jährliche Entlastung von 100 Euro beim Strompreis angekündigt.
Der Marktcheck hat jedoch ergeben: Haushalte sparen hier im Durchschnitt 56 Euro pro Jahr, teils liegt Entlastung sogar bei unter 20 Euro. Die Unterschiede sind insbesondere regional zu spüren.
"Für die meisten Haushalte bleibt die versprochene Entlastung beim Strom ein leeres Versprechen – und in Folge des Iran-Krieges drohen die Strompreise erneut zu steigen", sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands.
Sie forderte Anfang April eine Senkung der Stromsteuer für Privathaushalte.