Der Krieg im Iran setzt die deutsche Wirtschaft massiv unter Druck. Der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert jetzt Tempo von der Bundesregierung.
Die steigenden Ölpreise und die niedrige Investitionsbereitschaft setzen die deutsche Wirtschaft unter Druck. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert deshalb grundlegende Reformen.
"Wir brauchen ein umfassendes Reformpaket vor dem Sommer", sagte BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner wie WELT berichtet. Der Wirtschaftsstandort stehe unter Druck wie selten zuvor in der Nachkriegsgeschichte, so Gönner. "Nur wenn die Regierung jetzt mit entschlossenen Strukturreformen ein klares Signal setzt, wird Deutschland die Wachstumsschwäche überwinden können", hieß es.
BDI fordert Senkung der Arbeitskosten
Die Bundesregierung müsse die Arbeitskosten senken und die Produktivität stärken, so Gönner. Entscheidend seien umfassende Reformen in den Sozialversicherungssystemen, um die Lohnnebenkosten zu begrenzen und Fehlanreize zu verhindern.
Zunächst müsse die Erwerbsbeteiligung von älteren Menschen und Frauen gesteigert, anschließend die Qualifizierung gestärkt und der Arbeitsmarkt flexibler gestaltet werden. Zudem solle das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung angepasst werden. Darüber hinaus plädierte Gönner für eine Senkung der Körperschaftsteuer ab dem Jahr 2026.
Pläne der Bundesregierung
Die Bundesregierung plant umfassende Reformen, unter anderem im Gesundheitswesen, um steigende Kosten besser zu kontrollieren. Eine Expertenkommission hatte zuvor Vorschläge für Einsparungen in Milliardenhöhe vorgelegt. Zudem sollen Änderungen in der Pflege und bei der Altersvorsorge umgesetzt werden. Auch steuerliche Entlastungen durch eine Reform der Einkommensteuer stehen auf der Agenda, wobei die Finanzierung noch offen ist.
Gönner begrüßte das Engagement der Regierung. Entscheidend sei die Bereitschaft zu Koordination über die Parteigrenzen hinweg, so Gönner.
Auswirkungen des Iran-Kriegs
Der Krieg im Iran setzt die deutsche Wirtschaft vor allem durch steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und wachsende Unsicherheit unter Druck: Da wichtige Öl- und Gasrouten in der Region gefährdet sind, verteuern sich Energie und Transport, was die Produktionskosten erhöht und die Inflation antreibt. Gleichzeitig geraten internationale Handelswege ins Stocken, wodurch Rohstoffe und Vorprodukte schwerer verfügbar sind. Die angespannte Lage dämpft zudem die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und belastet den Export – einen zentralen Pfeiler der deutschen Wirtschaft.
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen dieses Jahr nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent. Für 2027 wird ein Anstieg von 0,9 erwartet.