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So hat die russische Propagandaeinheit Storm-1516 die Wahlen in Ungarn attackiert

Péter Magyar spricht während der Wahlkampfauftaktveranstaltung der Partei. Budapest, Ungarn am Sonntag, 15. Februar 2026.
Péter Magyar spricht während der Wahlkampfauftaktveranstaltung der Partei. Budapest, Ungarn am Sonntag, 15. Februar 2026. Copyright  AP Photo
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Von Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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Die Behauptung, Péter Magyar hätte in Ungarn die Wiedereinführung der Wehrpflicht geplant, verbreitete sich schnell im Internet. Forscher bringen sie mit Storm-1516 in Verbindung, einer gut etablierten russischen Desinformationskampagne.

Der Vorwurf kursierte auf X und Facebook, begleitet von einem Bild, das wie ein Ausschnitt aus einer Nachrichtensendung wirkt. Darin wird behauptet, Magyar habe bei einer Wahlkampfveranstaltung gesagt, "Ungarn brauche die Wehrpflicht, um sich auf einen Krieg vorzubereiten".

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In einem weiteren Beitrag auf X hieß es zudem, "Magyar glaube, die Probleme Ungarns ließen sich lösen, indem man 90.000 junge Männer in Armeestiefel zwingt".

Für diese Behauptungen gibt es jedoch keine Belege. Im Gegenteil: Das Parteiprogramm seiner pro-europäischen Tisza-Partei schließt eine Wiedereinführung der Wehrpflicht ausdrücklich aus. Darin heißt es, eine Tisza-Regierung werde "weder nach der Wahl noch in Zukunft die Wehrpflicht wieder einführen".

Das Parteiprogramm schließt zudem aus, ungarische Truppen in die Ukraine oder andere Konflikte zu entsenden. Gleichzeitig fordert es höhere Militärausgaben und eine Stärkung der Landesverteidigung. Auslandseinsätze, die nicht im Interesse Ungarns liegen, sollen demnach reduziert werden.

Die Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán griff die Behauptung auf, Magyar wolle die Wehrpflicht wieder einführen. Im Wahlkampf warfen ihre Kandidaten ihm zudem vor, Ungarn in den Krieg in der Ukraine hineinzuziehen, Rentengelder zur Unterstützung Kiews umzuleiten und die Wehrpflicht einzuführen.

Belege dafür, dass Fidesz hinter der Social-Media-Kampagne steht, gibt es jedoch nicht.

Forschende des Gnida-Projekts, einer Open-Source-Rechercheeinheit zur Aufdeckung russischer Desinformation, bringen die Kampagne mit "Storm-1516" in Verbindung – einer mutmaßlich russischen Propagandagruppe, die gezielt Falschinformationen verbreitet, um die Interessen Moskaus zu fördern.

Die Gruppe wurde erstmals 2023 von Forschenden der Clemson University in South Carolina identifiziert und tauchte seither in mehreren Wahlkämpfen auf, unter anderem in den USA und in Deutschland.

Auch das Threat Analysis Center von Microsoft, ein auf staatliche Einflussoperationen spezialisiertes Team, ordnete die Gruppe in einem Bericht von 2024 einem Netzwerk "russischer Einflussakteure" zu. Diese hätten mit koordinierten Methoden versucht, Kandidaten der Demokraten in den letzten Wochen mehrerer US-Präsidentschaftswahlen zu diskreditieren.

Im Dezember 2025 bestellte die deutsche Bundesregierung den russischen Botschafter ein, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, die Gruppe habe sich in die Bundestagswahl eingemischt.

Storm-1516 nutzt eine Reihe bewährter Methoden: Dazu gehören Accounts, die sich auf YouTube und X als Bürgerjournalisten ausgeben, sowie eigens erstellte Fake-News-Websites zur Verbreitung falscher Inhalte.

Auch in Ungarn kam diese Taktik zum Einsatz. So gab sich die Gruppe als Euronews aus und veröffentlichte einen gefälschten Bericht samt Website, in dem fälschlich behauptet wurde, Magyar habe Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung beleidigt.

Ein Bericht des Institute for Strategic Dialogue, einer unabhängigen Denkfabrik in London, stellt fest, dass kremlnahe Akteure – darunter Storm-1516 – ihre Aktivitäten in Ungarn in den Wochen vor der Wahl verstärkt haben. Ziel sei es gewesen, Magyar und seine Partei gezielt zu diskreditieren.

Demnach war die gefälschte Euronews-Seite eine von sechs neu eingerichteten Websites, die innerhalb von zwei Wochen registriert wurden und alle mit Storm-1516 in Verbindung stehen. Sie verbreiteten durchweg falsche Behauptungen über die ungarische Opposition.

Die Inhalte erschienen sowohl auf Englisch als auch auf Ungarisch – ein Hinweis darauf, dass sowohl ein internationales als auch ein inländisches Publikum angesprochen werden sollte.

Storm-1516 setzt auf irreführende Facebook-Anzeigen

Die Falschbehauptung über eine angeblich geplante Wiedereinführung der Wehrpflicht wurde auch über zwei Facebook-Anzeigen verbreitet. Dadurch erreichte sie laut Gnida-Projekt ein deutlich größeres Publikum als über gewöhnliche Beiträge.

Eine der Anzeigen zeigte ein Foto von Magyar und verlinkte auf die Website seiner Partei. Die Überschrift lautete: "Jeder 18-Jährige sollte wissen: Die Wehrpflicht kommt zurück."

Insgesamt erreichten die Anzeigen mehr als 20.000 Menschen in Ungarn – die Mehrheit davon über 50 Jahre alt.

Facebook-Anzeigen werben für die falsche Behauptung, Oppositionsführer Péter Magyar werde die Wehrpflicht fordern.
Facebook-Anzeigen werben für die falsche Behauptung, dass Oppositionsführer Péter Magyar die Wehrpflicht einführen will. @Cleared.

Meta, der Mutterkonzern von Facebook, ermöglicht es Werbetreibenden grundsätzlich, gegen Bezahlung gezielt Nutzer nach Region oder Altersgruppe anzusprechen. Im Jahr 2025 untersagte das Unternehmen jedoch – als Reaktion auf verschärfte EU-Regeln – politische Werbung. Dazu zählen Anzeigen von Parteien oder Kandidaten sowie Inhalte, die Wahlergebnisse beeinflussen sollen.

Die Anzeigen, in denen die falsche Behauptung verbreitet wurde, stammten von einer Seite, die als Schönheitssalon ausgegeben war und inzwischen gelöscht wurde. Hinweise darauf, dass ein solcher Salon in Ungarn tatsächlich existiert, gibt es nicht.

Nach Angaben des Gnida-Projekts gehören Facebook-Anzeigen zwar nicht zu den üblichen Methoden von Storm-1516, wurden aber in der Vergangenheit bereits vereinzelt eingesetzt.

Demnach greift die Gruppe häufig auf externe Auftragnehmer mit regionalen und sprachlichen Kenntnissen zurück, um Kampagnen umzusetzen.

"Ein besonders deutliches Beispiel ist Armenien: Nahezu jede Kampagne dort lässt sich mit dem russischen Propagandisten türkischer Herkunft, Okay Deprem, in Verbindung bringen – und die Inhalte sind jeweils stark auf die Zielregion zugeschnitten", so das Gnida-Projekt.

"Ein ähnliches Muster sehen wir in Ungarn. Viele der Videos sind im Hochformat produziert und weisen ungewöhnliche Bildformate auf", heißt es weiter.

Von Wehrpflicht bis zu Verschwörungstheorien

Die verbreiteten Erzählungen reichten weit über das Thema Wehrpflicht hinaus. Storm-1516 streute unter anderem Behauptungen über angebliche Verbindungen von Tisza-Mitgliedern zu den Epstein-Akten oder unterstellte Magyar, EU-Gelder an die Ukraine weitergeleitet zu haben.

Eine vom Gnida-Projekt identifizierte Kampagne nutzte etwa ein vertikales Video, das sich auf eine angebliche Untersuchung eines "Europäischen Zentrums für investigativen Journalismus" berief – einer Organisation, die in Wirklichkeit nicht existiert.

Darin wurde fälschlich behauptet, Magyar sei an einem Plan beteiligt gewesen, 16,7 Millionen Dollar (14,3 Millionen Euro) an EU-Hilfsgeldern in die Ukraine umzuleiten. Auch seine Reise in die Ukraine im Jahr 2024, bei der er ein durch einen russischen Angriff beschädigtes Krankenhaus besuchte, wurde als Vorwand dargestellt, um diese Gelder zu übergeben.

An anderer Stelle berichtete die ungarische Faktencheck-Plattform Lakmusz, dass Beiträge aus dem Umfeld von Storm-1516 versucht hätten, Ágnes Forsthoffer, Vizepräsidentin von Tisza, zu diskreditieren. Dabei wurde unter anderem fälschlich behauptet, sie sei in den Sexhandelsring des verurteilten Straftäters Jeffrey Epstein verwickelt.

Insgesamt habe die Kampagne viele unterschiedliche Formen angenommen und richte sich sowohl an ein ungarisches als auch an ein internationales Publikum, so das Gnida-Projekt.

In einem gefälschten Bericht von Sky News wird behauptet, dass sich Magyar von den ungarischen Wahlen zurückzieht.
Gefälschter Sky News-Bericht behauptet, dass Magyar sich von den ungarischen Wahlen zurückziehen wird. @MomsPostingLs

"Wir beobachten, dass dieselben Narrative über verschiedene gefälschte Websites verbreitet werden – gezielt sowohl für Ungarn als auch für ein internationales Publikum. Das deutet auf eine taktische Weiterentwicklung hin."

Nach dem Besuch von J.D. Vance in Ungarn, bei dem er Orban unterstützte, erschien eine englischsprachige Kampagne, die behauptete, dass Magyar sich von den Wahlen zurückgezogen habe. Ein Bericht ahmte Sky News nach. Der Bericht und die Behauptung sind jedoch unbegründet.

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