Die iranische Justiz erklärt, sie habe am Mittwochmorgen einen weiteren iranischen Staatsbürger, den ehemaligen Beschäftigten einer Atombehörde Mehdi Farid, nach dem Vorwurf der "Spionage für Israel“ hingerichtet.
In Iran ist offiziellen Angaben zufolge ein weiteres Todesurteil vollstreckt worden. Die iranische Nachrichtenagentur der Justiz, Mizan, behauptete, die Person habe auf Befehl von Mossad-Offizieren versucht, das interne Netzwerk einer Verteidigungsorganisation zu "infizieren". Der Verurteilte habe "Personen außerhalb der Organisation den Zugang ermöglicht".
Mizan berichtete auch, Mehdi Farid, der zuvor in der "Leitung des nicht operierenden Verteidigungsausschusses einer der sensiblen Institutionen“ tätig war, habe Israel Informationen wie Organisationsstrukturen, Standort der Gebäude, Schutzstatus und Personaldaten zur Verfügung gestellt. Der Name der Organisation und die entsprechenden Dokumente wurden jedoch nicht veröffentlicht, es soll sich aber um eine Atomorganisation handeln.
Ein unter Zwang abgelegtes Geständnis?
Der Justiz nahestehenden Medien meldeten auch, Mehdi Farid habe während des Gerichtsverfahrens ein Geständnis abgelegt. Er habe mit dem Mossad zusammengearbeitet und die Einzelheiten seiner Kontakte erläutert.
Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt von unter Zwang abgegebenen Geständnissen berichtet und derartige juristische Verfahren in Frage gestellt.
Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen war Mehdi Farid ein ehemaliger Mitarbeiter der iranischen Atomenergieorganisation und stammte aus Arak. Er wurde verhaftet und in das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran gebracht. Sein Fall wurde zunächst in der Abteilung 26 des Revolutionsgerichts geprüft, und er wurde zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde das Urteil jedoch nach einem Einspruch des Staatsanwalts hin in eine Todesstrafe geändert.
Keine Unterstützung durch Irans Behörden?
Unter Berufung auf eine informierte Quelle vermittelt The Mighty Doctrine ein anderes Bild des Falls. Die iranische zivilgesellschaftliche Organisation schrieb, dass Mehdi Farid, gebürtig aus Arak und Informatik-Student, sich selbst an die Sicherheitsbehörden der Atomenergiebehörde gewandt habe, nachdem er Anfragen aus Israel erhalten habe, um gegen Nuklearwissenschaftler vorzugehen. Er habe diese abgelehnt. Doch Farud wurde der „Offenlegung von Informationen und der Zusammenarbeit mit Israel“ beschuldigt.
Laut derselben Quelle hat er in allen Phasen der Untersuchung seine Zusammenarbeit mit Irans Institutionen betont, was jedoch im Gerichtsverfahren ignoriert wurde. Neben ihm wurde auch Ahsan Afwal, ein weiterer Häftling in der Todeszelle, in das Hisar-Gefängnis verlegt. Offenbar droht auch ihm die Todesstrafe.
Trumps will acht Frauen retten
US-Präsident Donald Trump forderte am Montagabend in einer Botschaft im sozialen Netzwerk Truth Social die iranischen Machthaber auf, von der Hinrichtung von acht inhaftierten Frauen abzusehen.
In seinem Post schrieb Trump von einem Schritt im Vorfeld möglicher Gespräche als „positivem Zeichen“.
Neue Hinrichtungswelle
Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen erreichte die Islamische Republik im vergangenen Jahr mit der Vollstreckung von über 1.600 Todesurteilen den höchsten Stand seit Jahrzehnten.
Seit dem 12-tägigen Krieg zwischen Israel, den USA und Iran wurden Berichten zufolge mindestens mehr als 10 Menschen hingerichtet, die der „Zusammenarbeit mit dem Mossad und Israel“ bezichtigt wurden.
Iranische Medien berichteten am Dienstag über die Hinrichtung eines weiteren Verurteilten, Amir Ali Mirjaafari. Er war für schuldig befunden worden, eine Moschee in Teheran in Brand gesteckt und während der Proteste mit Israel und den USA zusammengearbeitet zu haben.
Justizbeamte behaupteten, er gehöre zum „Mossad-Netzwerk“ und habe bei der Organisation der Proteste mitgewirkt. Menschenrechtsorganisationen haben jedoch erneut vor erzwungenen Geständnissen und dem Fehlen einer fairen Anhörung gewarnt.
Nach den Protesten der vergangenen Monate haben iranische Justizbeamte dazu aufgerufen, die Vollstreckung von Hinrichtungen zu beschleunigen. Justizchef Gholam Hossein Mohseni Ezhai beschrieb die Situation als „totalen Krieg“.