Seit der Rückkehr der afghanischen Taliban an die Macht in Kabul im Jahr 2021 sind die pakistanischen Taliban und andere militante Gruppen stärker geworden.
Eine an einer Rikscha befestigte Bombe ist am Dienstag auf einem Basar im Nordwesten Pakistans explodiert. Dabei wurden nach Angaben der Polizei mindestens neun Menschen getötet und mehr als zwei Dutzend weitere verletzt. Der Anschlag gilt als weiteres Zeichen für die zunehmende Gewalt in der Grenzregion zu Afghanistan.
Die Explosion ereignete sich in Lakki Marwat, einem Bezirk in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa, sagte der örtliche Polizeichef Azmat Ullah.
Unter den Toten seien zwei Verkehrspolizisten und eine Frau gewesen.
Weitere Einzelheiten nannte Ullah zunächst nicht. Nach ersten Erkenntnissen seien die Verkehrspolizisten offenbar das eigentliche Ziel des Anschlags gewesen.
Die meisten Todesopfer und Verletzten seien jedoch Passanten gewesen. Zudem wurden durch die Explosion mehrere Geschäfte in der Umgebung beschädigt.
Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag.
Bei ähnlichen Attacken richtet sich der Verdacht häufig gegen die pakistanischen Taliban, die unter dem Namen Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) bekannt sind und ihre Angriffe auf pakistanische Sicherheitskräfte in den vergangenen Jahren verstärkt haben.
Die Gruppe ist zwar von der afghanischen Taliban-Regierung getrennt, gilt jedoch als ihr Verbündeter.
Die pakistanischen Taliban bestritten eine Beteiligung an dem Anschlag. Man habe von der Explosion erfahren, stehe jedoch nicht dahinter, erklärte die Gruppe.
Premierminister Shehbaz Sharif verurteilte den Anschlag vom Dienstag und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.
In einer Erklärung betonte Sharif, Regierung und Sicherheitsbehörden seien entschlossen, den Terrorismus zu bekämpfen. Militante dürften Frieden und Entwicklung im Land nicht gefährden.
Zugleich wies er die Behörden an, die Ermittlungen rasch voranzutreiben, die Verantwortlichen zu identifizieren und die Täter vor Gericht zu bringen.
Die pakistanischen Behörden werfen der afghanischen Taliban-Regierung seit Langem vor, militante Kämpfer zu beherbergen. Kabul weist diese Vorwürfe zurück und betont, afghanisches Territorium werde nicht für Angriffe auf andere Staaten genutzt.
Pakistan erlebt seit einigen Jahren eine Zunahme militanter Gewalt, was die Beziehungen zum Nachbarland Afghanistan zusätzlich belastet.
Die pakistanischen Taliban sowie andere militante Gruppen haben seit der Rückkehr der afghanischen Taliban an die Macht in Kabul im Jahr 2021 an Stärke gewonnen.
Die Spannungen zwischen Pakistan und Afghanistan halten weiter an. Seit Ende Februar wurden bei Kämpfen zwischen beiden Seiten Hunderte Menschen getötet.
Anfang April fanden unter Vermittlung Chinas Friedensgespräche zwischen Pakistan und Afghanistan statt. Dennoch kam es auch danach weiterhin zu vereinzelten grenzüberschreitenden Zusammenstößen - wenn auch mit geringerer Intensität als zuvor.