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Wohlstand in Gefahr: Wirtschaftsweise fordern Reformen

AP Photo/Fabian Bimmer
AP Photo/Fabian Bimmer Copyright  Copyright 2008 AP. All rights reserved.
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Von Laura Fleischmann
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Die Wirtschaftsweisen senken ihre Prognose, Insolvenzen nehmen zu und das Institut für soziale Marktwirtschaft (INSM) warnt vor strukturellen Problemen. Hohe Abgaben, Fachkräftemangel und schwache Bildung gefährden laut Experten Deutschlands Wohlstand.

Der Druck auf die schwarz-rote Koalition steigt. Die Wirtschaftsweisen haben in ihrem Frühjahrsgutachten ihre Wirtschaftsprognose gesenkt. Für dieses Jahr wird preisbereinigt nur noch ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent erwartet. Damit korrigiert der Sachverständigenrat seine Prognose um 0,4 Prozentpunkte nach unten.

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Hohe Energiepreise und teure Sozialversicherungen

Hauptgrund seien die Auswirkungen des Iran-Kriegs, darunter der gestiegene Ölpreis sowie die sinkende Kaufkraft der privaten Haushalte. Für 2027 erwarten die Wirtschaftsweisen ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent.

Im Fokus des Frühjahrsgutachten steht darüber hinaus die Entwicklung der Sozialversicherungsbeiträge. Im Gutachten heißt es: " Aufgrund des demografischen Wandels ist unter geltendem Recht bis zum Jahr 2040 ein Anstieg des Gesamtsozialversicherungsbeitragssatzes von derzeit 42,3 % der beitragspflichtigen Einnahmen auf fast 50 % zu erwarten."

Dieser Anstieg der Beitragssätze verringere das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte und erhöhe die Arbeitskosten der Unternehmen. "Beides dämpft das gesamtwirtschaftliche Wachstum", so das Gutachten.

Über die Gesetzlichen Krankenkassen heißt es: "Deutschland erzielt trotz überdurchschnittlicher Gesundheitsausgaben im EU- und OECD-Vergleich lediglich durchschnittliche Gesundheitsergebnisse."

Bei Sozialversicherung, Kranken- und Pflegeversicherung fordern die Sachverständigen in Ihrem Gutachten darum Reformen, um die Beiträge zu stabilisieren.

Anstieg von Unternehmenspleiten und Arbeitslosenzahlen

Druck macht auch das Institut für soziale Marktwirtschaft (INSM). Das von Arbeitgeberverbänden finanzierte INSM legt in einem 20 Fakten umfassenden Papier die aktuelle Wirtschaftslage Deutschlands dar und fordert umfassende Reformen.

Demnach gebe es in Deutschland alle 22 Minuten eine Insolvenz. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen habe 2025 mit 24.064 Fällen rund 10,3 Prozent höher gelegen als im Vorjahr. Auch in diesem Jahr gebe es bislang eine deutliche Zunahme an Insolvenzen.

Das ISNM warnt, dass die Wirtschaftskrise immer mehr auch auf dem Arbeitsmarkt ankomme: "Seit dem letzten Sommer liegt die Arbeitslosenzahl erstmals seit zehn Jahren bei mehr als drei Millionen (3,021 Millionen im März 2026). Die Arbeitslosenquote lag im selben Monat bei 6,4 Prozent."

Die Krise auf dem Arbeitsmarkt ist eine Krise der Industrie schreibt das Institut, allein in der Metall- und Elektroindustrie seien seit 2019 rund 300.000 Stellen abgebaut worden.

Vermutlich wären die Arbeitslosenzahlen noch höher, wenn nicht parallel auch das Erwerbspersonenpotenzial sinken würde, unter anderem durch den Renteneintritt der Babyboomer. Zuwanderung könne dies nicht aufwiegen, so das INSM. "Unser Wohlstand gerät unter Druck, schließlich hängt unsere Wirtschaftskraft von zwei Faktoren ab: Kapital und Arbeit. Vereinfacht ausgedrückt: Unser Wohlstand wird nicht mehr wachsen, weil unser Arbeitsvolumen schrumpft."

Wochenarbeitszeit: Deutschland in EU Drittletzter

Im EU-Vergleich liege Deutschland zudem auf dem drittletzten Platz bei der Wochenarbeitszeit. Beschäftigte ab 15 Jahren arbeiten durchschnittlich nur 33,2 Stunden pro Woche. Die Zahlen des INSM dürften sowohl Teilzeit- als auch Vollzeitarbeit umfassen.

"Wesentliche Gründe für Teilzeitarbeit liegen vor allem in den mangelhaften finanziellen Anreizen für Mehrarbeit – unter anderem durch eine zu hohe Steuer- und Abgabenlast." Auch die bislang kostenlose Mitversicherung nicht arbeitender Ehepartner in der gesetzlichen Krankenkasse führt das INSM als Ursache für Teilzeitarbeit an.

Gleichzeitig liegt die Zahl der geleisteten Überstunden in Deutschland weiterhin hoch: 2024 leisteten deutsche Arbeitnehmer 552 Millionen bezahlte Überstunden sowie 637,6 Millionen unbezahlte Überstunden. Im Vergleich zu 2015 sind die Zahlen jedoch deutlich gesunken.

Bildungsabstieg – Jeder dritte Schüler verfehlt Mindeststandard

Auch die schlechte Leistung deutscher Schüler in der PISA-Studie kritisieren die Verfasser des Papiers deutlich: Der hohe Anteil leistungsschwacher Schüler sei problematisch. "Ursachen reichen von zunehmender Zuwanderung von Familien aus bildungsfernen Schichten bis hin zur zunehmenden Nutzung digitaler Medien." Damit wachse das Risiko, dass der Fachkräftemangel künftig noch stärker werde. Angesichts des demografischen Wandels sei es immer wichtiger, dass junge Menschen gut ausgebildet seien.

Die Lobbyorganisation führt als weitere "Fakten zur Wirtschaftslage" zudem die hohen Unternehmenssteuern, die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast der OECD-Staaten, den demografischen Wandel, die Verdopplung der Rentenbezugszeiten und die übermäßige Bürokratie auf.

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