Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Von Mussolinis Schwarzhemden bis Zidanes Kopfstoß: Zehn prägende WM-Momente

Archivbild: Die italienische Nationalmannschaft zeigt vor dem WM-Finale gegen Ungarn den faschistischen Gruß im Stadion Colombes in Paris, 19. Juni 1938
Archivbild: Die italienische Nationalmannschaft zeigt vor dem WM-Finale gegen Ungarn den faschistischen Gruß im Stadion Colombes in Paris, 19. Juni 1938 Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
Copyright Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
Von Rafael Salido
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Alle vier Jahre fiebern Fans von König Fußball der WM entgegen. Doch nicht nur sportliche Glanzleistungen prägen das Turnier – wir blicken auf seine unvergesslichsten Momente zurück.

Alle vier Jahre richtet die FIFA ein Spektakel aus, das die Titelseiten der großen Sport- und Tageszeitungen füllt. Doch bei der Fußball-Weltmeisterschaft stehlen auch immer wieder Momente und Heldentaten, die weit über den Sport hinausgehen, dem Turnier die Schau.

WERBUNG
WERBUNG

In diesem Überblick erinnern wir an zehn Momente, die jenseits ihres sportlichen Werts die Geschichte der Weltmeisterschaften geprägt haben. Sie haben sich unauslöschlich in das Gedächtnis von Millionen Fußballfans eingebrannt.

1. Frankreich 1938 - Erfolg von Mussolinis Schwarzhemden

Im Jahr 1938, nur ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, richtete Frankreich die dritte Weltmeisterschaft der Geschichte aus. In Europa herrschte bereits ein Klima wachsender geopolitischer Spannungen. Italien galt als einer der großen Favoriten und hatte die Trophäe schon vier Jahre zuvor, 1934, im eigenen Land gewonnen.

In Frankreich trat die italienische Auswahl als Vertreter eines faschistischen Regimes an, das in Europa zunehmend in Ungnade fiel. Überall gab es Proteste gegen Benito Mussolini und sein Eingreifen im Spanischen Bürgerkrieg. Nationaltrainer Vittorio Pozzo führte eine nahezu militärische Disziplin ein und setzte den Fußball offen als Propagandawerkzeug des Regimes ein.

Die Spannung entlud sich bereits beim Auftaktspiel gegen Norwegen und steigerte sich im Duell mit Frankreich, als Italien in schwarzen Trikots auflief und den faschistischen Gruß zeigte. Die Geste löste ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert auf den Tribünen aus und wurde zum Symbol für die extreme Politisierung des Turniers.

Trotz des feindseligen Umfelds marschierten die Italiener souverän durch das Turnier und besiegten Ungarn im Finale mit 4:2. Sie sicherten sich damit ihren zweiten Titel in Serie. Das Regime feierte den Triumph als nationalen Sieg und nutzte ihn zur Stärkung seines Narrativs. Zugleich blieb er als einer der umstrittensten und politisch aufgeladensten Momente der WM-Geschichte in Erinnerung.

2. Uruguay 1950 - Brasilien erlebt die Demütigung des "Maracanazo"

Die Weltmeisterschaft 1950 hinterließ einen der eindrucksvollsten Momente der Sportgeschichte: den unerwarteten Sieg Uruguays gegen Brasilien im bis auf den letzten Platz gefüllten Maracanã. Offiziell waren rund 170.000 Menschen im Stadion, doch Schätzungen zufolge dürften es eher um die 200.000 gewesen sein.

Zunächst herrschte in Rio de Janeiro reine Feststimmung. Nach dem damaligen Turniermodus reichte der "Seleção" ein Unentschieden zum Titel. Es gab Lieder, die den sicheren Triumph besangen, vollmundige Schlagzeilen und ein Publikum, das fest an den Sieg der Gastgeber glaubte. Brasilien ging in der zweiten Halbzeit in Führung. Doch Uruguay reagierte mit Charakter: Juan Alberto Schiaffino glich aus, und elf Minuten vor Schluss ließ Alcides Ghiggia das Stadion beim entscheidenden 1:2 verstummen.

Die Wirkung war verheerend. Grabesschweigen im Stadion, die brasilianischen Spieler schlichen niedergeschlagen vom Platz, das ganze Land stand unter Schock. Der "Maracanazo" ging weit über das Sportliche hinaus, wurde zu einer historischen Wunde Brasiliens und zur größten Heldentat des uruguayischen Fußballs – ein Spiel, das die Chronik der Weltmeisterschaften für immer veränderte.

3. Spanien 1982 - Auch "Mágico" González kann El Salvadors Debakel nicht verhindern

Die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien war eine besonders schmachvolle Seite in der Chronik mit der höchsten Niederlage, die je bei einer WM registriert wurde – dem historischen 10:1-Sieg Ungarns gegen El Salvador. Das Spiel in Elche legte eine riskante taktische Ausrichtung El Salvadors offen, vor dem Hintergrund eines Bürgerkriegs, logistischer Not und chaotischer Verbandsführung.

Trotz des ungarischen Sturmlaufs schenkte El Salvador dem Turnier einen symbolträchtigen Moment: Luis Ramírez erzielte das erste WM-Tor seines Landes. Es wurde eher als Akt der Würde gefeiert denn mit ausgelassener Euphorie. Das Publikum machte sich nicht lustig, sondern fühlte mit einem Team, das selbst im größten Gegenwind weiter angriff.

Mitten im Chaos glänzte Jorge Alberto González Barillas, besser bekannt als "Mágico" González. Er war der einzige Profi im Kader, dessen Technik und Dribbelstärke das Turnierpublikum begeisterten. Für El Salvador wurde diese WM, die nach einem Kapitel zum Vergessen aussah, am Ende zu einer späten Ehrenrettung für eine Generation, die der Welt eine andere Seite von einem von Gewalt gezeichneten Land zeigen wollte.

4. Mexiko 1986 - Die "Hand Gottes" öffnet Argentiniens Weg ins Finale

Das Viertelfinale der WM 1986 in Mexiko zwischen Argentinien und England ging durch eine der umstrittensten und denkwürdigsten Szenen des Fußballs in die Geschichte ein: die sogenannte "Hand Gottes" von Diego Armando Maradona, mit der die Südamerikaner in Führung gingen. Doch dieses Duell bestand aus weit mehr als nur dieser einen Aktion.

Das Spiel stand unter hoher sportlicher und politischer Spannung, nicht zuletzt wegen des Falklandkriegs. Zur Pause blieb es nach einer zähen, körperbetonten ersten Halbzeit torlos, Maradona wurde ständig gefoult. Gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs brachte der Zehner sein Team mit einem Tor in Front, das er mit der linken Hand erzielte und das der Schiedsrichter trotz heftiger englischer Proteste anerkannte.

Sechs Minuten später setzte Maradona zu seinem endgültigen Meisterwerk an: ein Sololauf von der Mittellinie, bei dem er einen Gegner nach dem anderen aussteigen ließ und schließlich den Torwart überwand. Dieses Tor gilt bis heute als eines der schönsten der WM-Geschichte. England gelang kurz vor Schluss nur noch der Anschlusstreffer. Argentinien besiegte später im Finale auch Deutschland und wurde Weltmeister. In Erinnerung blieb aber vor allem das Spiel gegen England – als Symbol für Raffinesse, Genialität und eine nie endende Kontroverse.

5. USA 1994 - Der Fehler, der Andrés Escobar das Leben kostete

Das Eigentor von Andrés Escobar bei der WM 1994 in den USA wurde zu einem der tragischsten Kapitel der Fußballgeschichte. Escobar war Kapitän einer hoch eingeschätzten kolumbianischen Mannschaft. In der Niederlage gegen die USA lenkte der Verteidiger den Ball ins eigene Tor, ein Ergebnis, das das frühe Aus seines Teams in der Gruppenphase besiegelte.

Wenige Tage nach seiner Rückkehr nach Medellín wurde der Spieler beim Verlassen einer Bar erschossen. Er war 27 Jahre alt. Das Verbrechen erschütterte die Welt und stand sinnbildlich für die Gewalt, die Kolumbien in den 1990er Jahren heimsuchte – geprägt von Drogenkartellen, illegalen Wetten und kriminellem Druck auf den Fußball. Zwar war lange von Rache für Wettverluste die Rede, doch der Fall spiegelte einen viel breiteren gesellschaftlichen Kontext, in dem der Sport von Angst und Einschüchterung durchdrungen war.

Escobar, bekannt als "der Gentleman des Fußballs", verteidigte den Sport als Raum für Miteinander und Werte. Sein Tod machte ihn zur Symbolfigur einer Generation, gefangen zwischen sportlichem Talent und entgrenzter Gewalt. Er erinnerte daran, dass – wie sein damaliger Nationaltrainer Pancho Maturana sagte – nicht der Fußball ihn tötete, sondern "die Gesellschaft".

6. Deutschland 2006 - Zidanes Ausraster kostet Frankreich den Titel

Das Finale der WM 2006 in Deutschland blieb wegen einer der rätselhaftesten Szenen des Fußballs unvergessen. Zinedine Zidane, Frankreichs Mannschaftskapitän, stand in seinem letzten Spiel als Profi kurz davor, sich unsterblich zu machen. Und verabschiedete sich stattdessen mit einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi auf unrühmliche Weise vom Profisport.

Zidane hatte Frankreich mit herausragenden Auftritten ins Endspiel geführt und in Berlin per Panenka-Elfmeter früh getroffen. In der Verlängerung, nach einer Beleidigung von Seiten des italienischen Verteidigers, verlor er die Beherrschung und stieß Materazzi mit voller Absicht und Wucht den Kopf in die Brust. Materazzi ging zu Boden. Zidane sah die Rote Karte und wurde vom Platz verwiesen.

Frankreich musste nun die Schlussminuten in Unterzahl bestreiten. Ohne ihren Anführer unterlag die Mannschaft schließlich im Elfmeterschießen gegen Italien. Das Bild von Zidane, der allein an der WM-Trophäe vorbei in die Kabine geht, wurde zum Sinnbild einer Nacht mit vertaner Größe. Ein Abschluss, so brillant wie menschlich, für eine der größten Fußball-Legenden.

7. Südafrika 2010 - Iniestas "Tor meines Lebens"

Spanien gewann die WM 2010 in Südafrika mit einem klaren Spielstil und einem Finale, das durch einen einzigen Moment für immer im Gedächtnis blieb. Nach dem EM-Triumph 2008 war das Team von Vicente del Bosque Favorit, startete jedoch mit einer unerwarteten Auftaktniederlage gegen die Schweiz. Alte Zweifel kehrten zurück. Doch die Mannschaft blieb ruhig, steigerte sich von Spiel zu Spiel, setzte auf Ballbesitz, vertraute konsequent auf ihr Tiki-Taka und zog mit knappen Siegen ins Endspiel ein.

Das Finale gegen die Niederlande in Johannesburg war hart, körperbetont und chancenarm. Als sich das Spiel bereits auf ein Elfmeterschießen zubewegte, fiel in der 116. Minute der entscheidende Schuss: Pass von Cesc Fàbregas, Annahme von Andrés Iniesta, Schuss ins lange Eck vorbei an Maarten Stekelenburg. Das 0:1 löste grenzenlosen Jubel aus und brachte Spanien den ersten WM-Titel.

Dieses Tor stand für die Vollendung eines Stils, der auf Geduld, Ballkontrolle und unerschütterlichen Glauben setzte. Ein Stil, der sich weiterhin bewährte. Zwei Jahre später gewann Spanien die dritte Europameisterschaft seiner Geschichte – und die zweite in Folge.

8. Brasilien 2014 - Historische Demütigung der fünffachen Weltmeister im eigenen Land

Am 8. Juli 2014 erlebte Brasilien bei der Heim-WM eine seiner erschütterndsten Nächte. Im Halbfinale von Belo Horizonte deckte Deutschland alle Schwächen des Gastgebers schonungslos auf und siegte mit einem sagenhaften 7:1 – eine der größten Demütigungen in der Geschichte des Turniers.

Das Spiel kippte innerhalb weniger Minuten. Nach dem Führungstor der Deutschen erzielte das Team von Joachim Löw zwischen der 23. und 29. Minute vier weitere Treffer. Miroslav Klose wurde zum alleinigen WM-Rekordtorschützen, Toni Kroos gelang ein Doppelpack binnen kürzester Zeit. Brasilien war körperlich und mental völlig überfordert und erlebte den Zusammenbruch vor den eigenen Fans wie in Zeitlupe.

Nach der Pause traf André Schürrle zweimal, Oscar betrieb spät Ergebniskosmetik. Es war Brasiliens erste Halbfinal-Niederlage bei einer WM seit 76 Jahren und die schwerste Heimpleite seit fast einem Jahrhundert. Der sogenannte "Mineirazo" wurde zum Symbol eines kollektiven Traumas und eines der dunkelsten Kapitel des brasilianischen Fußballs.

9. Russland 2018 - Der VAR betritt die große Bühne

Die WM 2018 in Russland wird auch als erstes großes Nationalmannschaftsturnier in Erinnerung bleiben, bei dem der Videobeweis VAR eine Schlüsselrolle spielte. Das System griff schon in der Gruppenphase massiv ein, löste Debatten und Kontroversen aus, sorgte aber zugleich bei vielen für das Gefühl größerer Gerechtigkeit bei Schiedsrichterentscheidungen.

Sein Einfluss prägte den gesamten Wettbewerb und reichte bis ins Finale, in dem der Unparteiische nach VAR-Studium einen Strafstoß verhängte. Laut FIFA erhöhte der Videoeinsatz die Quote korrekter Entscheidungen auf 99,2 Prozent, nachdem der VAR bei mehr als 400 Szenen zum Einsatz gekommen war. Der Weltverband erklärte später, das System habe Abseitstore praktisch aus dem Spiel genommen und in 16 Fällen Entscheidungen korrigiert.

Der VAR veränderte auch das Spiel selbst: Nie zuvor wurden bei einer WM so viele Strafstöße gepfiffen und so viele Tore nach Standards erzielt. Mit Diskussionen, Emotionen und Überraschungen verabschiedete sich die WM 2018 aus Russland mit guter Organisationsbilanz, vollen Stadien, Volksfeststimmung über einen Monat – und einem Gastgeberteam, das mit dem Einzug ins Viertelfinale alle Erwartungen übertraf.

10. Katar 2022 - Messi krönt sich endlich zum Weltmeister

Argentinien holte bei der WM 2022 in Katar seinen dritten Titel durch einen Sieg gegen Frankreich in einem hochdramatischen Finale. Das Endspiel wurde im Elfmeterschießen entschieden, nachdem es nach regulärer Spielzeit und Verlängerung 3:3 gestanden hatte. Die Partie war von Beginn an elektrisierend, im Mittelpunkt standen Lionel Messi und Kylian Mbappé in einem unvergesslichen Duell zweier Generationen.

Argentinien dominierte weite Strecken des Spiels und ging durch einen Elfmeter von Messi und einen Treffer von Ángel Di María vor der Pause mit 2:0 in Führung. Frankreich war lange wie abgemeldet und reagierte erst in der Schlussphase mit einem furiosen Aufbäumen: Mbappé verkürzte per Strafstoß und stellte innerhalb einer einzigen Minute auf Remis – mit einem spektakulären Volley.

In der Verlängerung traf Messi erneut zum 3:2, doch Mbappé glich wieder aus und erzwang so die Entscheidung durch Elfmeter-Schießen. Dort wurde Emiliano Martínez zur Schlüsselfigur. Argentinien stemmte schließlich den WM-Pokal. Ein Triumph, der Messi endlich den einzigen großen Titel bescherte, der ihm noch gefehlt hatte – und für dessen Fehlen er jahrelang kritisiert worden war.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Fußball-WM-Tickets: Wie viel würden Sie bezahlen, um Ronaldo zu sehen?

US-Tourismus im „Trump-Slump“: dreht die Fußball-WM den Trend?

Fußballweltmeisterschaft 1990: Neue Doku über Deutschlands Triumph in Italien