Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

EZB erhöht Zinsen erstmals seit drei Jahren: Iran-Krieg treibt Inflation

EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht am Donnerstag, 30. April 2026, in Frankfurt mit den Medien.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mit Medienvertretern, Donnerstag, 30. April 2026. Copyright  AP Photo/Michael Probst
Copyright AP Photo/Michael Probst
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

EZB erhöht Einlagenzins auf zwei Komma 25 Prozent – Reaktion auf Inflation durch Iran-Krieg, höchste Teuerung im Euroraum seit fast drei Jahren.

Die Europäische Zentralbank hat erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen angehoben. Nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag steigt der Einlagenzins von zwei auf 2,25 Prozent.

WERBUNG
WERBUNG

Die EZB steuert die Geldpolitik im Euroraum über drei Leitzinsen. Der Einlagenzins ist dabei ihre zentrale Orientierungsgröße.

Zuletzt hatte die EZB den Einlagenzins im September 2023 erhöht. Damals erreichte er nach einer längeren Straffungsphase, die die Inflation nach der Pandemie stabilisieren sollte, seinen Höchststand von 4,0 Prozent.

Auch der Hauptrefinanzierungssatz steigt, auf 2,4 Prozent. Der Satz der Spitzenrefinanzierungsfazilität liegt nun bei 2,65 Prozent.

Die Anhebung der Leitzinsen bedeutet eine klare Kehrtwende nach dem Lockerungszyklus, der weite Teile des Jahres 2025 geprägt hatte. Im Mai kletterte die Inflation im Euroraum auf 3,2 Prozent, den höchsten Wert seit September 2023. Haupttreiber war ein Anstieg der Energiepreise um 10,9 Prozent.

Im Kern kam der EZB-Rat zu dem Schluss, dass Nichtstun nicht länger vertretbar ist.

Die Finanzmärkte hatten den Schritt bereits fest einkalkuliert. Ratsmitglieder aus beiden Lagern, den eher straffen und den eher lockeren, hatten im Vorfeld für Juni eine Zinserhöhung signalisiert.

Euroraum-Wirtschaft unter Druck

Der Zinsschritt trifft die Wirtschaft im Euroraum in einer heiklen Phase.

Im ersten Quartal 2026 schrumpfte die Wirtschaftsleistung des Währungsraums im Vergleich zu den vorherigen drei Monaten um 0,2 Prozent. Volkswirte warnen deshalb vor einer Phase der Stagflation – einer Mischung aus schwachem Wachstum, steigender Inflation und schwindendem Vertrauen.

In der eigenen Umfrage unter professionellen Prognostikern veranschlagt die EZB für das Gesamtjahr 2026 nur noch ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent. Die Korrektur nach unten führen die Expertinnen und Experten direkt auf die Belastung durch gestiegene Energiepreise infolge des Iran-Kriegs zurück.

Die Inflation stieg auf 3,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2023. Die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel legte ebenfalls zu – von 2,2 Prozent im April auf 2,5 Prozent im Mai. Damit lässt sich kaum noch argumentieren, der Preisdruck beschränke sich allein auf Energie.

Für Haushalte und Unternehmen im Verbund der einundzwanzig Länder bedeutet der Beschluss höhere Zinskosten für Hypotheken und Firmenkredite. Das trifft sie zu einem Zeitpunkt, an dem hohe Benzin- und Gaspreise die Kaufkraft ohnehin schon aushöhlen.

An den Märkten gilt zudem eine weitere Erhöhung im September mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent als eingepreist. Viele Anleger werten den Schritt daher als Beginn einer neuen Straffungsphase und nicht als einmalige, gezielte Maßnahme.

Ökonominnen und Ökonomen schlagen Alarm

Den argumentativen Boden für die Erhöhung bereitete vor allem Isabel Schnabel aus dem Direktorium der EZB. Sie ist für die Marktoperationen der Notenbank zuständig.

Schnabel plädierte dafür, die Zinsen im Juni unabhängig davon anzuheben, ob die laufenden Friedensgespräche zum Iran-Konflikt zu einem Abkommen führen. Zur Begründung verwies sie auf die Dauer des Kriegs und darauf, wie stark die hohen Energiepreise bereits in die übrige Wirtschaft durchschlagen.

Auf einer Konferenz in Seoul warnte Schnabel, „das Risiko, dass sich die Inflationserwartungen entankern, nimmt zu“. Die EZB könne diesen Schock daher nicht länger „einfach ausblenden“.

Auch Chefvolkswirt und Direktoriumsmitglied Philip Lane hatte erklärt, die Lage habe sich seit den Projektionen vom März verschlechtert. Für die Juni-Sitzung stellte er eine Anhebung der EZB-Inflationsprognose in Aussicht. Schnabel ging noch weiter und sagte voraus, dass die Teuerung bis zum Jahresende auf vier Prozent steigen könnte.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Millionen Jahre alte Kadaver: Forscher finden riesigen Wal-Friedhof in der Tiefsee

Energiepreise treiben Inflation in Deutschland und Spanien vor EZB-Entscheid

Lagarde: EZB-Zinsschritt ist in drei Szenarien robust