Nur zwei Tage nach einem Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran zur Beendigung ihres Kriegs meldet Irans Fußballverband: US-Reisebeschränkungen fürs WM-Team bleiben, Beschwerde bei der FIFA folgt.
Die iranische Fußballnationalmannschaft unterliegt in den USA weiterhin strengen Einreiseauflagen. Das gilt auch zwei Tage nachdem Washington und Teheran ein Rahmenabkommen zur Beendigung ihres Kriegs unterzeichnet haben. Die Regelungen sorgen für zusätzlichen Ärger und könnten die Weltmeisterschaft in diesem Sommer überschatten.
Das 14-Punkte-Abkommen, das US-Präsident Donald Trump am Mittwoch in Versailles und Irans Präsident Masoud Pezeshkian in Teheran unterschrieben haben, erwähnt keine Lockerung der Bedingungen für iranische Staatsbürger. Davon betroffen sind auch Fußballer, die die US-Grenzkontrollen passieren müssen.
Irans Fußballverband kündigte am Donnerstag an, bei der FIFA eine formelle Beschwerde einzureichen. Die von den USA verhängten Reisebeschränkungen hinderten die Mannschaft daran, sich seriös auf das Turnier vorzubereiten, heißt es zur Begründung.
Die Beschwerde folgt auf die Bestätigung von US-Behörden, dass iranische Spieler nur einen Tag vor jeder Partie einreisen dürfen und das Land unmittelbar danach wieder verlassen müssen. Diese Vorgaben gelten unverändert, obwohl es in dieser Woche einen diplomatischen Durchbruch gab.
Der iranische Verband FFIRI erklärte in einer Stellungnahme, er wolle den Fall über die Rechtswege der FIFA verfolgen. Die Beschränkungen seien „nicht vereinbar mit dem Grundsatz gleicher Bedingungen für alle teilnehmenden Mannschaften“.
Die Erklärung folgte wenige Tage, nachdem Cheftrainer Amir Ghalenoei sein Team nach dem 2:2 gegen Neuseeland im Auftaktspiel als „am meisten unterdrückte Mannschaft in der Geschichte internationaler Wettbewerbe“ bezeichnet hatte.
Der Trainerstab hatte geplant, jeweils zwei Tage vor den Spielen anzureisen und erst am Tag danach wieder abzureisen. So sollten sich die Spieler erholen und anpassen können.
Vor der Partie gegen Neuseeland reiste die Mannschaft stattdessen nur einen Tag vor dem Anpfiff nach Los Angeles und musste direkt nach dem Schlusspfiff wieder abreisen.
Stürmer Mehdi Taremi sagte, die Spieler hätten erst am Tag des Spiels erfahren, dass sie US-Territorium unmittelbar nach dem Abpfiff verlassen müssten.
Weißes Haus weist Beschwerden zurück
Andrew Giuliani, Leiter der Taskforce des Weißen Hauses für das Turnier, wies die Beschwerde des Verbandes zurück. Die Regeln seien von Beginn an klar gewesen, sagte er. „Von Anfang an haben wir klar gesagt, dass dieses Verfahren gilt“, so Giuliani.
„Die Mannschaft darf einen Tag vor dem Spiel in die Vereinigten Staaten einreisen und muss nach der Partie wieder ausreisen. Das gilt für Los Angeles und Seattle“, ergänzte er.
Der Iran hatte beantragt, vor dem nächsten Spiel gegen Belgien früher nach Los Angeles reisen zu dürfen. Die Begegnung ist für Sonntag, 21.00 Uhr MEZ, angesetzt. Die US-Seite lehnte den Wunsch ab.
Die Reisebeschränkungen verschärfen ein Verhältnis, das zwischen Verband und US-Behörden ohnehin angespannt ist.
Washington verweigerte zudem rund 15 Mitgliedern des Betreuerstabs Visa. Darunter ist auch Verbandspräsident Mehdi Taj, der die Mannschaft nicht begleiten kann.
Was kann die FIFA tun?
Iran nimmt an dem Turnier teil, das in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird. Das geschieht vor dem Hintergrund des jüngsten Kriegs und eines brüchigen Waffenstillstands. Wegen der Lage muss das Team in Tijuana stationiert sein, statt auf der US-Seite der Grenze, wo alle drei Gruppenspiele stattfinden.
Das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen soll den Weg zu einem langfristigen Frieden ebnen und wird von weiteren 60 Tagen Verhandlungen begleitet. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran bleiben jedoch hoch.
Bis zur Veröffentlichung dieses Berichts lag von der FIFA noch keine Antwort auf die Beschwerde vor.
Die Eingriffsmöglichkeiten der FIFA in solchen Fällen sind begrenzt. Der Verband betont, dass die Durchsetzung von Einreisebestimmungen außerhalb seiner Zuständigkeit liege. Gleichzeitig verpflichten die Gastgeberverträge Regierungen dazu, für Spieler und Offizielle ein „nicht diskriminierendes Visa-Umfeld“ zu garantieren, wenn sie Spiele ausrichten wollen.
Die FIFA hat bereits einmal einem Gastgeber wegen Visastreitigkeiten ein Turnier entzogen. Indonesien verlor die Ausrichtung der U-20-Weltmeisterschaft 2023, nachdem die Regierung Israels Teilnahme blockiert hatte. Gegenüber den USA hat der Weltverband bislang jedoch nicht erkennen lassen, dass er ähnliche Schritte erwägt.
Die Einreiseverbote der Trump-Regierung sehen Ausnahmen für Athletinnen und Athleten sowie Betreuer vor, die zur Weltmeisterschaft reisen. Zeitpunkte und Bedingungen der Einreise liegen jedoch weiterhin im Ermessen der US-Grenzbehörden.