Bei Hitzewarnstufe Rot in 61 Départements sind Obdachlose besonders gefährdet. In Marseille verstärkt eine Sozialstiftung ihre Straßenhilfe mit Wasser, Beistand und Schutz.
Die Hitzewelle hält Frankreich weiter fest im Griff. Am Freitag gelten in 61 Départements noch rote Hitzewarnungen. Ab Samstag soll sich die Lage etwas entspannen: In 13 Départements in der Mitte und im Südwesten des Landes wird die höchste Warnstufe aufgehoben.
Die Temperaturen bleiben jedoch außergewöhnlich hoch. Viele Menschen versuchen, sich mit Klimaanlagen, Wasser und häufigem Duschen zu schützen. Für Menschen ohne Unterkunft ist das kaum möglich. Sie sind der aufgeheizten Steinlandschaft der Straßen fast schutzlos ausgesetzt.
Auch im Sommer hohe Sterblichkeit
In Marseille ist Francis Vernède, Regionalpräsident der Stiftung für Wohnraum für Benachteiligte, auf Straßentour, um den Betroffenen zu helfen.
„Diese Menschen sind das ganze Jahr über extrem verletzlich. Im Winter denkt man eher an Obdachlose, doch ihre Sterblichkeit ist im Sommer genauso hoch, wenn nicht höher. Die Hitze ist ein massives Problem“, sagt er.
„Heute ist es in Marseille sehr heiß. Für Dutzende, wenn nicht Hunderte Menschen, die draußen schlafen, ist das extrem belastend. Sie sind nachts harten Temperaturen ausgesetzt und müssen tagsüber ständig nach kleinen Schattenbereichen suchen – die es nicht überall gibt“, führt er aus.
Valentin, ein junger Obdachloser, sucht schon in den frühen Morgenstunden Schatten für sich und seine Hunde. „Morgens bleiben wir im Schatten, bis die Cops kommen und uns vertreiben, weil wir angeblich den öffentlichen Raum stören. Dann laufen wir ziellos herum und suchen wieder einen Platz im Schatten, damit die Hunde vor der Hitze geschützt sind und sich nicht die Pfoten verbrennen“, erzählt er.
„Der Morgen ist besonders hart. Wenn du nichts trinkst, bekommst du irgendwann einen Hitzschlag“, bestätigt auch Bastien, der ebenfalls auf der Straße lebt.
Francis Vernède ruft Wohnungsbauminister Vincent Jeanbrun und Sozialminister Jean-Pierre Farandou zum Handeln auf. „Es geht nicht ums Budget, es geht um Würde und ums Überleben dieser Menschen“, betont er.
Nach Angaben des Kollektivs Les Morts de la rue ereignen sich fast 30 % der Todesfälle bei Menschen ohne Obdach in den Sommermonaten.