Mit den steigenden Wassertemperaturen gehören Quallen an vielen Stränden wieder zum gewohnten Bild des Sommers. Selbst in Ost- und Nordsee treiben derzeit vielerorts Quallen durchs Wasser. Ein kleiner Einblick in Quallenarten in den typischen Urlaubsregionen.
Die mit Abstand häufigste Quallenart hierzulande in der Ost- und Nordsee ist die Ohrenqualle (Aurelia aurita). Sie tritt vor allem im Sommer und Frühherbst auf und kann in manchen Jahren in großen Schwärmen, sogenannten Quallenblüten, beobachtet werden.
Charakteristisch für die Ohrenqualle sind die vier ringförmigen Geschlechtsorgane in der Mitte des durchsichtigen Schirms. Sie erinnern an kleine Ohren und gaben der Art ihren Namen. Sie hat einen Schirmdurchmesser von etwa 5 bis 40 cm und Tentakel, die von wenigen Zentimetern bis ungefähr einem Meter lang werden können.
Die Ohrenqualle gilt für Menschen als weitgehend harmlos, weil ihre Nesselzellen in der Regel keine oder nur leichte Hautreizungen verursachen.
In Ostsee und Nordsee lebt allerdings die Gelbe Haarqualle (Cyanea capillata). Sie ist auch unter dem Namen Gelbe Nesselqualle bekannt und wird von Küstenbewohnern meist umgangssprachlich "Feuerqualle" genannt. Sie kann mit ihren langen Tentakeln schmerzhafte Nesselverletzungen verursachen. Selbst abgerissene Tentakel können noch eine Zeit lang nesseln.
Die Feuerqualle ist im Vergleich zur Ohrenqualle deutlich größer und kann einen Schirmdurchmesser von etwa 20 bis 50 cm erreichen, die Tentakel können bis zu 10 bis 30 Meter lang werden.
Die Feuerqualle kommt in der Nordsee deutlich häufiger vor als in der Ostsee. Sie bevorzugt kühleres und salzreicheres Wasser. Besonders an den Küsten von Sylt, Amrum, Norderney und den ostfriesischen Inseln werden regelmäßig Feuerquallen oder angeschwemmte Tentakel beobachtet, aber auch im Nordatlantik und an den Küsten von Großbritannien, Norwegen und Island. Auch an den Küsten von Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Kroatien und der Türkei ist sie anzutreffen.
Quallenarten im Mittelmeer, einige freundlicher als andere
Wer im Urlaub am Mittelmeer badet, begegnet deutlich häufiger noch anderen stechenden Quallenarten.
Die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca) gilt als eine der unangenehmsten Quallenarten für Badegäste im Mittelmeer. Sie kommt vor allem im westlichen Mittelmeer vor, etwa vor den Küsten Spaniens, Frankreichs und Italiens, aber auch in der Adria (unter anderem vor Kroatien und Montenegro), in der Ägäis sowie in Teilen des östlichen Mittelmeers und vor der nordafrikanischen Küste.
Die auffällige Qualle ist meist violett, rosa oder rötlich gefärbt und erreicht einen Schirmdurchmesser von etwa fünf bis 15 Zentimetern. Ihre langen, dünnen Tentakel können mehrere Meter weit reichen. Eine Berührung kann brennende Schmerzen, rote Hautstellen, Quaddeln und anhaltenden Juckreiz verursachen. Bei empfindlichen Menschen sind auch stärkere Reaktionen möglich.
Ihren Namen verdankt die Leuchtqualle der Fähigkeit zur schwachen Biolumineszenz: Bei Dunkelheit kann sie ein schwaches Leuchten erzeugen.
Die Kompassqualle (Chrysaora hysoscella) ist eine auffällige Quallenart im Mittelmeer. Sie hat einen gelblich-braunen Schirm mit charakteristischen Linien, die an eine Kompassrose erinnern, sowie lange Tentakel. Typische Urlaubsgebiete, in denen die Kompassqualle vorkommt, sind die Küsten von Spanien, Italien, Griechenland, der Türkei und der Adria.
Eine Berührung mit ihren Tentakeln kann schmerzhaft sein, die Beschwerden sind jedoch meistens weniger stark als bei der Leuchtqualle.
Die Lungenqualle (Rhizostoma pulmo) kommt ebenfalls im Mittelmeer vor und zählt dort zu den größten Quallenarten. Sie kann einen beeindruckenden Schirmdurchmesser von bis zu etwa 60 Zentimetern erreichen. Trotz ihrer stattlichen Größe ist sie für Menschen meist wenig gefährlich, weil ihre Nesselzellen vergleichsweise schwach sind. Berührungen führen häufig zu keinen oder nur leichten Beschwerden.
Aufgrund ihres imposanten Erscheinungsbilds und ihrer Harmlosigkeit gilt sie als "sanfter Riese" unter den Mittelmeerquallen.
Was tun, wenn einen eine Qualle erwischt hat?
Bei einer Quallenverletzung sollte man die betroffene Stelle nicht reiben oder kratzen, weil dadurch weitere Nesselzellen aktiviert werden können. Die Haut sollte vorsichtig mit Meerwasser abgespült und sichtbare Tentakel möglichst mit einer Pinzette oder einer Plastikkarte abgetragen werden.
Süßwasser sollte bei einer Quallenverletzung vermieden werden, weil es noch nicht ausgelöste Nesselzellen aktivieren kann. Durch den Unterschied im Salzgehalt zwischen Süßwasser und Meerwasser verändern sich die Zellen osmotisch, wodurch sie weiteres Gift in die Haut abgeben können. Das kann die Schmerzen verstärken und die Hautreaktion verschlimmern.
Zur Schmerzlinderung kann die betroffene Stelle für 20 bis 45 Minuten in warmes, aber natürlich nicht verbrühendes Wasser (etwa 40–45 °C) gehalten oder mit warmen Kompressen behandelt werden.
Alkohol und auch Urin sollten vermieden werden, weil es die Beschwerden verschlimmern könnte. Bei Atemnot, Schwellungen, starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder andere schweren Symptomen unbedingt schnell zum Arzt.
Quallen gibt es auch im Bodensee
Meeresquallen gibt es im Bodensee und anderen heimischen Gewässern zwar nicht, aber gelegentlich tritt dort die Süßwasserqualle (Craspedacusta sowerbii) auf, eine kleine Art, die ursprünglich aus Ostasien stammt und sich inzwischen in Süßgewässern weltweit verbreitet hat. Die Qualle lebt vor allem in langsam fließenden oder stehenden Gewässern, deren flache Uferbereiche sich stark aufheizen können.
Sie erscheint meist im Spätsommer, erreicht einen Durchmesser von nur ein bis drei Zentimetern und gilt für Menschen als ungefährlich, weil ihre Nesselzellen die menschliche Haut in der Regel nicht durchdringen können. Ihr Durchmesser beträgt bis zu 2,5 Zentimeter.
Kurios: Im August 2025 musste im Kernkraftwerk Gravelines in Nordfrankreich die Anlage vorübergehend komplett stillgelegt werden, als ein massiver Quallenschwarm die Filter der Kühlwasserpumpen verstopft hatte. Vier Reaktoren wurden automatisch heruntergefahren; die beiden übrigen waren wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb.
Bereits 2013 legte ein Quallenschwarm einen Reaktor des Kernkraftwerk Oskarshamn am Kalmarsund an der Ostküste Schwedens zeitweise lahm, nachdem die Tiere das Kühlsystem blockiert hatten. Ähnliche Vorfälle gab es auch in Japan, zum Beispiel im Kernkraftwerk Hamaoka im Jahr 2006.
Nach Angaben der Betreiber bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Personal, Bevölkerung oder Umwelt. Gefährdet waren allenfalls die Quallen selbst: Der Druck im Filtersystem kann für die Tiere tödlich sein.