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Protest gegen Wehrpflicht: Wütende Menge kippt Militärfahrzeug in Lwiw um

Soldaten üben Gefechtsfertigkeiten auf einem Übungsplatz nahe der Front in der Region Saporischschja, am achten April 2026.
Soldaten üben Gefechtsfertigkeiten auf einem Übungsplatz nahe der Front im Gebiet Saporischschja, 8. April 2026 Copyright  AP Photo
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Von Gavin Blackburn
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Ukraine ringt nicht nur an der Front mit Russland, sondern auch im Inneren mit wachsender Kriegsmüdigkeit. In Lwiw schlug die Wut über die Mobilisierung nun in Gewalt um.

Die ukrainischen Behörden haben am Donnerstag ein Strafverfahren eingeleitet, nachdem in Lwiw im Westen des Landes zahlreiche Menschen ein Fahrzeug der Musterungsbehörden umringt und umgeworfen hatten.

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Der Vorfall löste umgehend scharfe Reaktionen ukrainischer Verantwortlicher aus. Einige riefen die Bevölkerung dazu auf, ihren Zorn gegen Russland zu richten und nicht gegen die eigene Armee.

Nach Angaben der Behörden hatten die Tumulte begonnen, nachdem Beamte einen Mann festgenommen hatten, der im Verdacht stand, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Anschließend brachten sie ihn in ein Rekrutierungszentrum.

"Es läuft eine Untersuchung zu den Umständen eines Vorfalls in Lwiw, an dem Soldaten der ukrainischen Streitkräfte, Polizeikräfte und rund 200 Zivilpersonen beteiligt waren", teilte die ukrainische Staatsanwaltschaft mit.

"Es sind zwei Strafverfahren eröffnet worden: wegen der Behinderung der rechtmäßigen Tätigkeit der Streitkräfte der Ukraine während des Kriegsrechts und wegen des Einsatzes von Gewalt gegen einen Polizeibeamten", hieß es weiter.

Soldaten trainieren militärische Fähigkeiten auf einem Übungsgelände nahe der Front in der Region Saporischschja, 5. Juli 2026
Soldaten trainieren militärische Fähigkeiten auf einem Übungsgelände nahe der Front in der Region Saporischschja, 5. Juli 2026 AP Photo

In sozialen Netzwerken kursierende Videos zeigen, wie am späten Mittwochabend in Lwiw Menschen ein Fahrzeug umringen und attackieren. Sie rufen "Schande" und filmen die Szene mit ihren Handys.

Laut Staatsanwaltschaft griffen Beteiligte später auch einen Polizisten an, der versucht hatte, die Lage zu beruhigen.

Seit Beginn der großangelegten russischen Invasion im Jahr 2022 kommt es in der Ukraine immer häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Mitarbeitern der Wehrpflichtbehörden. Allein in diesem Jahr meldeten die Behörden bereits mehr als 100 solcher Vorfälle.

Die Mobilisierung, also die Einberufung von Männern ab 25 Jahren zum Wehrdienst, ist in der Ukraine ein hoch sensibles Thema. In der Gesellschaft gibt es teils heftige Debatten darüber, wer eingezogen werden soll und nach welchen Kriterien.

Der Gouverneur der Region Lwiw verurteilte die Gewalt. Er erinnerte die Bevölkerung daran, dass die Ukraine "nur einen Feind" habe. Lwiws Bürgermeister Andrij Sadowyj warnte, der Vorfall könne "sofort zu einem Instrument feindlicher Propaganda werden".

"Russland ist heute am stärksten daran interessiert, dass Ukrainer beginnen, gegeneinander zu kämpfen. Alle, die das Gesetz gebrochen haben, müssen zur Verantwortung gezogen werden", schrieb er auf Telegram.

Gewalt gegen Mitarbeiter der Rekrutierungsstellen war zu Beginn des Krieges nahezu unbekannt. In den vergangenen Jahren nahm sie jedoch deutlich zu, je länger die Kämpfe andauern und je größer die Ermüdung in der Bevölkerung wird.

Feuerwehrleute löschen ein Feuer im Stadtzentrum nach einem Drohnenangriff Russlands auf Lwiw, 24. März 2026
Feuerwehrleute löschen ein Feuer im Stadtzentrum nach einem Drohnenangriff Russlands auf Lwiw, 24. März 2026 AP Photo

Die Polizei registrierte 2022 nur fünf Angriffe auf Mitarbeiter der Musterungsbehörden. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf 341, wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine berichtete.

Der ukrainische Verteidigungsminister hatte im vergangenen Monat flexiblere Wehrdienstverträge für Einberufene angekündigt. Hintergrund ist die wachsende Kritik an der bisherigen Praxis eines Wehrdienstes ohne klare zeitliche Begrenzung.

Kreml weist US-Äußerungen zurück

Russland kritisierte unterdessen die USA scharf, nachdem Washington erklärt hatte, ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen könnten dazu beitragen, den Krieg zu beenden.

Die Ukraine führt mit Langstreckendrohnen eine Vergeltungskampagne gegen russische Energie- und Militäreinrichtungen. Kyjiw spricht von einer gerechten Antwort auf die Drohnen- und Raketenangriffe Moskaus auf ukrainische Städte.

US-Präsident Donald Trump stellte sich am Mittwoch bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hinter diese Angriffe, als er nach den Schlägen gefragt wurde.

US-Präsident Donald Trump trifft den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des NATO-Gipfels in Ankara, 8. Juli 2026
US-Präsident Donald Trump trifft den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des NATO-Gipfels in Ankara, 8. Juli 2026 AP Photo

"Es ist eine Eskalation, aber eine Eskalation, die zu einem Ende führen kann", sagte Trump.

Der Kreml erklärte, der militärische Druck der Ukraine werde Russland nicht zu Zugeständnissen zwingen.

"Wir sehen in der US-Regierung gewisse Fehlannahmen, wonach eine Eskalation des militärischen Drucks zu einer Friedenslösung beitragen könne. Diese Sicht ist falsch", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalistinnen und Journalisten.

"Eine weitere Eskalation kann die spezielle Militäroperation in gewissem Ausmaß verlängern", fügte er hinzu. Dabei benutzte er den in Russland offiziellen Begriff für den Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Peskow drohte außerdem, die russische Armee werde als Reaktion eine "größere Sicherheitszone" schaffen. Gemeint ist die Eroberung zusätzlichen Gebiets im Osten der Ukraine.

"Das Anheizen der Spannungen und Schritte, die die Eskalation befeuern, werden in keiner Weise zum Friedensprozess beitragen", sagte Peskow weiter.

Die Angriffe Kyjiws auf russische Öllager und Raffinerien haben in Russland eine Treibstoffkrise ausgelöst. Moskau, einer der größten Ölproduzenten der Welt, sah sich gezwungen, bestimmte Ausfuhren zu stoppen.

Seit Juni haben mehr als 90 Prozent aller russischen Regionen irgendeine Form der Rationierung eingeführt oder von Engpässen bei Benzin und Diesel berichtet. Das geht aus offiziellen Angaben und Berichten lokaler Medien hervor.

Weitere Quellen • AFP

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