Das Feuer ist "30 Kilometer von Bordeaux entfernt", das gab der französische Innenminister Laurent Nuñez bei einer Lagebesprechung des Krisenstabs bekannt, so lokale Medien.
Angesichts der weiterhin als „kritisch“ eingestuften Lage im Département Gironde und rund 30 Bränden, die „gleichzeitig aktiv“ sind, fährt die französische Regierung einen Großeinsatz.
Auch der Var, Korsika und die Hautes-Alpes sind betroffen. Die Regierung bekommt Unterstützung von mehreren europäischen Partnern und bezeichnet den Kampf gegen die Klimakrise als „Priorität“.
Im Département Gironde hat das Megafeuer, das am Dienstag in der Gemeinde Saumos ausgebrochen war, am Samstag zweimal die Richtung gewechselt und „bleibt aktiv und nicht unter Kontrolle“, wie die Präfektur mitteilte. Insgesamt sind dort 42.000 Hektar verbrannt, 140 Häuser wurden zerstört.
Massenevakuierungen vor Bordeaux
Seit Mittwoch mussten in der Gironde bereits knapp 220.000 Menschen ihre Häuser verlassen, wie die Präfektur in der Nacht zu Sonntag mitteilte. Die Flammen bedrohen weiterhin die Randgebiete von Bordeaux.
Gegen Mitternacht ordnete Präfektin Sophie Brocas die Evakuierung von fünf Gemeinden im Umland von Bordeaux an – Marcheprime, Le Barp, Biganos, Mios und Cestas. Betroffen sind mehr als 50.000 Einwohner.
In Biscarrosse im Département Landes ist das Feuer laut Präfektur „besser eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle“. Dort durften 3.000 Menschen in gesicherte Bereiche zurück in ihre Wohnungen.
Wegen der raschen Ausbreitung des Feuers, angefacht durch starke Winde, sperrten die Behörden 60 Kilometer der Autobahn A63 zwischen Bordeaux und der spanischen Grenze für den Verkehr.
Die Staatsbahn SNCF stellte zudem den Zugverkehr südlich von Bordeaux ein.
„Die nächsten Stunden können schwierig werden“
Am Samstagabend, nach der zweiten Sitzung des interministeriellen Krisenstabs binnen 24 Stunden, erklärte Premierminister Sébastien Lecornu, „nach einer leichten Verbesserung in der Nacht und am Morgen“ seien die Prognosen für die Gironde „wieder ungünstig“.
„Die nächsten Stunden können schwierig werden“, warnte der Premierminister in einer längeren Botschaft auf X.
Nach seinen Angaben sind in der Gironde und im benachbarten Département Landes 1.400 Feuerwehrleute, 1.500 Soldaten und 1.700 Angehörige der inneren Sicherheitskräfte im Einsatz.
„Wir werden weiterhin alle notwendigen Mittel einsetzen und unseren Einsatz stündlich anpassen, solange es die Lage erfordert“, versicherte Lecornu.
„Eine Weltpremiere“
Lecornu hob außerdem die Rolle der Streitkräfte beim Kampf gegen die Flammen im Südwesten hervor und veröffentlichte in einer weiteren Nachricht Bilder des ersten Abwurfs von Löschmittel aus dem Laderaum eines Militärtransporters vom Typ A400M, der zu einem riesigen Canadair umgebaut wurde.
Der Einsatz dieses Flugzeugs wurde vorgezogen. Eigentlich war er erst für Ende des Monats geplant, nach einer technischen Vorbereitung und Testphase. Der erste Einsatz fand nun am Samstagnachmittag über Lacanau statt. „Eine Weltpremiere, möglich geworden in nur 15 Tagen dank des vorbildlichen Einsatzes des Zivilschutzes, der Streitkräfte und von Airbus“, erklärte der Premierminister.
„Ein geeintes Volk“
Staatspräsident Emmanuel Macron setzte in seiner Ansprache einen anderen Akzent und betonte den nationalen Zusammenhalt: „In diesen Stunden, in denen die Flammen unser Land hart treffen, zeigt Frankreich, was es ist: ein geeintes Volk, das zusammenhält“, erklärte er.
Auf X dankte der Präsident den Partnerländern, die Hilfe zugesagt haben, nachdem Paris den europäischen Katastrophenschutzmechanismus ausgelöst hatte: „Danke an Rumänien, Kroatien, Deutschland, Portugal, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und die Slowakei für ihre wertvolle Unterstützung“.
„Das ist Europa. In der Bewährungsprobe lebt sie die Solidarität, auf der sie beruht“, fügte Emmanuel Macron hinzu.
Auch Außenminister Jean-Noël Barrot dankte den europäischen Ländern, „die sich an unserer Seite mobilisieren“. Nach seinen Worten „stärken diese Katastrophen nur die Überzeugung Frankreichs, dass der Kampf gegen die Erderwärmung eine Priorität ist“.
„Dazu gehören ehrgeizige internationale Abkommen, die weltweite Übergänge einfordern und deren vollständige Einhaltung durch die internationale Gemeinschaft“, betonte Barrot.
2,5 Millionen FFP2-Masken für Bordeaux
Bislang gibt es keine zivilen Todesopfer. Die Brände belasten die betroffenen Bevölkerung aber weiterhin, vor allem wegen der giftigen Rauchgase. Gesundheitsministerin Stéphanie Rist kündigte an, dass in Bordeaux ab Samstagabend 2,5 Millionen FFP2-Masken bereitstehen werden.
Die wirtschaftlichen Schäden des Brandes lassen sich noch nicht beziffern. Am Montag will der Premierminister Vertreter der Tourismus- und Energiewirtschaft treffen, um „die Folgen der Brände zu bewerten und die betroffenen Regionen zu unterstützen“.