Loader
Finden Sie uns
Werbung

Dürre in Europa zeigt Schwächen fossiler Energie: Polen schaltet Kohlekraftwerke ab

Kraftwerk Kozienice
Kraftwerk Kozienice Copyright  Unfortunately Named, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Copyright Unfortunately Named, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Polen drosselt die Stromproduktion in Kohlekraftwerken, weil die Weichsel ungewöhnlich wenig Wasser führt und Kühlung kaum noch möglich ist.

Nach der Dürre in Europa, die Polens Kohleindustrie schwer getroffen hat, fordern Fachleute das Land auf, deutlich stärker auf saubere Energien zu setzen.

WERBUNG
WERBUNG

Am Wochenanfang, am vierten August, musste der Energieversorger Enea die Stromproduktion in den Kohlekraftwerken Kozienice und Połaniec drosseln, nachdem kritisch niedrige Wasserstände in der Weichsel die Kühlwasserversorgung einschränkten.

Durch die Maßnahme verschwanden nach Angaben des Unternehmens 1,3 GW aus dem polnischen Stromsystem – genug, um mehr als eine Million Durchschnittshaushalte zu versorgen. Das entspricht rund zwei Prozent der aktuellen Erzeugungskapazität des Landes.

Der Durchfluss der Weichsel in der Nähe des Kraftwerks Kozienice sank am fünften August auf nur 135 Kubikmeter pro Sekunde – ein deutliches Zeichen der extremen Trockenheit.

Das Kühlsystem des Kraftwerks entnimmt dem Fluss rund 80 bis 100 m³ Wasser pro Sekunde. Unter diesen Bedingungen ist das mehr als die Hälfte des verbliebenen Durchflusses.

Obwohl immer mehr Belege vorliegen, dass das Kraftwerk Millionen Fischlarven tötet – darunter aus sechs geschützten Arten –, hält Enea an den Plänen fest, am Standort Kozienice zusätzlich ein fast 1,3 GW starkes Gaskraftwerk zu bauen. Fachleute warnen, dass dies den Druck auf das Ökosystem der Weichsel weiter erhöht, weil der Bedarf an Kühlwasser dauerhaft hoch bleibt.

Klimakrise: Verursacher werden zu Opfern

„Das ist das Paradox der Klimakrise: Kraftwerke, die die Erderwärmung vorantreiben, werden immer öfter selbst zu ihren Opfern“, sagt Paweł Pomian, Vizepräsident der polnischen Umweltorganisation EKO-UNIA.

„Wenn die Weichsel austrocknet, verliert ein Energiesystem, das auf große Wärmekraftwerke setzt, seine Widerstandskraft. Kozienice ist kein Einzelfall. In ganz Polen stehen zahlreiche Anlagen mit ähnlichen Kühlsystemen, und es werden noch mehr, falls die Regierung weiter auf fossiles Gas setzt.“

Pomian sieht in der jüngsten Dürre in Europa einen „Weckruf“ für Polen und den gesamten Kontinent, schneller auf Technologien wie Solar- und Windenergie umzusteigen. Diese brauchen für die Stromproduktion besonders wenig Wasser.

Energiewende in Polen: Weg von der Kohle

Polen verzeichnet zwar eines der schnellsten Wachstumstempo bei der Solarenergie in Europa und hat zwischen 2020 und 2025 mehr als 20 GW neue Solarkapazität installiert. Dennoch liegt der gemeinsame Anteil von Wind- und Solarstrom noch immer fünf Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt.

Nach Daten des Thinktanks Ember deckt Polen mehr als die Hälfte seines Strombedarfs mit Kohle, konkret 51 Prozent. Wind- und Solarenergie kommen zusammen nur auf 25 Prozent.

Bis 2030 strebt die Regierung an, 51 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und die Ökokapazität auf 64 GW auszubauen. Doch die Abhängigkeit von der Kohle erweist sich als hartnäckig.

„Kohlekraftwerke zahlen jetzt den Preis für die Probleme, die sie verursacht haben“, sagt Kasia Szeniawska, Aktivistin bei Beyond Fossil Fuels.

„Mit immer heftigeren Hitzewellen und Dürren werden die Schwächen eines auf fossilen Brennstoffen basierenden Energiesystems sichtbar. Die meisten EU-Staaten reduzieren ihren Kohleeinsatz. Polen verpasst nicht nur einen rechtzeitigen Ausstieg, sondern plant zusätzlich neue Gaskraftwerke, die die Umweltprobleme weiter verschärfen werden.“

Europas Dürre trifft Ökostrom

Der heiße, trockene Sommer in Europa trifft auch die Branche der erneuerbaren Energien. Klimaforschende betonen, ein solches Extrem wäre ohne das Verbrennen fossiler Brennstoffe „praktisch unmöglich“.

Nach Angaben des Energieinformationsdienstes Montel (Quelle auf Englisch) lagen die Zuflüsse in Speicherseen und Laufwasserkraftwerke in Österreich und der Schweiz im Juli fast 50 Prozent unter dem Durchschnitt.

Montel zufolge erreichte die gesamte Wasserkraftproduktion Österreichs im Juli wegen des geringen Regens nur 51 Prozent des üblichen Niveaus, gemessen am Durchschnitt der letzten 15 Jahre. In der Schweiz lag die Erzeugung bei 48 Prozent, auch Deutschland (63 Prozent) und Frankreich (68 Prozent) verzeichneten deutliche Einbußen.

Große Einbrüche bei der Wasserkraft können Staaten dazu zwingen, wieder stärker auf klimaschädliche Quellen wie Kohle zu setzen. Häufig gleichen Solar- und Windstrom den Rückgang der Produktion jedoch teilweise aus.

So führten laut Ember die Wetterbedingungen im vergangenen Jahr zu einem Rückgang der jährlichen Wasserkrafterzeugung um zwölf Prozent. In der Folge stieg die Gasstromproduktion in der EU im Vergleich zu 2024 um acht Prozent.

Gleichzeitig sorgten die gleichen Wetterlagen – sie ließen auch die Windstromproduktion um zwei Prozent sinken – für einen kräftigen Schub bei der Solarenergie.

Damit erzeugten Solaranlagen im Jahr 2025 so viel Strom in der EU wie noch nie zuvor und legten um mehr als 20 Prozent zu. Das zeigt, wie wichtig ein breit aufgestellter Mix aus erneuerbaren Energien in Zeiten klimabedingter Extremwetter ist.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

El Niño droht Ozeanhitze zu entfesseln und 2026 zum Rekordjahr zu machen

Elektro-Kurzstreckenflüge werden in Europa in unter vier Jahren Realität

Unterschätztes Werkzeug: regenerative Bauern schützen Spaniens Land vor Bränden