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Erdbeben in Kolumbien: Frau nach zwei Tagen lebend aus Trümmern gerettet

Bewohner und Rettungskräfte wühlen nach einem Erdbeben in Cali, Kolumbien, am zehnten August 2026 in den Trümmern.
Bewohner und Rettungskräfte durchsuchen Trümmer, nachdem ein Erdbeben am Montag, dem zehnten August 2026, Cali in Kolumbien erschüttert hat. Copyright  2026 The Associated Press. All rights reserved
Copyright  2026 The Associated Press. All rights reserved
Von Gael Camba
Zuerst veröffentlicht am
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Rettungskräfte suchen in den Trümmern nach Überlebenden, Freiwillige helfen dabei, den Schutt zu beseitigen. Menschen bringen Wasser und Lebensmittel in die betroffenen Gebiete und stehen vor Blutspendezentren Schlange.

In Kolumbien haben Rettungskräfte am Dienstag eine 32-jährige Frau lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes geborgen. Umstehende reagierten mit Jubel und Applaus. Gleichzeitig suchten die Einsatzkräfte weiter nach Überlebenden des schwersten Erdbebens, das das Land seit rund 100 Jahren getroffen hat.

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Daniela Largo wurde in eine blaue Decke gehüllt aus den Trümmern getragen. Rettungskräfte umarmten sie, Angehörige reagierten erleichtert und voller Freude. Soldaten, Feuerwehrleute und Freiwillige durchsuchten weiterhin eingestürzte Gebäude im Westen Kolumbiens.

Am Montag hatte ein Erdbeben der Stärke 7,4 die Region erschüttert. Die Behörden korrigierten die Zahl der Todesopfer inzwischen auf 216 nach unten. Zuvor hatte die Stadtverwaltung von Cali frühere Angaben überprüft und angepasst. "Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, dann kam der Anruf", sagte ihre Mutter Sandra Milena Perez in Pereira.

Perez berichtete, ein Anwohner habe Hilferufe unter den Trümmern gehört. Er und Nachbarn begannen, Schutt wegzuräumen, noch bevor professionelle Retter eintrafen.

"Dank ihm sind wir heute glücklich", sagte sie. "Zu Hause wartet ihr zwölfjähriger Sohn auf sie."

Rettungskräfte ziehen die Überlebende Daniela Largo einen Tag nach dem Erdbeben in Pereira, Kolumbien, am Dienstag, 11. August 2026, aus den Trümmern.
Rettungskräfte ziehen die Überlebende Daniela Largo einen Tag nach dem Erdbeben in Pereira, Kolumbien, am Dienstag, 11. August 2026, aus den Trümmern. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Funke der Solidarität

In Pereira und Cali setzten die Rettungskräfte Kräne, Spürhunde und schweres Gerät ein, um die Trümmer eingestürzter Gebäude zu durchsuchen. Freiwillige bildeten Menschenketten und räumten Schutt mit bloßen Händen beiseite – in der Hoffnung, noch Verschüttete zu finden. Als es dunkel wurde, verbrachten viele Familien die Nacht in Parks.

Immer wieder erschütterten Nachbeben die betroffenen Viertel. In einigen Gebieten waren ganze Häuserblocks zerstört. Das Erdbeben brachte auch Teile des Gesundheitssystems an ihre Belastungsgrenze. Der Rettungseinsatz ist einer der größten Katastropheneinsätze in Kolumbien seit Jahren.

"Das Haus ist über uns zusammengestürzt. Ich konnte nicht mehr raus", sagte Beatriz Arcos. Sie war gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Mutter unter den Trümmern ihres Hauses eingeschlossen.

Ein Helfer setzt einen Scanner ein, um einen Tag nach dem Erdbeben in Cali, Kolumbien, am Dienstag, 11. August 2026, in den Trümmern nach Überlebenden zu suchen.
Ein Helfer setzt einen Scanner ein, um einen Tag nach dem Erdbeben in Cali, Kolumbien, am Dienstag, 11. August 2026, in den Trümmern nach Überlebenden zu suchen. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

"Es hat etwa eine Stunde gedauert, bis sie uns befreien konnten", sagte Arcos. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, nachdem ein Betonblock auf ihren Rücken gefallen war. Auch ihr Mann und ihre Mutter wurden verletzt. In Cali halfen Anwohner den Rettungskräften dabei, die Trümmer zu beseitigen.

Mit Spitzhacken und Schaufeln, teilweise aber auch mit bloßen Händen, suchten sie gemeinsam mit der Feuerwehr nach Verschütteten. Immer wieder unterbrachen die Helfer ihre Arbeit, riefen in die Trümmer und warteten auf ein Lebenszeichen. "Wir machen das mit unseren Händen, mit Handschuhen", sagte der freiwillige Helfer Pablo Cesar Ruiz. "Es ist traurig zu sehen, wie uns die Zeit davonläuft."

In Pereira suchten auch Soldaten mit Spürhunden zwischen zerbrochenen Betonplatten und freiliegenden Stahlträgern nach Überlebenden.

Verzweifelte Suche

Für viele Familien wurde die Suche nach ihren Angehörigen zu einem langen Warten an den Trümmern. "Meine Tante hat dort gewohnt. Sie liegt unter den Trümmern", sagte Jorge Gonzalez vor einem eingestürzten Gebäude in Pereira. "Ich bin gestern angekommen und seitdem nicht mehr weggegangen. Und ich werde hierbleiben, bis sie ihren Körper gefunden haben."

Während einige Familien weiter auf Nachrichten über ihre vermissten Angehörigen warteten, standen andere vor den Überresten ihrer Häuser und versuchten zu begreifen, dass sie ihren Besitz und ihre Lebensgrundlage verloren hatten. "Wir haben alles verloren", sagte Stella Galvis unter Tränen. Sie konnte sich noch rechtzeitig aus ihrem einstürzenden Haus retten. "Es ist ein Wunder, dass wir noch leben. Ich konnte meinen kleinen Sohn noch herausholen, und auch mein Partner hat es geschafft."

Rettungskräfte räumen Trümmer einen Tag nach dem Erdbeben in Pereira, Kolumbien, am Dienstag, 11. August 2026.
Rettungskräfte räumen Trümmer einen Tag nach dem Erdbeben in Pereira, Kolumbien, am Dienstag, 11. August 2026. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Aus der Luft war das Ausmaß der Zerstörung in Cali deutlich zu erkennen. In einigen Vierteln waren ganze Häuserreihen und Wohnblocks eingestürzt. Zurück blieben große Trümmerfelder. Autos lagen unter Mauern und Betonplatten begraben. Viele Überlebende verbrachten die Nacht im Freien – entweder weil ihre Häuser beschädigt waren oder aus Angst vor weiteren Nachbeben.

In Pereira wurde ein Park zu einer provisorischen Unterkunft. Familien schliefen dort in Zelten und auf Matratzen. "Wir haben alles verloren, aber wir leben", sagte der 23-jährige John Tabasco, der dort gemeinsam mit seiner Frau und seinem sieben Monate alten Sohn untergekommen war. "Wir waren noch nie in einer Situation, in der wir auf die Hilfe anderer angewiesen waren. Es ist unglaublich, wie schnell sich das Leben verändern kann."

Zerstörte Häuser

Andere versuchten zu begreifen, dass sie innerhalb kürzester Zeit das verloren hatten, was sie sich über Jahrzehnte aufgebaut hatten. "Man arbeitet so hart für ein kleines Haus, kämpft 40 oder 50 Jahre dafür, bis man es endlich hat – und dann ist plötzlich alles weg", sagte der 79-jährige Jaime Alzate. In Cali stürzte während des Erdbebens ein Teil des Hospital Universitario del Valle ein. Ärzte brachten Patienten ins Freie und behandelten einige von ihnen auf dem Parkplatz weiter.

Die Kuppel der Kathedrale von Manizales ist teilweise eingestürzt, nachdem am Montag, 10. August 2026, ein Erdbeben Manizales, Kolumbien, erschüttert hat.
Die Kuppel der Kathedrale von Manizales ist teilweise eingestürzt, nachdem am Montag, 10. August 2026, ein Erdbeben Manizales, Kolumbien, erschüttert hat. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Trotz der schweren Zerstörungen war die Hilfsbereitschaft groß. Tausende Menschen brachten Wasser, Lebensmittel und andere Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete. Vor Blutspendezentren bildeten sich lange Schlangen. "Es geht darum, seiner Gemeinde, seiner Stadt und seinem Land helfen zu wollen", sagte der Blutspender Ferney Cabrera.

Präsident Abelardo de la Espriella rief den Notstand aus. Bei einem Besuch in Pereira kündigte er am Dienstag zudem Mietzuschüsse für Familien an, die durch das Erdbeben ihr Zuhause verloren haben. Die USA sagten Nothilfe in Höhe von 15,5 Millionen Dollar, umgerechnet rund 13,4 Millionen Euro, zu. Auch aus anderen Ländern kamen Hilfsangebote und Solidaritätsbekundungen.

Während weitere Nachbeben die betroffenen Städte erschütterten, suchten die Rettungsteams weiter in den Trümmern nach Überlebenden. Immer wieder hielten sie inne und hofften auf Stimmen, Klopfzeichen oder Pfiffe.

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