In zwei Jahren soll Windstrom nach Süden und Solarstrom nach Norden verteilt über die 700km lange Leitung SuedLink transportiert werden. Mit der Elbunterquerung wird ein weiterer entscheidender Abschnitt der unterirdischen Hochspannungsleitung bewältigt.
Während in der Elbe das Wasser vom Riesengebirge bis zur Nordsee fließt, verläuft direkt darunter bei Hamburg nun eine neue Trasse für Strom. Der Tunnel zur Unterquerung der Elbe für die neue Stromtrasse SuedLink ist durchbrochen.
Entstehen soll eine hunderte Kilometer lange "Stromautobahn", deren Herzstück, eine etwa fünf Kilometer lange Leitung in der Nähe von Hamburg, unter der Elbe entlang führt. Von der nördlichen Elbseite in Wewelsfleth, Schleswig-Holstein, gibt es nun eine Verbindung nach Wischhafen in Niedersachsen.
Die Tunnelbohrmaschine hat den Zielschacht in Wischhafen in Niedersachsen erreicht, teilten die Betreiber TenneT und Transnet BW mit. Zum "symbolischen Durchschlag" am Monat haben sich Ministerpräsident aus Schlweswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), sowie Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) angekündigt.
SuedLink sei "ein Kernstück für das klimaneutrale Deutschland", sagte Meyer bei der Fertigstellung eines anderen Erdkabelabschnitts Anfang Juli, "für Windstrom nach Süden oder Solarstrom in den Norden". Dabei gelte für ihn das Motto: "Je schneller wir ihn bauen, desto mehr sparen wir."
Strombedarf wird künftig steigen
Die Energie von Windrädern in Schleswig-Holstein soll also, nach Fertigstellung im Jahr 2028, auch etwa 700 Kilometer weiter im Süden Deutschlands verwendbar sein. Die Stromtrasse führt dann durch Hessen und Thüringen bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Dabei befinden sich die Leitungen bis zu 40 Meter unter der Erde in einem Tunnel mit einem Durchmesser von etwa vier Metern.
Das Projekt ist oberirdisch kaum sichtbar, die Leitungen sind komplett unterirdisch geplant.
Das 10-Milliarden-Euro schwere Projekt soll die Energiewende vorantreiben. Auch eine Beförderung von Strom in die andere Richtung ist angedacht: So könnte etwa Strom aus Photovoltaik-Analgen in Süddeutschland in den Norden transportiert werden.
Der Grund: Der Strombedarf in Deutschland wird voraussichtlich künftig steigen. Das Bundeswirtschaftsministerium kommt in seinem aktuellen Monitoring der Energiewende zu dem Ergebnis, dass sich der deutsche Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 600 bis 700 Terawattstunden erhöhen dürfte. Treiber sind unter anderem Elektroautos, Wärmepumpen, die Elektrifizierung der Industrie und der wachsende Strombedarf von Rechenzentren.
Für 2037 rechnet die Bundesnetzagentur sogar mit bis zu einer Billion Kilowattstunden Stromverbrauch.
Die Leitung SuedLink kann dem Betreiber Transnet BW zufolge bis zu vier Gigawatt übertragen. Genug Leistung, um rechnerisch rund zehn Millionen Haushalte gleichzeitig mit Strom zu versorgen. Transnet BW vergleicht das mit der Leistung von vier Kernkraftwerken.
Einige Bürgerinitiativen und Kritiker bezweifeln, dass SuedLink, die Stromtrasse quer durch Deutschland, in der geplanten Dimension notwendig, beziehungsweise wirtschaftlich sinnvoll ist: Sie argumentieren unter anderem, Deutschland könne stärker auf dezentrale Stromerzeugung und regionale Speicher setzen. SuedLink ist inzwischen jedoch bereits Bestandteil des von der Bundesnetzagentur bestätigten Netzausbaus.
Unterirdische Hochspannungsleitungen
Über den SuedLink soll in erster Linie Windstrom verteilt werden. Dabei handelt es sich um eine Hochspannungsgleichstromübertragung, eine sogenannte HGÜ-Leitung. Mit dieser Technik kann Strom über lange Distanzen transportiert werden. Im Vergleich mit Wechselstromleitungen entsteht dabei weniger Verlust.
Dabei beträgt die Spannung im SuedLink 524 Kilovolt. Das ist mehr als das 2.000-Fache der Spannung, die aus einer normalen Steckdose kommt. Relativ unscheinbar wirken im Vergleich dazu die vier Haupt-Erdkabel mit jeweils 15 Zentimetern Durchmesser. Im Tunnel gibt es insgesamt sechs Kabel, um bei Störfällen schneller auf Ersatzkabel umstellen zu können.
Der Bau der Elbquerung gilt als ein weiterer Meilenstein im Bauprojekt des SuedLink.
Immer wieder werden Streckenabschnitte fertiggestellt, die alle zusammen die Länge von mehreren Hundert Kilometern ergeben. Ende 2028 soll die neue Stromautobahn durch Deutschland ans Netz gehen – sechs Jahre später als ursprünglich geplant. 2023 hatten die beiden Netzbetreiber Tennet und Transnet BW mit dem Bau begonnen.