Der berühmte Storch Krutek (deutsch "Kurzer") aus Krutyń (deutsch Kruttinnen) ist am sechzehnten August erneut zu seinem Herbstzug nach Süden gestartet. Wie im Vorjahr lässt sich seine Reise nach Afrika per GPS-Sender genau verfolgen.
Als Küken fiel er aus dem Nest. Anwohner und Mitarbeitende des Masurischen Landschaftsparks retteten ihn. Später kam er wieder in die Freiheit. Seitdem verfolgen dank eines GPS-Senders Tausende Menschen seine Reisen. Am 16. August ist er zu seiner nächsten Tour gestartet.
An diesem Morgen (18.08.) meldete der GPS-Sender erneut die Position von Krutek. Der Storch befand sich da bereits rund 70 Kilometer östlich von Lwiw, in der Gegend von Zlotschiw in der Ukraine.
Erst Familie, dann Afrika
Die Saison in diesem Jahr war für Krutek etwas Besonderes. Der bekannte Storch ist zum ersten Mal Vater geworden. In seinem Nest schlüpften fünf Küken. Eines überlebte leider nicht. Vier Jungtiere wuchsen unter den wachsamen Augen der Eltern heran und begannen im Juli mit den ersten Flugversuchen.
Die Jungen wurden flügge, im Nest wurde es eng. Offenbar fanden die Eltern, dass es Zeit für mehr Platz war.
Krutek und seine Partnerin begannen deshalb mit einem neuen Nest. Es liegt einige Dutzend Meter vom alten entfernt.
Seine Familienpflichten vernachlässigte Krutek trotzdem nicht. Er kümmerte sich weiter um die Jungen und brachte ihnen Futter. Die Jungstörche trainierten in dieser Zeit eifrig das Fliegen.
Jetzt Kurs nach Süden
Am 16. August ist Krutek zu seiner nächsten Reise aufgebrochen. Ornithologinnen und Ornithologen wissen noch nicht, ob er diesmal genau dieselbe Route wählt wie bei seinen früheren Wanderungen. Gerade deshalb ist seine GPS-Spur jetzt besonders spannend.
Der Sender zeigt, wo der Vogel Pausen einlegt, wie schnell er die einzelnen Etappen fliegt und ob er seine bewährten Rastplätze erneut nutzt. In den vergangenen Jahren führte seine Route unter anderem am Bosporus vorbei, überwintert hat er in Ägypten. Insgesamt liegen für Krutek rund 5 000 Kilometer vor ihm.
Im Frühjahr sorgt er für Schlagzeilen
Krutek hat in diesem Jahr schon eine lange Reise hinter sich. Im Februar kehrte er aus Afrika nach Polen zurück, doch die Rückkehr verlief nicht reibungslos. Vorbeikommende Passanten fanden den erschöpften Vogel an einer Straße bei Jedwabno. Sie halfen ihm. Danach nahmen ihn Ranger in Obhut und brachten ihn in die Storchenschutzstation in Krutyń. Das letzte Stück zurück ins angestammte Nest legte er … im Auto zurück.
Später erholte er sich vollständig, kümmerte sich wieder um das Nest und startete in die bislang familienreichste Saison seines Lebens.
Ein Storch mit eigener Fangemeinde
Kein Wunder, dass Krutek inzwischen als Vogelstar gilt. Seine Ankunft in Polen zählt zu den ersten Vorboten des Frühlings.
Heute lässt sich sagen: Krutek hat etwas, um das ihn viele Reisende beneiden könnten – ein eigenes Publikum, das jedes Jahr nachschaut, wo er gerade unterwegs ist.
Diesmal lautet die Antwort: unterwegs.
Fachleute wünschen ihm Rückenwind, gute Thermik und eine sichere Reise. Und wir können nur davon ausgehen, dass der Storch genau weiß, was er tut. Schließlich bringt er mehr Reiseerfahrung mit als mancher Urlauber am Steuer.
Krutek, gute Reise. Bis zum Frühjahr in den Masuren.