Starkregen hat in Conakry in Guinea einen Erdrutsch ausgelöst. Eine Katastrophe im Viertel der Müllhalde war in den Tagen zuvor befürchtet worden.
Ein Erdrutsch auf einer Mülldeponie in Guinea hat am frühen Sonntagmorgen mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 20 weitere verletzt. Zuvor hatten starke Regenfälle einen Berg von Abfällen zum Einsturz gebracht, wie Regierungsvertreter berichten.
Der Erdrutsch begrub nahe gelegene Zelte und Hütten unter sich und zerstörte mehrere Wohnhäuser. Rettungskräfte durchsuchten auch mit Baggern den Schutt der eingestürzten Deponie.
Mindestens sechs weitere Menschen erlitten schwere Verletzungen.
„Wir haben umfangreiche materielle und personelle Mittel mobilisiert, um nach möglicherweise noch verschütteten Menschen zu suchen, die Überlebenden zu retten und die Leichen zu bergen“, hieß es in einer Erklärung der Regierung.
„Wir haben die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die medizinische Versorgung der Verletzten sicherzustellen und den von der Tragödie Betroffenen zu helfen“.
Mülldeponie sollte gerade geschlossen werden
Der starke Regen hatte am frühen Sonntagmorgen begonnen und prasselte auf den Müll der Deponie Dar Es Salam, der größten offenen Müllkippe Conakrys am Rand der Hauptstadt.
In Guinea leben geschätzt ungefähr 15 Millionen Menschen, davon etwa 3,5 Millionen in Conakry.
Nachdem ein Teil der Mülldeponie auf Zelte und Hütten gestürzt war, versuchten andere Anwohner, den Verschütteten zu helfen - und wurden dann von einem zweiten Erdrutsch überrascht.
Die Schließung der Deponie in einem Vorort im Norden von Conakry war erst vor Kurzem angekündigt worden. Sie sollte ausgerechnet an jenem Sonntag erfolgen, an dem sich der Erdrutsch ereignete.
Bereits Tage vor dem Unglück hatte die Regierung die Anwohner rund um die Müllkippe aus Angst vor einem Einsturz zur Räumung aufgefordert. Viele mussten wegziehen, doch nach Angaben der lokalen Behörden hielten sich zum Zeitpunkt der Katastrophe noch zahlreiche Menschen dort auf.
„Wir werden dafür sorgen, dass die verbliebenen Familien an einen anderen Ort umgesiedelt werden“, sagte Dienabou Touré, die Ministerin für territoriale Verwaltung und Dezentralisierung, am Unglücksort.
Ein Bewohner des Viertels Dar Es Salam schilderte der Nachrichtenagentur AFP, welche Anstrengungen die Menschen vor Ort in der Vergangenheit unternommen hatten, um eine solche Tragödie zu verhindern.
„Wir haben Sitzproteste organisiert, wir haben Verantwortliche aus den zuständigen Behörden eingeladen, aber sie haben das nicht ernst genommen. Deshalb mache ich heute nach diesem Erdrutsch den Staat verantwortlich, weil er nicht die nötigen Schritte unternommen hat, um die Deponie zu schließen. Dabei hatte man uns das vor einem Jahr zugesagt“, sagte der Aktivist Abou Hamza.
Guinea ist reich an Bodenschätzen und besitzt die weltweit größten Vorkommen an Bauxit, einem Gestein, das die wichtigste Quelle für Aluminium ist. Das Land verfügt außerdem über Eisenerz, Gold, Diamanten und andere Mineralien.
Dennoch leben laut Weltbank 43,7 Prozent der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Rund 3,7 Millionen der insgesamt etwa 15 Millionen Einwohner müssen mit weniger als 4,20 US-Dollar (3,60 Euro) pro Tag auskommen.