Panos Giannopoulos vom griechischen Wetterdienst analysiert seit Jahren Satellitenbilder. Gegenüber „Euronews“ erklärt der Meteorologe, was der neue Meteosat aus Französisch-Guayana verbessert.
Am 28. August ist der Satellit MTG-I2 (Meteosat Third Generation Imager-2) vom Europäischen Weltraumbahnhof in Kourou an Bord einer Ariane-6-Rakete gestartet, es war der neunte Einsatz des Trägers und sein erster Flug in eine geostationäre Transferbahn. Mit diesem Start vervollständigen ESA und Eumetsat das erste einsatzbereite Trio der Meteosat-Konstellation der dritten Generation. Diese befindet sich in 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator und überwacht dauerhaft das Wetter in Europa, im Mittelmeerraum und in Nordafrika.
Um zu verstehen, was sich durch diesen Satelliten wirklich ändert, haben wir mit jemandem gesprochen, der seit Jahrzehnten Satellitenbilder in seinem Berufsalltag auswertet: Panos Giannopoulos, Meteorologe beim Griechischen Nationalen Wetterdienst (HNMS) und Wettermoderator bei SKAI Media Group.
„Als ich vor 25 Jahren anfing zu arbeiten, bekamen wir nur alle 30 Minuten ein Bild, mit drei Kanälen. Das war die erste Meteosat-Generation, die vor zwei Jahrzehnten gestartet wurde“, erinnert er sich. Die zweite Generation brachte, erklärt er, einen klaren Sprung: zwölf Kanäle und Bilder alle zehn Minuten, über Europa sogar alle fünf Minuten. Die Daten erlaubten es zudem, Kanäle zu kombinieren, um Nebel, Staub und Vulkanasche zu erkennen und die Entwicklung von Gewittern von ihrer Entstehung bis zu ihrem Ende zu verfolgen.
Mit der dritten Generation, zu der MTG-I2 gehört, fällt der Sprung noch größer aus. Der neue Satellit scannt den oberen Quadranten der Erde, mit Schwerpunkt auf Europa, alle zweieinhalb Minuten. „Das hat es weltweit noch nie gegeben, nicht einmal in den USA“, sagt Giannopoulos. Dieser Sprung könnte die menschlichen Auswertungskapazitäten überfordern: „Ich weiß nicht, ob wir Meteorologinnen und Meteorologen diese Informationsflut allein ausschöpfen können, aber mit Hilfe von künstlicher Intelligenz können diese Bilder im Abstand von zweieinhalb Minuten die Vorhersage auf sehr kurze Frist deutlich verbessern.“
Diese neue Satellitengeneration verfügt außerdem über einen Blitzdetektor, etwas, das Meteosat bisher nie hatte. Er kann in einem sehr schmalen Spektralband 1.000 Messungen pro Sekunde erfassen. Und MTG-I2 kommt nicht allein: Bereits im All arbeitet der MTG-S, der zweite Satellit der Reihe, der 2025 gestartet wurde und Feuchte- und Temperaturprofile in der Atmosphäre misst. „Bislang waren wir vor allem auf Radiosonden angewiesen, die alle zwölf Stunden von einer begrenzten Zahl an Standorten aus aufsteigen. Der neue Satellit liefert erst seit weniger als einem Jahr Daten, und diese fließen bereits in die globalen Vorhersagemodelle ein“, sagt der Meteorologe.
Der MTG-I2 benötigt nun noch rund sechs Monate, bis die Inbetriebnahme abgeschlossen ist. Danach wird er gemeinsam mit seinen beiden Schwestersatelliten integriert und kalibriert. Voraussichtlich ab April 2027 arbeiten alle drei dann als ein einziges System. Für Giannopoulos ist das Fazit eindeutig: „Diese dritte Meteosat-Generation wird sowohl die Vorhersage auf sehr kurze Frist – die nächsten zwei oder drei Stunden – als auch den üblichen Zeitraum von einem bis zehn Tagen verbessern.“