Die Einfuhren kleiner Pakete aus China sind seit Juli bereits um bis zu 40 Prozent zurückgegangen, seit die separate EU-Abgabe von 3 Euro gilt.
Frankreich zieht die Schrauben bei Ultrafast-Fashion an. Eine neue Abgabe kann künftig fast 20 Euro pro Kleidungsstück betragen.
Die Abgabe tritt am 1. September in Kraft und richtet sich gegen große E-Commerce-Plattformen wie Shein.
Im Juni verabschiedete das französische Parlament ein Gesetz, das Unternehmen regulieren soll, die große Mengen minderwertiger Kleidung zu Tiefstpreisen verkaufen.
Die Regelung ist Teil eines Versuchs, asiatische E-Commerce-Giganten wie Shein, Temu und AliExpress zu bremsen. Diese Anbieter sind in Frankreich in den vergangenen Jahren rasant gewachsen.
„Die schädlichen Folgen von Ultrafast-Fashion für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft sind bekannt und gut dokumentiert“, sagte Umweltminister Mathieu Lefevre am Freitag (28. August), als die Einzelheiten der Maßnahme veröffentlicht wurden.
Frankreichs Ultrafast-Fashion-Abgabe: Wie sie berechnet wird
Das Gesetz definiert Ultrafast-Fashion nach zwei Kriterien: der Menge der in Verkehr gebrachten Kleidung und den Kosten für Reparaturen von Kleidung im Verhältnis zum Kaufpreis.
Die Abgabe pro Stück folgt einer Skala. Sie hängt davon ab, wie ein Produkt bei beiden Kriterien abschneidet.
Im Jahr 2026 sollen Unternehmen Abgaben wie eine Gebühr von fünfzig Cent auf Unterwäsche zahlen, die in die Ultrafast-Fashion-Kategorie fällt. Für T-Shirts sind zwei Euro vorgesehen, für Jeans neun Euro und für eine Jacke zwölf Euro.
Bis 2030 kann die Abgabe auf bis zu 19,50 Euro pro Stück steigen. Die Obergrenze liegt jedoch bei 50 Prozent des Nettopreises.
Nach Angaben von Lefevres Büro entsteht derzeit ein Instrument, das Daten unabhängig erheben soll und sich nicht nur auf Angaben der Unternehmen stützt.
Shein – das am Montag beim lange erwarteten Börsengang in Hongkong mit 26,3 Milliarden Dollar (22,7 Milliarden Euro) bewertet wurde – lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AFP ab.
Temu und AliExpress reagierten zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Wer zahlt die Abgabe: Werden europäische Händler ausgenommen?
Die Maßnahme stößt auf Kritik, weil der Kreis der betroffenen Händler umstritten ist.
Im Juli teilte Lefevres Büro mit, die Abgabe solle nicht für Händler wie H&M oder Zara gelten. Kritiker sehen darin eine Schonung europäischer und französischer Unternehmen.
Vertreter der französischen Regierung betonen immer wieder, dass sie Shein, Temu und AliExpress als Haupttreiber des Booms von Ultrafast-Fashion sehen.
Die EU-Kommission stellte zudem infrage, ob das Gesetz mit EU-Recht vereinbar ist. Lefevres Büro erklärte jedoch, diese Bedenken seien „ausgeräumt“, und mit einer Blockade der Maßnahme werde nicht gerechnet.
China warnte im Juli zugleich vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen wegen des französischen Gesetzes und bezeichnete die Regelung als „diskriminierend“ und als Verstoß gegen Handelsgrundsätze.
Nach Angaben der französischen Regierung sind die Importe kleiner Pakete aus China in die EU seit Inkrafttreten einer eigenen drei-Euro-EU-Abgabe auf solche Sendungen am ersten Juli bereits um rund 30 bis 40 Prozent zurückgegangen.