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Kriegsvorbereitung in Schweden: Pläne für Massenbestattungen

Schweden führte im Mai Militärübungen durch.
Schweden hielt im Mai Militärübungen ab. Copyright  AP Photo
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Von Simon Ormiston
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Echte Leichensäcke, ein Priester mit letzten Sakramenten für Statisten und Stresstests im Kühlraum zeigen, wie ernst Schweden seine Verteidigung nimmt.

Die schwedischen Streitkräfte haben im Rahmen einer groß angelegten Militärübung den Umgang mit gefallenen Soldaten trainiert. Die Übung ist Teil des umfassenden Wandels Schwedens hin zu einer sogenannten "Totalverteidigung", den das Land seit seinem NATO-Beitritt 2024 vorantreibt.

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Das Training war Teil der Militärübung Aurora 26, der größten nationalen Militärübung Schwedens seit den 1990er-Jahren. Sie fand von Ende April bis Mitte Mai 2026 statt. Nach Angaben der schwedischen Streitkräfte nahmen rund 18.000 Soldaten aus 13 Ländern daran teil. Wie ein begutachteter Bericht im Fachjournal Frontiers in Psychiatry beschreibt, wurden allein bei einem Teil der Übung mehr als 500 Puppen und Leichensäcke eingesetzt, um gefallene Soldaten darzustellen.

Eine Übung in dieser Größenordnung hatte es in Schweden seit den frühen 1950er-Jahren nicht mehr gegeben. Rund 300 Angehörige der Streitkräfte waren daran beteiligt. Unterstützt wurden sie unter anderem von der Schwedischen Kirche, der Steuerbehörde und der Wehrpflichtbehörde.

Trainiert wurde die komplette Ablauflogistik im Umgang mit Kriegstoten – von der Bergung und Identifizierung über die Benachrichtigung ausländischer Botschaften und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz bis hin zur Bestattung mit militärischen Ehren. Ein beteiligter Kommandeur erklärte gegenüber den Forschern, er sei stolz darauf, Teil der Übung gewesen zu sein. Eine vergleichbare Übung habe es seiner Erinnerung nach zuletzt 1952 gegeben.

Auch ein Militärpfarrer berichtete von der Wirkung des Trainings. Durch die aufgereihten Leichensäcke sei für ihn die zuvor abstrakte Vorstellung von Kriegsopfern plötzlich konkret und greifbar geworden.

Aurora 26 vereinte rund 18.000 Soldaten aus 13 Staaten, während Schweden seine Pläne für eine „Totalverteidigung“ erprobt.
Aurora 26 vereinte rund 18.000 Soldaten aus 13 Staaten, während Schweden seine Pläne für eine „Totalverteidigung“ erprobt. AP Photo

Nach Angaben des Fachportals Defence24 wurde dabei erstmals der gesamte Ablauf gemeinsam mit allen beteiligten Institutionen trainiert. Die Verantwortlichen betonten, dass es bei der Übung nicht um eine Einschätzung möglicher Opferzahlen gehe. Vielmehr solle sie die Einsatzbereitschaft der beteiligten Stellen stärken und auf die moralischen Belastungen eines Kriegsfalls vorbereiten.

Eine Militärmedizinerin beziehungsweise ein Militärmediziner kam nach der Übung zudem zu dem Schluss, dass die medizinischen Teams ihre Ausstattung für Szenarien mit einer großen Zahl von Verletzten grundlegend anpassen müssten. Ein beteiligter Soldat sagte den Forschern, die Übung habe ihm "ein klareres Verständnis für die Folgen eines Krieges" vermittelt.

Planung für den schlimmsten Fall

Unabhängig von der Militärübung verfügt die Schwedische Kirche bereits seit Jahren über Vorgaben für den Umgang mit einer großen Zahl von Todesfällen. Sie ist gesetzlich weiterhin für Bestattungen zuständig und soll Kapazitäten für Beerdigungen von bis zu fünf Prozent der schwedischen Bevölkerung vorhalten. Das entspricht rund 500.000 Menschen.

Die Vorgabe geht noch auf den Kalten Krieg zurück und ist Teil der damaligen Zivilschutzplanung. Sie bezieht sich auf mögliche zivile wie militärische Todesfälle im gesamten Land. Mit der Übung Aurora 26 oder einer konkreten Erwartung von Opferzahlen steht sie ausdrücklich nicht in Zusammenhang. Jan-Olof Olsson von der schwedischen Zivilschutzbehörde erklärte dazu gegenüber der französischen Zeitung Le Monde, die Zahl bedeute keineswegs, dass die Behörden mit einer solchen Zahl von Toten rechneten.

Für eine funktionierende Notfallplanung brauche es jedoch eine konkrete Größenordnung. Die Übung steht zugleich für einen umfassenderen Wandel in Nordeuropa und im Baltikum. Angesichts der anhaltenden Spannungen mit Russland bereiten sich die NATO-Staaten der Region zunehmend auf mögliche Krisen und Kriegsszenarien vor. Bei Aurora 26 trainierten unter anderem ukrainische Drohnenexperten NATO-Soldaten in der Abwehr von Drohnen. Beteiligt waren außerdem Einheiten aus den USA, den Niederlanden, Frankreich, Polen und weiteren Ländern. Geübt wurde in Südschweden, auf Gotland und in der Ostsee.

Für Schweden ist diese Entwicklung besonders bemerkenswert. Das Land hielt sich in beiden Weltkriegen und während des Kalten Krieges neutral und war seit 1814 nicht mehr an einem Krieg beteiligt. Der aktuelle Kurs bedeutet deshalb einen tiefgreifenden Wandel bei Militär, Behörden und Gesellschaft. Auch andere Länder in der Region bereiten sich verstärkt auf den Ernstfall vor. Dazu gehören etwa grenzüberschreitende Evakuierungsvereinbarungen zwischen zehn Staaten sowie groß angelegte Übungen in litauischen Krankenhäusern für Szenarien mit einer Vielzahl von Verletzten.

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