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Portugiese entwickelt Plattform zur Flugüberwachung über Lissabon

Himmel über meiner Terrasse: Portugiese entwickelt Plattform zum Zählen der Flugzeuge über Lissabon
Himmel über meiner Terrasse: Portugiese entwickelt Plattform, die Flugzeuge über Lissabon erfasst Copyright  Euronews/Bruno Figueiredo
Copyright Euronews/Bruno Figueiredo
Von Diana Rosa Rodrigues
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Plattform „Lisbon Finals“ von António Boaventura bietet weit mehr, als Flugzeuge zu beobachten. Seit Mai liefert sie offene Daten zu Flugzahlen, Lärm, Erschütterungen, Bildern und Flughöhen – alles nur einen Klick entfernt.

Im Herzen Lissabons wird der Alltag immer wieder von vorbeifliegenden Flugzeugen unterbrochen. Grund ist ein Flughafen mitten in der Stadt, umgeben von Wohngebieten. Für Tausende Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt gehören die Maschinen längst dazu – für viele sind sie kaum noch ein Problem.

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„Ich habe mich daran gewöhnt. Meine Großeltern hatten ein Haus in Alvalade, ich habe schon als Kind die Flugzeuge über uns hinwegfliegen sehen“, erzählt António Boaventura. Er lebt in der portugiesischen Hauptstadt, die Dachterrasse seiner Wohnung bietet einen freien Blick auf die „riesigen Metallvögel“.

Eine Maschine nach der anderen überquert im Minutentakt den Himmel und unterbricht das Gespräch mit Euronews. „Die Zahl der Flugzeuge über Lissabon nimmt immer weiter zu, aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich glaube, alle Lissabonerinnen und Lissaboner haben sich daran gewöhnt, dass die Flugzeuge direkt über ihnen hinwegfliegen“, sagt er.

Aus dieser Beobachtung entstand das Projekt „Lisbon Finals“ (Quelle auf Portugiesisch), eine Online-Plattform, die die Flüge über dem Himmel von Lissabon zählt – und noch viel mehr.

„Mir wurde klar, dass wir sehr viel weiter gehen können. Wir können die Flugzeuge messen, Dezibel, Vibrationen an den Wänden. So habe ich das System Schritt für Schritt aufgebaut“, erklärt António. Es entwickelt sich weiter und soll wachsen: „Das System ist offen, es kann mehrere Messstationen einbinden.“

António Boaventura arbeitet von der Dachterrasse seiner Wohnung in Lissabon aus an der Plattform "Lisbon Finals"
António Boaventura arbeitet von der Dachterrasse seiner Wohnung in Lissabon aus an der Plattform "Lisbon Finals" Euronews/Bruno Figueiredo

António Boaventura hat Betriebswirtschaft studiert und mehrere Jahre in verschiedenen Ländern gelebt. Getrieben von seiner Leidenschaft für die Luftfahrt und der Neugier auf die Flugrouten über seinem Viertel begann das Projekt fast „wie ein Spiel“, wie er sagt.

Mit Hilfe künstlicher Intelligenz installierte er auf der Dachterrasse eine Messstation. Sie erfasst Variablen wie Geschwindigkeit, Flughöhe, Lärm und Vibrationen. Die Daten laufen in eine Online-Plattform, die sie auswertet und kostenlos veröffentlicht.

„Darum geht es: Informationen, die allen offenstehen – Verbänden, Bürgerinnen und Bürgern, Luftfahrtfans. Alle sollen sehen können, was über meinem Dach und über Lissabon unterwegs ist“, sagt er.

António Boaventura hat eine Messstation aufgebaut, die verschiedene Kenngrößen der Flüge erfasst
António Boaventura hat eine Messstation aufgebaut, die verschiedene Kenngrößen der Flüge erfasst Euronews/ Bruno Figueiredo

Neben reinen Zahlen gibt es weitere Informationen: die Flugnummern, die jeweiligen Airlines und Bilder der Maschinen. Diese Fotos erscheinen auf der Plattform und auf einer verbundenen Instagram-Seite (Quelle auf Portugiesisch). Alles läuft automatisch. „Das gesamte System ist völlig autonom, es arbeitet allein“, betont António.

Die Anfangsinvestition lag bei rund 1.000 Euro für die technische Ausstattung der Station. „Ich habe ungefähr anderthalb Monate gebraucht, um die Station aufzubauen“, erzählt der Lissaboner. Die Programmierung der Plattform dauerte „etwas länger“. Und das Projekt bleibt ohnehin eine Dauerbaustelle.

„Ich arbeite ständig ein bisschen daran, verbessere Dinge, korrigiere sie anhand der Daten. Wir können immer neue Zusammenhänge herstellen“, sagt er Euronews.

Die erste Messung erfolgte am 3. Mai. Seitdem hat das System bereits mehr als 39.000 Flüge erfasst. Das Projekt versteht sich als neutral und unabhängig.

„Ich mag Luftfahrt. Ziel der Plattform ist es, neutral zu bleiben und Daten an Menschen zu liefern, die sie brauchen und wollen“, sagt António. „Die Messungen sind völlig neutral, und ich finde, die Zahlen sprechen für sich.“

Verstöße in der Nacht dauern an

Auch wenn er selbst den Lärm gewohnt ist, weiß António Boaventura, dass der Flugverkehr für viele Menschen zur Belastung wird – vor allem in der Ruhezeit. Dieses Ausmaß war ihm nicht bewusst, bevor er in die portugiesische Hauptstadt zog.

„Es hat mich überrascht, in Lissabon nachts Flugzeuge am Himmel zu sehen“, erzählt der Portugiese, der in Frankreich aufgewachsen ist. Dort kannte er immer nur „strenge Verbote“ für nächtliche Flugbewegungen.

Am Flughafen Humberto Delgado ist der Nachtverkehr zwischen 0.00 und 6.00 Uhr eingeschränkt. Die geltenden Regeln erlauben höchstens 91 Flugbewegungen pro Woche. Pro Nacht sind höchstens 26 Flugbewegungen innerhalb des Zeitfensters erlaubt, zusätzlich gelten Lärmgrenzwerte für die Flugzeuge.

Einer der Indikatoren auf der Plattform ist die Zahl der mutmaßlichen Verstöße gegen diese Regeln. Eine Abfrage zeigt: Allein im Juli wurden 1.477 Nachtflüge registriert, gemessen im Zeitraum zwischen 23.00 und 6.59 Uhr. Davon stellten nach Angaben der Plattform 397 Flüge Verstöße gegen den von der nationalen Luftfahrtbehörde ANAC geregelten Zeitraum dar. Mindestens 207 davon gelten laut den Kriterien der Seite als „kritische Verstöße“, also Flüge mit gemessenen Lärmwerten von mehr als 98,9 Dezibel.

ZERO: „Schließung des Stadtflughafens muss beschleunigt werden“

Umweltverbände wie ZERO warnen vor der Belastung durch Fluglärm im Großraum Lissabon und möglichen gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung.

Im April hat die Organisation den Lärmaktionsplan (PAR) 2024–2029 (Quelle auf Portugiesisch) für den Flughafen Humberto Delgado bewertet. Das Dokument der Betreibergesellschaft ANA – Aeroportos de Portugal setzt die EU-Richtlinie zum Umgebungslärm um. Es zielt darauf ab, die Lärmbelastung unter den Grenzwerten Lden ≤ 65 dB(A) und Ln ≤ 55 dB(A) zu halten. Nach Einschätzung von ZERO „zeigt der Plan, wie unwirksam und unzureichend die vorgeschlagenen Maßnahmen sind“.

Laut PAR sind im Einflussbereich des Flughafens Lissabon jede Nacht zwischen 23.00 und 7.00 Uhr 63.879 Menschen Lärmpegeln von mehr als 55 dB(A) ausgesetzt. Nach Angaben von ZERO „betrifft das 35-mal mehr Menschen als am Flughafen Madrid“ und macht deutlich, dass sehr viel mehr Gebäude Lärmschutz benötigen. Die Organisation fordert eine Überarbeitung des Lärmaktionsplans, um ein „angemessen dimensioniertes Programm“ aufzustellen.

Zu den Forderungen gehört auch, die „Neuverhandlung des Flughafen-Konzessionsvertrags zu beschleunigen, damit der Flughafen Humberto Delgado geschlossen werden kann“. Das ist allerdings erst möglich, wenn der neue Flughafen im Großraum Lissabon eröffnet.

Der neue Flughafen Luís de Camões soll auf dem früheren Schießplatz von Alcochete entstehen und 2037 in Betrieb gehen. Dann soll der Flughafen Humberto Delgado gleichzeitig den Flugbetrieb einstellen.

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