Nach einem erfolgreichen - zunächst geheimen - Test im Nordatlantik will die Bundeswehr - als Ergänzung zum Taurus - Berichten zufolge die ballistische Rakete LORA von Israel Aerospace anschaffen.
Zwei Fregatten der deutschen Marine haben im Nordatlantik zwischen Irland und Island die israelische Superrakete LORA (für: LOng Range Artillery) getestet. Laut dem Marineinspekteur der Bundeswehr geht die Reichweite dieser Rakete "über alles hinaus, was wir bisher kannten".
Die Begeisterung des Vizeadmirals der deutschen Marine kommt überraschend, denn der Test der ballistischen Rakete von Israel Aerospace Industries (IAI) war zuvor geheim. "Mit dem erfolgreichen Schuss einer ballistischen Rakete gestern Nacht im Nordatlantik, haben wir Marinegeschichte geschrieben. Ich bin hochzufrieden mit dieser Leistung“, so Marineinspekteur Jan Christian Kaack.
"Wir sind Marine" zeigt auf Instagram ein Video des Tests.
Kaack spricht auch von einem "neuen Kapitel der Abschreckung auf See". Denn offenbar will die Bundeswehr im Rahmen der Aufrüstung angesichts von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine das LORA-System als Ergänzung zum deutsch-schwedischen Marschflugkörper Taurus anschaffen.
Was kann LORA von Israel Aerospace Industries?
LORA ist laut dem Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI) eine Allwetter-Rakete, die große Reichweite, Präzision und Durchschlagskraft vereint. Sie ist in der Lage, strategische Ziele tief im feindlichen Gebiet von mobilen oder maritimen Plattformen aus zu bekämpfen.
Die israelische Armee hat diese Rakete Berichten zufolge in mehreren bewaffneten Konflikten eingesetzt.
LORA-Raketen werden in mobilen Transport- und Startcontainern geliefert.
Zunächst war LORA konzipiert als eine ballistische Kurzstreckenrakete (SRBM, Short-range ballistic missile), die in erster Linie für den Start vom Boden aus mit mobilen Abschussvorrichtungen vorgesehen ist. Das System wurde dann aber weiterentwickelt - und die Reichweite der sogenannten Naval LORA geht weit über 400 Kilometer hinaus.
LORA ist etwa 5 Meter lang und hat ein Startgewicht von etwa 1,5 Tonnen. Allein der Sprengkopf wiegt etwa 590 Kilo. Militärexperten gehen davon aus, dass es sowohl hochexplosive Sprengköpfe als auch Sprengköpfe mit Submunitionen gibt.
Wie die Naval LORA für den maritimen Einsatz funktioniert, zeigt der IAI auch in einem Werbevideo.
Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel
Der IAI-Vorstandsvorsitzender Boaz Levy bezeichnete den Test der deutschen Marine laut Medienberichten als "eine beispiellose Leistung für IAI und das Verteidigungsministerium" Israels. Anfang Dezember 2025 hatte die Bundeswehr das erste israelische Raketenabwehrsystem vom Typ Arrow 3 in Deutschland installiert. Darauf aufbauend werde die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel laut Boaz Levy in Sachen Verteidigung weiter verstärkt.
Für Arrow-3 wurde 2023 eine Zahlung von 3,6 Milliarden Euro vereinbart. Wie viel die Anschaffung von LORA-Raketen für die deutsche Marine kosten würde, ist bisher nicht bekannt. Gleichzeitig verkauft Deutschland als viertgrößter Waffenexporteur der Welt u.a. U-Boote an Israel.