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Ulrich Siegmund: Vom CDU-Mitglied zum AfD-Spitzenkandidaten

Kurzfassung  AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund trifft bei einer Wahlkampfveranstaltung am Freitag, 4. September 2026, in Magdeburg auf Unterstützer.
Kurzfassung AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund trifft bei einer Wahlkampfveranstaltung am Freitag, 4. September 2026, in Magdeburg auf Unterstützer. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Ulrich Siegmund ist das Gesicht der AfD in Sachsen-Anhalt: jung, medienaffin und mit dem Ziel, Ministerpräsident zu werden. Der 35-Jährige sitzt seit 2016 im Landtag und führt die AfD-Fraktion als Co-Vorsitzender. Nun will er seine Partei bei der Landtagswahl an die Regierungsspitze bringen.

Ulrich Siegmund wurde am 25. Oktober 1990 in Havelberg in Sachsen-Anhalt geboren. Der heute 35-Jährige ist seit 2016 Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt und seit August 2022 gemeinsam mit Oliver Kirchner Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion. 2025 wurde er zum Spitzenkandidaten der AfD für die Landtagswahl 2026 gewählt.

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Sein beruflicher Weg begann nicht unmittelbar in der Politik. Siegmund absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Anschließend studierte er Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre und schloss mit einem Bachelor of Arts ab.

Bevor Siegmund in die Politik ging, verdiente er sein Geld mit Düften. 2014 gründete der damalige 23-Jährige ein Unternehmen im Bereich Duftmarketing. Die Firma vertrieb unter anderem Duftstoffe, Duftaccessoires und Beduftungstechnik und bot Beratungen in Marketing und Vertrieb an. Auch Siegmunds Studium der Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaft hatte einen direkten Bezug zu seinem Geschäft: Seine Bachelorarbeit beschäftigte sich mit der psychologischen Wirkung von Duftmarketing auf das Kaufverhalten.

2014 gründete Siegmund gemeinsam mit einem Geschäftspartner das Unternehmen „Berlin duftet“. Die Idee: Mit gezielt eingesetzten Raumdüften sollten unter anderem BVG- und S-Bahn-Stationen angenehmer gemacht und dadurch Stress, Aggressionen und Vandalismus reduziert werden. In einem damaligen WELT-Bericht sagte Siegmund, er denke zum Beispiel an einen entspannenden Duft wie Lavendel.

Besonders interessant: Siegmund verwies damals auf Erfahrungen aus New York, wo stark frequentierte Bahnstationen dezent mit Vanilleduft beduftet würden. Er stützte sich damals auf Studien, wonach angenehme Gerüche die Stimmung von Menschen verbessern könnten.

Siegmund war zunächst Mitglied der CDU, bevor er zur AfD wechselte. Mit 24 Jahren trat er der AfD bei. Zwei Jahre später zog er erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein.

Der Social-Media-Politiker

Heute gehört Siegmund zu den bekanntesten AfD-Politikern Deutschlands. Einen wesentlichen Teil seines Erfolgs verdankt er seiner Social-Media-Strategie. Auf Instagram folgen ihm inzwischen mehr als 400.000 Menschen, auf TikTok ist er mit mehr als 763.500 Followern einer der reichweitenstärksten Politiker in Deutschland.

Siegmund wirkt häufig freundlich, locker und volksnah, posiert mit Anhängern für Fotos und setzt im Wahlkampf stark auf Familienfeste, Bürgerdialoge und persönliche Begegnungen.

Internationale Medien beschreiben ihn oft als das „sonnige Gesicht“ der AfD. Die Financial Times beschreibt seine Kampagne als bewusst gemeinschaftsorientiert und familienbezogen.

Siegmund fordert unter anderem eine deutlich restriktivere Migrationspolitik, Abschiebungen und eine grundlegende Veränderung der Landespolitik.

Seine Familie und weitere private Infos

Siegmund ist verheiratet und hat eine Tochter. Auch seine Ehefrau Julia stand schon einmal vor einer Fernsehkamera, allerdings nicht im politischen Kontext. Sie trat in der VOX-Hochzeits-Doku-Soap „Zwischen Tüll & Tränen“ auf und suchte dort ihr Brautkleid für die Hochzeit mit Ulrich Siegmund aus.

Für seine Partei arbeitet er stark mit Begriffen wie Heimat, Sicherheit, Familie und Veränderung.

2017 tritt Siegmund aus der katholischen Kirche aus. Deren Werte, sagt er, trage er „im Herzen“, die deutsche Institution dahinter lehne er jedoch ab. In seinem Büro hängt ein Porträt Otto von Bismarcks aus dem nahe gelegenen Schönhausen – darunter der Satz: „Ein Gedanke, der richtig ist, kann auf Dauer nicht niedergelogen werden.“

Sein älterer Bruder gehört als Parteiloser dem Tangermünder Stadtrat an. Seine Mutter starb 2019 bei einem Unfall.

Kontroversen in den Medien

2026 geriet Siegmunds Vater Andreas in den Fokus, wegen "Vetternwirtschaft". Der 66-Jährige arbeitet im Bundestagsbüro des AfD-Abgeordneten Thomas Korell. Zuvor war er bereits für andere AfD-Abgeordnete tätig. Siegmund verteidigte die Beschäftigung von Angehörigen und Parteifreunden grundsätzlich und verwies unter anderem darauf, dass es für die AfD schwer sei, gute Leute zu finden, weil jeder stigmatisiert wird, der für die Partei arbeitet.

Eine in den Medien weit verbreitete Kontroverse um Martin Sellner und Ulrich Siegmund entzündete sich auch an einem Treffen im November 2023 bei Potsdam. Siegmund nahm an dem Treffen teil, bei dem der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner über „Remigration“ sprach. Sellner verstand darunter nicht nur die Rückführung ausreisepflichtiger Ausländer, sondern auch Maßnahmen gegen „nicht assimilierte Staatsbürger“ mit Migrationshintergrund.

Siegmund bezeichnete seine Teilnahme anschließend als privat und erklärte sinngemäß, dass die bloße Anwesenheit bei einem Vortrag keine Zustimmung zu dessen Inhalten bedeute.

Auf Abgeordnetenwatch wurde Siegmund im Januar 2024 gefragt, ob er sich von Sellners „Masterplan zur Remigration“ distanziere. Seine Antwort lautete: „Die Vorwürfe sind zurückzuweisen.“

Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt, eine Abteilung des CDU-geführten Innenministeriums, hat den AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt am 7. November 2023 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft. Als Grundlage wurden unter anderem muslimfeindliche, rassistische und antisemitische Äußerungen von AfD-Funktionären und Mandatsträgern genannt.

Allerdings ist die Einstufung juristisch umstritten und wird vor Gericht überprüft. Die AfD geht dagegen vor, das Verfahren ist derzeit ausgesetzt.

Dass der SPIEGEL auf seiner Titelseite Mitte August den Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt als den "gefährlichsten Mann Deutschlands" bezeichnete, wusste Siegmund für sich zu nutzen. Er hat im Wahlkampf gleich stapelweise Ausgaben des SPIEGEL mit seinem Foto signiert, die auf Ebay für Unsummen versteigert werden.

Vom Landtagsabgeordneten zum möglichen Ministerpräsidenten

Siegmunds politischer Aufstieg verlief innerhalb weniger Jahre. 2016 zog er erstmals in den Landtag ein, 2022 übernahm er gemeinsam mit Oliver Kirchner den Vorsitz der AfD-Fraktion. 2025 setzte ihn die Partei auf Platz eins ihrer Landesliste für die Landtagswahl 2026.

Nun geht es um weit mehr als ein weiteres Landtagsmandat: Siegmund möchte Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt werden. Er hat allerdings selbst erklärt, dass er nur dann regieren wolle, wenn die AfD alleine über eine entsprechende Mehrheit verfügt.

Sollte die AfD tatsächlich eine Regierungsmehrheit erreichen, könnte Siegmund zum ersten AfD-Ministerpräsidenten Deutschlands werden.

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