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The Big Question: Macht Holz Wohnen in Europa bezahlbar?

Dr. Subhra Bhattacharjee, Generaldirektorin des Forest Stewardship Council (FSC), zu Gast bei „The Big Question“
Im Gespräch: Dr. Subhra Bhattacharjee, Generaldirektorin des Forest Stewardship Council (FSC), in „The Big Question“ Copyright  Euronews
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Von Hannah Brown & Angela Barnes
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Europa baut seine Holzindustrie deutlich aus. Doch wenn das Wachstum nicht nachhaltig ist, drohen schwere Schäden für Umwelt und Wirtschaft.

Nach Angaben der Europäischen Kommission verursacht der Bausektor mehr als 35 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in der EU.

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Schätzungen zufolge gehen 5 bis 12 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen auf die Gewinnung von Baumaterialien, die Herstellung von Baustoffen sowie den Bau und die Sanierung von Gebäuden zurück.

„Der globale Bausektor hat seinen CO2-Fußabdruck in den vergangenen drei Jahrzehnten verdoppelt und steuert darauf zu, ihn bis 2050 noch einmal zu verdoppeln“, sagte Dr. Subhra Bhattacharjee gegenüber Euronews.

Gleichzeitig müssen in der EU jedes Jahr mehr als zwei Millionen Wohnungen entstehen, um die Nachfrage zu decken – rund 25 Prozent mehr als derzeit gebaut werden. Wie lässt sich dieser Ausbau der Städte mit den Klimazielen vereinbaren?

In dieser Folge von „The Big Question“ war Dr. Bhattacharjee, Generaldirektorin des Forest Stewardship Council (FSC), bei Angela Barnes im Studio. Thema der Sendung: Ob Europa seine nachhaltige Holzbauindustrie ausbauen und trotzdem seine Bauziele erreichen kann.

Holzhäuser: Wie sicher sind sie?

Die Zeit drängt, die Umweltauflagen werden strenger. In Europa zeichnet sich klar ein Trend zum Bauen mit Holz ab. Anders als in den USA entschieden sich Europäer bislang meist für Beton, Stahl und Ziegel.

Doch bieten Holzbauten dieselbe Qualität, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Sicherheit? Und steigt das Brandrisiko, wenn im Sommer Waldbrände über den Kontinent hinwegfegen?

„Bei der Qualität muss es keine Abstriche geben. Durch neue Entwicklungen bei konstruktivem Holz entstehen stabilere und vielseitiger einsetzbare Bauteile“, erklärte Subhra.

„Sie liefern einen Baustoff, der wetterbeständig, feuerresistent und leichter ist, dabei aber sehr robust. Bei der Qualität muss man also keine Kompromisse eingehen.“

Subhra ist überzeugt, dass die Eigenschaften von Holzbaustoffen mit weiteren Innovationen noch besser werden.

Die Generaldirektorin des FSC, Dr. Subhra Bhattacharjee, war für die jüngste Ausgabe von „The Big Question“ bei Angela Barnes im Studio
Die Generaldirektorin des FSC, Dr. Subhra Bhattacharjee, war für die jüngste Ausgabe von „The Big Question“ bei Angela Barnes im Studio Euronews

Holzhäuser: Wie teuer ist der Holzbau?

Bauen mit Holz ist in vielen Abläufen günstiger als herkömmliche Bauweisen in Europa. Theoretisch lassen sich diese Einsparungen an Käuferinnen und Käufer weitergeben. Subhra schätzt, dass Holzhäuser bis zu 25 Prozent weniger kosten können als traditionell errichtete Gebäude.

„Der Kostenvorteil entsteht zunächst durch geringere Transportkosten – Holzbauteile sind leichter zu bewegen. Auch die Arbeitskosten auf der Baustelle sinken, weil sich vorgefertigte Module einsetzen lassen. Das beschleunigt den Bau und senkt zudem die Versicherungskosten für die Bauphase.“

Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer selbst passt sich die Versicherungsbranche allerdings nur langsam an.

„Versicherer müssen die neuen Holzprodukte kennen – das speziell entwickelte Konstruktionsholz, das feuerresistent ist und dem Brandrisiko standhält.“

Diese Aufklärungsarbeit läuft bereits, erklärte Subhra. Bauunternehmen, Hersteller und Versicherer stimmen sich heute enger ab als früher. Der Wandel gewinnt Tempo, und in Regionen mit geringem Brandrisiko stabilisieren sich die Versicherungstarife bereits.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Versicherungswirtschaft insgesamt nachzieht“, so ihre Prognose.

Holzbau: Gut für Europas Wirtschaft?

Nach Angaben des Branchenverbands Eurofer erwirtschaftete die Stahlindustrie 2025 rund 152 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung und beschäftigte direkt 293.000 Menschen. Bedeutet ein Ausbau der Holzbranche also zwangsläufig einen Einbruch beim Stahl?

„Der Wohnungsbedarf wächst sehr schnell. Ich sehe deshalb keinen Anlass für einen völligen Einbruch der Stahlproduktion“, prognostizierte Subhra.

„Ideal wäre ein Mix aus CO2-armem Zement, recyceltem Stahl und Bauholz. Gemeinsam könnten diese Materialien den CO2-Fußabdruck des gesamten Sektors senken und bezahlbaren Wohnraum schaffen.“

Selbst wenn die Stahlindustrie stellenweise schrumpft, bleibt das Wachstumspotenzial von Holz eine spannende Aussicht für die Wirtschaft.

„Nordamerika und Europa sind die beiden Regionen, in denen der Holzbau schneller wächst als irgendwo sonst. Das Marktvolumen liegt derzeit bei rund 5 Milliarden Dollar (4,32 Mrd. Euro) und wächst im Schnitt um 10 Prozent pro Jahr. Das Potenzial ist enorm.“

Hinzu kommt: die grüne Wirtschaft dürfte rund 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, inklusive jener, die ausscheidende Beschäftigte ersetzen.

„Im Bereich grünes Bauen, speziell im Holzbau, entsteht ein steigender Bedarf an Fachkräften. Fachkräfte verdienen mehr, es handelt sich um besser bezahlte Jobs. Das Beschäftigungspotenzial ist also groß.“

„Entlang der gesamten Lieferkette – von der Produktion von Konstruktionsholz über mehr verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung bis hin zum Bau selbst – dürften ländliche Volkswirtschaften neuen Schwung bekommen. Es gibt Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Waldboden bis zum fertigen Gebäude“, schloss sie.

The Big Questionist eine Reihe von Euronews Business, in der wir mit Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft sowie Expertinnen und Experten über einige der wichtigsten Themen der aktuellen Agenda sprechen.

Im Video oben sehen Sie die gesamte Diskussion über Europas Holzbauindustrie.

Weitere Quellen • Edited by Arno Aubert

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