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Umdenken im Drohnenkrieg: Bundeswehr braucht nicht nur neue Technik

Ein Soldat startet am 14. März 2026 an der Front in der Region Charkiw eine Drohne, um nach russischen Angriffsdrohnen zu suchen
Ein Soldat startet am 14. März 2026 an der Front in der Region Charkiw eine Drohne, um nach russischen Angriffsdrohnen zu suchen Copyright  AP Photo/Nikoletta Stoyanova
Copyright AP Photo/Nikoletta Stoyanova
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Die Ukraine setzt im Krieg auf Hunderttausende Drohnen und entwickelt ihre Systeme laufend weiter. Auch die Bundeswehr rüstet auf – doch bei Beschaffung, Ausbildung und Anpassung gibt es noch Nachholbedarf.

Um die 500.000 Drohnen soll die Ukraine mittlerweile pro Monat herstellen, um sich gegen den russischen Angriff zu verteidigen. Das berichten zumindest ukrainische Medien, wo es zudem heißt, dass diese Produktionszahl sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt hätte. Die Stückzahl der Drohnen alleine ist jedoch nicht ausschlaggebend für die ukrainische Armee, die unbemannten Systeme werden fast wöchentlich verbessert und angepasst.

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Eine der Firmen, die zu dieser fortlaufenden Drohnenrevolution- und evolution beiträgt ist das ukrainische Unternehmen Bunta Aerospace, das seine Software Buntar Copilot um eine Funktion erweitert hat, sodass Aufklärungsdrohnen vollständig aus der Ferne gesteuert werden können. Das bedeutet, dass lediglich ein kleines Team am Startort verbleibt, die dann aus Hunderten oder sogar Tausenden Kilometern Entfernung Operationen durchführen können.

"Das Hauptziel besteht darin, die Sicherheit der erfahrenen Besatzungen zu gewährleisten. Nach dem Start kann der Pilot die Mission von einem sicheren Ort aus durchführen, während das Startteam das Gebiet zügig verlässt", so Bohdan Sas, einer der Gründer von Buntar, auf Nachfrage von Euronews.

Buntar setzt im Vergleich zu anderen Firmen nicht auf eine externe Remote-Desktop-Software, sondern hat sie direkt in die eigene Missionsplanungsplattform integriert. Der Grund: "Die Kriegsführung hat sich gewandelt, und Fernsteuerung ist mittlerweile ein unverzichtbarer Standard", so Sas.

Buntar Copilot
Buntar Copilot zur Verfügung gestellt von Buntar

So schnell kann Innovation im Krieg funktionieren

Nicht nur die Soldaten müssen sich an die Realität des Krieges anpassen, sondern auch die Systeme, wie das Beispiel Kaban zeigt. Das ukrainische Unternehmen Kaban Robotics rüstet bereits vorhandene Fahrzeuge wie den US-amerikanischen HMMWV (High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle auch bekannt als Humvee) so um, dass sie aus sicherer Entfernung ferngesteuert werden können.

Der Vorteil: Statt ein komplett neues unbemanntes Fahrzeug zu entwickeln, kann vorhandene Technik relativ schnell für neue Aufgaben angepasst werden. Noch deutlicher wird die Geschwindigkeit bei der Weiterentwicklung. Nach Angaben des Hauptentwicklers des Systems, David, werden neue Funktionen direkt aufgrund von Rückmeldungen ukrainischer Soldaten entwickelt.

In einem Fall hätten Soldaten bei der Übergabe eines Fahrzeugs vorgeschlagen, die Außenbeleuchtung bei einem Kommunikationsverlust automatisch abzuschalten. Die Änderung sei innerhalb von rund 15 Minuten umgesetzt worden. Auch bei den Kameras wurde direkt auf Erfahrungen aus dem Einsatz reagiert: Weil entgegenkommende Scheinwerfer die Hauptkamera nachts blenden konnten, wurde eine Funktion eingebaut, mit der der Fahrer per Knopfdruck auf die Wärmebildkamera wechseln kann.

"Manchmal lässt sich die Zeitspanne zwischen einem Vorschlag von Militärangehörigen und der Umsetzung einer neuen Funktion nicht in Monaten oder Wochen messen, sondern buchstäblich in Minuten", so David von Kaban zu Euronews.

Kaban-HMMWV
Kaban-HMMWV Kaban

Passt sich die Bundeswehr an die wandelnde Kriegsführung an?

Drohnen spielen auch in den deutschen Streitkräften eine große Rolle. Deutschland versucht inzwischen, die industrielle Produktion hochzufahren. Für die Bundeswehr hat der Haushaltsausschuss vor wenigen Monaten die Lieferung von Tausenden sogenannten "Kamikaze"-Drohnen unter Auflagen gebilligt. Darunter versteht man vergleichsweise günstige Systeme, die eine präzise Bekämpfung einzelner gegnerischer Ziele über eine große Entfernung ermöglichen, heißt es laut der Bundeswehr.

Zwar produziert Deutschland noch nicht so viele Drohnen wie die Ukraine, die Produktion wurde jedoch stark hochgefahren. Vor allem Bayern hat sich zu einem Hub für viele Drohnenhersteller entwickelt, darunter Quantum Systems, Helsing, ARX und Airlogix, die Berichten zufolge die Massenproduktion von mehr als 5.000 weitreichenden Kampfdrohnen für die Ukraine begonnen haben. Bei Bayern alleine soll es jedoch nicht bleiben, einem Bericht der Welt zufolge ist bereits ein weiterer Produktionsstandort in Ostdeutschland geplant.

In dem Bericht des Wehrbeauftragten Henning Otte vom vergangenen Jahr hieß es, dass "die Streitkräfte allerdingds bei der Ausstattung mit modernen unbemannten Systemen zu sehr hinterherhinken" würden. Bei einem Truppenbesuch wurde demnach kritisiert, dass die Drohnen KZO und LUNA bereits bei ihrer Einführung veraltet gewesen seien. Nun komme es darauf an, neue Systeme "schnell in Serie" zu bringen und in hohen Stückzahlen an die Truppe zu liefern.

Soldaten am  26. Mai 2020, neben der Aufklärungsdrohne "Luna"
Soldaten am 26. Mai 2020, neben der Aufklärungsdrohne "Luna" AP Photo/Jens Meyer

Das Problem ist dabei nicht jedoch nicht nur die Produktion. Otte kritisiert auch die Beschaffungsprozesse der Bundeswehr als zu bürokratisch. Mehr Geld allein reicht aus Sicht des Wehrbeauftragten allerdings nicht. Otte schreibt, die "pauschale Berufung auf eine Unterfinanzierung der Bundeswehr" sei keine Ausrede mehr. Stattdessen müssten die Beschaffungsprozesse beschleunigt und die Truppe von "militärfremder Bürokratie" entlastet werden.

Wenn es um Drohnen geht, ist die Technik für den Sicherheitsexperten Dr. Frank Sauer ist die Technik hier demnach jedoch ein kleineres Problem. "Hier ist durchaus ein Aufholen und Aufschließen möglich beziehungsweise bereits im Gange - wenngleich zu viel höheren Preisen pro Drohne, weswegen die deutschen Produkte in der Ukraine nicht besonders populär sind", erklärt er auf Anfrage von Euronews.

"Es ist vielmehr der Umgang mit den neuen Systemen, das Verinnerlichen der veränderten Geometrie des Gefechtsfelds, das Ausbilden neuer Taktiken und Prozeduren samt der dazugehörigen 'Arbeitsmuskeln' in der Organisation - ich fürchte hier sind wir noch immer zu sehr im Alten verhaftet und nicht schnell genug lernfähig."

Freuding: "Muss jeder lernen, muss jeder können"

Generalleutnant Dr. Christian Freuding sagte diesbezüglich in einem Interview mit dem RND, dass es in der Grundausbildung bereits einen Basiskurs zur Drohnenbedienung gebe. "Das muss jeder lernen, muss jeder können", so Freuding, der bekräftigte dass jeder Soldat einen Drohnenaufklärer- oder Abwehrer sein müsse.

Für die deutschen Streitkräfte liegt die Herausforderung damit nicht alleine in der Beschaffung, sondern die Anpassungs- und Lernfähigkeiten aus aktuellen Konflikten. Wie sehr sich die Bundeswehr an die neue Kriegsführung anpasst, war bei der diesjährigen "Freedom Shield I"-Übung in Litauen zu sehen: dort mussten die Soldaten selber Drohnen fliegen und sich mithilfe von selbstkonzipierten Drohnenkäfigen vor ihnen schützen. Kevin, Panzerkommandant vom Augustdorfer Panzerbataillon 203 erzählte Euronews nach der Übung, dass er das erste Mal eine Drohne geflogen hätte. Zu lernen, wie das funktioniere hätte drei Minuten gedauert, so Kevin.

Die ganze Reportage zur Litauen-Brigade können Sie sich im hier anschauen:

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