Ricardo Reis hatte gewarnt, dass die Zölle die Preise in den Vereinigten Staaten steigen und eine neue Inflationswelle auslösen könnten.
Der portugiesische Ökonom Ricardo Reis ist offenbar aus dem Rennen um den Posten des Chefökonomen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) genommen worden, nachdem er die Zölle von Donald Trump kritisiert hatte.
Laut der Financial Times (Quelle auf Portugiesisch), die sich auf drei anonyme Quellen beruft, galt Reis als Kandidat für den Posten. Der IWF soll jedoch Abstand genommen haben, nachdem die Verantwortlichen seine Haltung zur US-Handelspolitik kennengelernt hatten.
Ricardo Reis, Professor an der London School of Economics, hatte gewarnt, die Zölle könnten die Preise in den Vereinigten Staaten in die Höhe treiben und eine neue Inflationswelle auslösen.
Im Juli ernannte der IWF schließlich Silvana Tenreyro, frühere Spitzenvertreterin der Bank of England und Professorin an der London School of Economics, zur Chefökonomin.
Nach Angaben der zitierten Quellen im britischen Blatt hält auch Silvana Tenreyro Zölle für wachstumsschädlich. Sie soll sich jedoch weniger deutlich kritisch zur Trump-Regierung geäußert haben als der portugiesische Ökonom.
Ricardo Reis lehnte es ab, den Bericht zu kommentieren oder sich gegenüber der Financial Times zu äußern.
Der Fall spielt sich vor dem Hintergrund wachsenden Drucks der Trump-Regierung auf Ökonominnen und Ökonomen ab, die die US-Zollpolitik kritisieren.
Der IWF wollte das Auswahlverfahren nicht kommentieren und verwies auf Vertraulichkeit. Die Institution betonte, das Verfahren sei „gründlich und wettbewerbsorientiert“ gewesen.