Trumps Plan: Was bringt eine Einmalzahlung von 5.000 Dollar, und kann sich die USA die geschätzten Kosten von 1,2 Billionen leisten?
Der US-Präsident hat versprochen: Jeder erwachsene Bürger soll 5.000 Dollar (4.290 Euro) bekommen, falls die Republikaner sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit behalten.
Der Vorstoß könnte fast 1,2 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro) kosten und damit den gesamten Haushaltsantrag des Pentagon für das Jahr 2026 übersteigen.
„Wenn die Republikaner gewinnen, gewinnen Sie mit uns und bekommen 5.000 Dollar. Das heißt dann Trump-Dividende“, sagte Trump am Mittwoch auf dem republikanischen Wahlkampftreffen zur Zwischenwahl in Dallas. Die Partei kämpft in den Umfragen gegen die Demokraten.
Er verglich die geplanten Zahlungen mit Dividenden, die Unternehmen an ihre Aktionäre ausschütten, und verwies auf „unsere enorme wirtschaftliche Stärke und unseren Erfolg“.
Schon nach weniger als einer Stunde bremste Vizepräsident JD Vance den Vorschlag zumindest teilweise. Wohlhabende Amerikaner sollten das Geld demnach nicht erhalten.
Nach den jüngsten umfassenden Zahlen des US-Statistikamts lebten zur Präsidentschaftswahl 2024 rund 240 Millionen Erwachsene in den Vereinigten Staaten, darunter 174 Millionen registrierte Wählerinnen und Wähler. Nur etwa 70 Prozent der Wahlberechtigten waren tatsächlich eingetragen.
Eine Zahlung von 5.000 Dollar an alle Erwachsenen würde daher fast 1,2 Billionen Dollar kosten. Das wären rund 220 Milliarden Dollar (189 Mrd. Euro) mehr als der gesamte Haushaltsantrag des Pentagon über 961 Milliarden Dollar (825 Mrd. Euro) für 2026, nach Berechnungen des Congressional Budget Office. Würde man nur registrierte Wählerinnen und Wähler berücksichtigen, lägen die Kosten bei etwa 870 Milliarden Dollar.
Ein Scheck über 5.000 Dollar wäre für jede erwachsene Person höher als die Summen aus den zwei Runden direkter Bundeszahlungen, die in Trumps erster Amtszeit beschlossen wurden.
Wofür reicht das Geld?
Ein durchschnittlicher US-Haushalt gab 2024 nach Angaben des Bureau of Labor Statistics 78.535 Dollar (67.400 Euro) aus, das sind 6.545 Dollar (5.620 Euro) pro Monat.
Bekämen zwei Erwachsene, die zusammen wohnen, jeweils 5.000 Dollar (4.290 Euro), läge die Gesamtsumme von 10.000 Dollar (8.580 Euro) in etwa bei den Ausgaben für elf Monate der durchschnittlichen Lebensmittelkosten eines Haushalts oder rund achtzehn Monate der reinen Einkaufskosten. Grundlage sind die Ausgaben von 2024, angepasst um den Anstieg der Verbraucherpreise um 6,45 Prozent bis Juli 2026.
Der größte Posten war Wohnen. Er machte 33,4 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsbudgets aus. 2024 gaben Haushalte 26.266 Dollar (22.540 Euro) für Wohnen aus, inflationsbereinigt sind das rund 27.960 Dollar (24.000 Euro) im Juli 2026. Zwei Zahlungen von jeweils 5.000 Dollar würden damit etwas mehr als vier Monate der durchschnittlichen Wohnkosten abdecken.
Die gemeinsame Zahlung könnte außerdem etwa achteinhalb Monate durchschnittlicher Transportkosten oder achtzehn Monate Gesundheitsausgaben finanzieren. Sie entspricht fast dem Sechsfachen der jährlichen Bildungsausgaben eines durchschnittlichen Haushalts und könnte theoretisch fast sechs Jahre dieser Kosten decken.
Allerdings ist der Bildungswert ein Durchschnitt über alle Haushalte, auch über solche mit geringen oder gar keinen Bildungsausgaben.
Was kostet das Programm?
Trumps Vorstoß kommt kurz nachdem die Staatsverschuldung der USA erstmals 40 Billionen Dollar (34,3 Billionen Euro) überschritten hat. Die US-Regierung verzeichnet zudem ein jährliches Haushaltsdefizit von knapp 1,8 Billionen Dollar (1,54 Billionen Euro), und die Inflation bleibt ein Problem.
„Die Vorstellung, wir hätten finanzpolitische Erfolge erzielt, ist verkehrt und fast schon lächerlich“, sagte Marc Goldwein, leitender Politikdirektor beim Committee for a Responsible Federal Budget, einem Thinktank mit Sitz in Washington. „Wir haben keine Überschüsse, die wir einfach verteilen können.“
Zur Sorge über die Staatsverschuldung kommen hohe Finanzierungskosten der Regierung hinzu.
Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg am Mittwoch über 4,85 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit fast drei Jahren, bevor sie leicht nachgab. Die Rendite der dreißigjährigen Anleihe kletterte auf 5,29 Prozent und näherte sich damit dem Achtzehnjahreshoch von 5,33 Prozent, das im August verzeichnet wurde.
Die Renditen von Staatsanleihen beeinflussen die Finanzierungskosten in der gesamten US-Wirtschaft. Steigen sie dauerhaft, werden Hypotheken und Unternehmenskredite teurer, das Wachstum verlangsamt sich und Aktienkurse geraten unter Druck.
Angesichts des ohnehin hohen Defizits ist offen, wie die vorgeschlagenen Zahlungen finanziert werden sollen.
Vance schlug vor, die Mittel aus US-Zolleinnahmen zu verwenden.
Die Regierung rechnet laut Finanzministerium im Haushaltsjahr 2026 mit rund 406 Milliarden Dollar (348 Milliarden Euro) an Zolleinnahmen. Darin sind alle Einfuhrabgaben enthalten, nicht nur die von Trump eingeführten Zölle.
Diese Summe würde nur etwa ein Drittel der geschätzten Kosten von 1,18 Billionen Dollar (1,01 Billionen Euro) für Zahlungen von 5.000 Dollar (4.290 Euro) an alle Erwachsenen decken. Selbst wenn nur die 174 Millionen registrierten Wählerinnen und Wähler Geld bekämen, lägen die Kosten bei rund 870 Milliarden Dollar (747 Milliarden Euro) - mehr als dem Zweifachen der veranschlagten jährlichen Zolleinnahmen.
Als Trump Anfang des Jahres über eine ähnliche Zahlung sprach, schlug er eine Dividende von 2.000 Dollar (1.720 Euro) vor und erklärte, er glaube nicht, dafür die Zustimmung des Kongresses zu brauchen.
Im vergangenen Jahr ließ Trump Militärangehörigen einen Scheck über 1.776 Dollar (1.520 Euro) zukommen, den er als „Krieger-Dividende“ bezeichnete.
„Ich werde einen Gesetzentwurf vorbereiten, damit wir die Trump-Dividende unmittelbar nach der Wahl am 3. November verabschieden können“, schrieb der republikanische Senator Bernie Moreno aus Ohio am späten Mittwoch auf X. „Denn die Republikaner (und Amerika) werden gewinnen!“
Allerdings müsste der Kongress den Zahlungen zustimmen.
Nach Einschätzung des in New Mexico tätigen Juristen John Day wäre Trumps Vorstoß rechtlich zulässig, weil die Zahlung unabhängig davon erfolgen soll, wie jemand abstimmt oder ob er überhaupt zur Wahl geht.
„Das ist ein Wahlversprechen“, sagte Day. „Es geht nicht darum, Einzelpersonen zu bezahlen, damit sie auf eine bestimmte Weise wählen.“
Die Republikaner stehen unter Druck. Sie versuchen, ihre knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus gegen starken politischen Gegenwind zu verteidigen. Trump ist unbeliebt, und Umfragen zeigen, dass die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner den Krieg im Iran ablehnen. Selbst der Senat, den die Republikaner lange als sicher ansahen, gilt inzwischen als hart umkämpft.