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Iran gehen die Medikamente aus - Preise für Paracetamol und Insulin auf Rekordhoch

Iran: Engpässe bei Medikamenten
Iran: Medikamente werden knapp Copyright  AP Photo
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Von Euronews Persian
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Die Preise für Medikamente wie Paracetamol und Insulin schießen im Iran in die Höhe. Mehr als 70 Prozent der Gesundheitskosten zahlen die Menschen selbst. Viele ärmere Patienten können sich Behandlungen nicht mehr leisten.

Irans Pharmabranche kämpft mit Engpässen bei Hunderten Medikamenten, fast versechsfachten Preisen für gängige Präparate und zusammenbrechenden Lieferketten. Der Krieg mit den USA läuft inzwischen im siebten Monat, die Folgen von Sanktionen und Seeblockade summieren sich.

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Nach Angaben iranischer Medien fehlen darunter rund 90 Arzneimittel, die als unentbehrlich oder lebensrettend gelten. Hadi Ahmadi, Sprecher des iranischen Apothekerverbands, sagte in der vergangenen Woche in inländischen Medien, etwa 400 der knappen Präparate würden im Land produziert.

Das zeige, dass die heimische Herstellung den Sektor nicht vor Störungen schütze. Viele Produzenten seien auf importierte Wirkstoffe angewiesen. Ruhollah Lak Aliabadi, Mitglied der Gesundheitskommission des Parlaments, erklärte gegenüber der regierungsnahen Nachrichtenseite Tabnak, Probleme beim Zugang zu importierten Vorprodukten würden direkt zu Produktions- und Vertriebsproblemen führen.

Vahideh Mahmoudkhani, Leiterin der Gesundheitsabteilung am iranischen Handelszentrum in Shanghai, sagte der von der Stadtverwaltung Teherans herausgegebenen Tageszeitung Hamshahri, der Krieg habe einige Lieferwege komplett lahmgelegt und andere deutlich verlängert. "Selbst einige bereits vergriffene Medikamente hängen noch irgendwo im Transit fest", sagte sie.

Teheran: wirtschaftlich ausgegrenzt

Arzneimittel und andere humanitäre Güter sind völkerrechtlich meist von direkten Sanktionen ausgenommen. Doch Bankbeschränkungen, Schwierigkeiten beim Transfer von Devisen und durch die Blockade ausgelöste Transportsperren verhindern oft, dass iranische Firmen Medikamente und Wirkstoffe im Ausland einkaufen können, selbst wenn diese offiziell nicht sanktioniert sind.

Die von den USA im April verhängte Seeblockade iranischer Häfen und Frachter wurde nach dem Rahmenabkommen kurzzeitig ausgesetzt. Nach dem Abbruch der Gespräche trat sie jedoch wieder in Kraft. Ende August startete Washington zudem die Operation "Economic Outcast", die Teherans Zugang zu internationalen Finanznetzwerken weiter einschränken soll.

Mehdi Pirsalehi, Leiter der iranischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde, sagte am Dienstag, seit Beginn des Krieges seien 44 Unternehmen der Pharma- und Medizintechnikbranche angegriffen worden. Unter den Beschäftigten habe es Tote und Verletzte gegeben.

Er sprach bei der Eröffnung einer Pharmamesse in Teheran und betonte, zwei Unternehmen, die direkt von mehreren Raketen getroffen worden seien, nähmen an der Ausstellung teil und hätten die Produktion wieder aufgenommen. Eines dieser Unternehmen ist Tofigh Daru. Ende März hatten israelische Stellen erklärt, sie hätten die Firma angegriffen, weil sie nach ihrer Darstellung ein Forschungsinstitut im iranischen Verteidigungsministerium mit Fentanyl beliefert habe.

Tofigh Daru wies den Vorwurf zurück. Man produziere lediglich Fentanyl-Citrat in begrenzten Mengen und ausschließlich für zugelassene medizinische Anwendungen, darunter für Narkosen bei Operationen.

Preise steigen in unbezahlbare Höhen

Zu den Lieferengpässen kommen drastische Preissprünge hinzu. Viele Patientinnen und Patienten können sich ihre Behandlung nicht mehr leisten. Die staatliche Nachrichtenagentur Mehr berichtete, der Preis für Gabapentin – eingesetzt gegen Epilepsie und Nervenschmerzen – sei innerhalb eines Jahres um 220 Prozent gestiegen. Paracetamol verteuerte sich um 375 Prozent, Amoxicillin um 285 Prozent und Fluoxetin um 100 Prozent. Insulin, das Menschen mit Diabetes täglich benötigen, kostet in manchen Fällen das Sechsfache des Vorjahrespreises.

Die anhaltende Schwäche des Rial auf dem offenen Markt treibt die Preise in der gesamten Branche weiter nach oben. Salman Es'haghi, Mitglied der Gesundheitskommission des Parlaments, sagte, mehr als 70 Prozent der Gesundheitsausgaben im Iran würden von den Patientinnen und Patienten direkt aus eigener Tasche bezahlt. Sein Kommissionskollege Ahmad Ariayi Nejad erklärte, der finanzielle Druck mache sich bereits bemerkbar: Weniger Menschen suchten Kliniken und Arztpraxen auf. Er nannte den Fall eines Arbeiters, der zur Miete wohne und monatlich zwei Injektionen benötige. Die Behandlung koste rund 74 Millionen Toman – ein Betrag, der für viele Iranerinnen und Iraner mehreren Monatslöhnen entspreche.

Die Folgen sind für Patientinnen und Patienten mit schweren Erkrankungen besonders gravierend. Wird eine Behandlung von Herzleiden oder Krebs aus finanziellen Gründen unterbrochen oder verzögert, sind die Schäden oft nicht mehr rückgängig zu machen. "Manche Menschen brechen ihre Behandlung wegen wirtschaftlicher Not und fehlender finanzieller Mittel mittendrin ab", sagte Ariayi Nejad.

Die Regierung in Teheran betont, die Pharmaindustrie arbeite weiter und einige Engpässe hätten sich seit Beginn des Krieges bereits entspannt.

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