Die Pipeline-Störung trifft, da die Ölausfuhren aus dem Golf bereits sinken und Routen bedroht sind. Ohne Termin für einen Neustart hängt die Versorgung Europas und Asiens von der Dauer des Stillstands ab.
Saudi-Arabien greift auf gelagertes Öl zurück, um seine Exporte aufrechtzuerhalten. Zuvor hatten Drohnenangriffe die Ost-West-Pipeline lahmgelegt und damit Lieferungen an Abnehmer in Europa und Asien gefährdet.
Das Energieministerium meldete am Freitag vorsorglich die Abschaltung. Tags zuvor war die Leitung in den Regionen Riad und Medina angegriffen worden.
Demnach sichern Notfall- und Technikteams derzeit die Pipeline und prüfen ihre Sicherheit.
Saudi-arabische und irakische Behörden erklärten, der Drohnenangriff sei im Irak gestartet worden. In der Mitteilung des Ministeriums stand weder, wann die Förderung wieder anlaufen soll, noch wie groß der Schaden ist.
In Berichten vom Sonntag zitierte Abnehmer und Händler schätzen, dass ein längerer Stillstand rund vier Millionen Barrel pro Tag und damit etwa vier Prozent der weltweiten Ölversorgung gefährden könnte.
Sie gehen davon aus, dass die in Yanbu am Roten Meer gelagerten Bestände die Ausfuhren noch fünf bis sieben Tage ermöglichen. Offizielle Stellen in Saudi-Arabien haben diese Angaben bislang nicht bestätigt.
Wie stark sich die Lage auf Lieferungen auswirkt, hängt davon ab, wie rasch die Förderung wieder startet und wie viele Vorräte noch verfügbar sind.
Die Terminkontrakte auf die Nordsee-Sorte Brent stiegen im frühen Montagshandel um rund drei Prozent, nachdem es zu weiteren Angriffen auf Energieanlagen und die Schifffahrt im Nahen Osten gekommen war.
Umgehungsroute der Straße von Hormus
Die rund 1.200 Kilometer lange Pipeline transportiert Öl aus dem Osten Saudi-Arabiens nach Yanbu an der Westküste. So können Tanker ihre Ladung über das Rote Meer ausführen, ohne die Straße von Hormus zu durchqueren.
Aramco erklärte im Mai, es habe die Förderung über die Leitung im ersten Quartal auf die maximale Kapazität von sieben Millionen Barrel pro Tag hochgefahren. Damit hielt der Konzern die Ausfuhren stabil, obwohl der Schiffsverkehr durch Hormus gestört war.
Die Pipeline beliefert zudem Raffinerien an der Westküste Saudi-Arabiens. Ihre Gesamtkapazität entspricht daher nicht vollständig der exportierten Menge.
Die Stilllegung bedeutet nicht, dass die weltweite Ölversorgung sofort um sieben Millionen Barrel pro Tag sinkt. Tanker können weiterhin Öl aus Lagern nahe der Exportterminals aufnehmen. Diese Bestände schrumpfen jedoch, falls kein Nachschub eintrifft.
Lieferungen nach Europa und Asien
Von Yanbu aus können Tanker mit Ziel Europa nach Norden durchs Rote Meer fahren, Richtung Suezkanal und Mittelmeer. Die ägyptische SUMED-Pipeline bietet eine weitere Route und leitet Öl zwischen den Küsten am Roten Meer und am Mittelmeer.
Die direkte Seeroute nach Asien verläuft nach Süden durch Bab el-Mandeb, die enge Passage zwischen Rotem Meer und Golf von Aden, und weiter in Richtung Indischer Ozean.
Diese Route ist einer eigenen Bedrohung ausgesetzt: Die Huthi aus Jemen haben die Insel Perim in der Meerenge sowie die jemenitische Küste am Roten Meer besetzt. De facto kontrollieren sie damit die Passage.
Tanker mit Ziel Asien könnten stattdessen nach Norden durch den Suezkanal und dann um Afrika herum fahren. Die Fahrt dauert dann jedoch deutlich länger. Eine geänderte Route löst zudem nicht das Grundproblem: Das Öl muss zunächst nach Yanbu gelangen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtete in ihrem Ölmarktbericht für September, dass die weltweiten Lagerbestände seit Februar um 507 Millionen Barrel gesunken sind, davon 95 Millionen Barrel allein im August.
Für den August schätzte die Behörde die Ölexporte aus dem Golf auf rund 13 Millionen Barrel pro Tag. Das ist fast nur noch die Hälfte des Vorkriegsniveaus. Zudem meldete sie deutlich höhere Dieselpreise in Europa und Asien, weil Unterbrechungen die Treibstoffversorgung einschränkten.