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Russische Bedrohung in Ostsee: Was bringen die neuen Schiffe für die Deutsche Marine?

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Vizeadmiral Dr. Thomas Daum
Vizeadmiral Dr. Thomas Daum Copyright  Donogh McCabe
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Von Eduard Wolter & Donogh McCabe
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Die Deutsche Marine bekommt neue Aufklärungsschiffe, ausgestattet mit neuester Technik. Nach dem Beschuss eines dänischen Hubschraubers durch ein russisches Kriegsschiff in der Ostsee erklärt Vizeadmiral Thomas Daum, wie die Bundeswehr mit neuen Schiffen auch russische Aktivitäten überwachen wird.

Ein dänischer Hubschrauber fotografiert ein russisches Kriegsschiff in der Ostsee – dann werden zwei Leuchtkörper in Richtung des Helikopters abgefeuert. Einer davon fliegt nur knapp an der Maschine vorbei. Dänemark spricht von einem "völlig inakzeptablen" Vorfall, Russland wiederum wirft den Dänen gefährliche Manöver vor.

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Es ist genau die Art von Situation, für die die Bundeswehr ihre neuen Flottendienstboote braucht. Der Baustart des ersten dieser neuen Schiffe wurde jetzt in der Peene-Werft in Wolgast feierlich begangen. Die Flottendienstboote können aufklären, was sich auf See und an Land bewegt und welche militärischen Aktivitäten stattfinden.

Der Inspekteur des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr (CIR) Vizeadmiral Dr. Thomas Daum erklärt im Interview mit Euronews, was die neuen Schiffe leisten können und warum selbst im Zeitalter von Satelliten noch Aufklärungsschiffe gebraucht werden.

Euronews: Dr. Daum, wie wichtig sind die Schiffe für die Bundeswehr? Wofür braucht man die?

Vizeadmiral Daum: Das sind Aufklärungsschiffe und der Minister hat selber den Spruch gebracht: Wir sind die Augen und Ohren der Streitkräfte und so muss man dieses Schiff auch einordnen.

Augen und Ohren heißt, wir müssen hören, wir müssen sehen, wir müssen erkennen. Wie sind die Bewegungen des Gegners? Wo hat der Gegner neue Installationen, sei es Flugabwehrstellung, et cetera? Wo hat er ein neues Gerät, was wir noch nicht kennen? All das kann eine solche Aufklärungseinheit erfassen und da ist eben das seegestützte Szenario genauso wichtig. Was passiert auf dem Wasser, wie natürlich auch die Reichweite dieser Schiffe nach Land, also ins Hinterland, um dort Dinge zu erfassen? Da können Sie mit diesen Booten erheblich Informationen gewinnen

Euronews: Dafür gibt es doch Satelliten. Wofür braucht man dann die Boote? Was ist der Unterschied?

Vizeadmiral Daum: Beim Satelliten haben Sie zwangsläufig immer einen Überflug und dann haben Sie sozusagen einen "Footprint" am Boden, den dieser Satellit dann aufnehmen kann.

Das ist natürlich wichtig, gerade für Bildauswertung. Das wird zukünftig auch wichtig im Bereich signalerfassende Aufklärung.

Aber ein Boot, was dort stabil steht, was einen großen Empfangsbereich hat in der Breite, in der Tiefe, das lässt sich nur durch ganz, ganz viele Satelliten entsprechend realisieren. Natürlich wollen wir auch in die Satellitenaufklärung investieren, aber das ist natürlich auch eine Frage der Zeit, bis wir dann soweit sind. Insofern ist das jetzt mit der Menge von Informationen, mit der Tiefe der Information immer noch sehr hilfreich.

Euronews: Reichen denn die Kapazitäten, die wir jetzt schon haben? Das Boot wird ja erst gebaut, ein viertes soll kommen. Wie ist denn der aktuelle Stand? Also, haben wir keine Ohren und keine Augen im Moment?

Vizeadmiral Daum: Doch, wir haben ja 3 Flottendienstboote der Klasse 423, sozusagen das Vorgängermodell. Die sind jetzt schon sehr lange im Dienst. Die sind wirklich soweit, dass man sagen könnte, die gehören jetzt so langsam sicher in die Rente. Die müssen pensioniert werden.

Entscheidend ist dabei, diese Boote sind von ihrer Hülle als Schiff. Wie sind sie in die Jahre gekommen? Wir haben dort hohe Masten drauf für die Antennen. Der Schwerpunkt ist nach oben gewandert. Das Seegangsverhalten, das ist alles nicht mehr optimal. Wir sprechen aber vom Bootskörper.

In diesem Bootskörper gibt es ja ein sogenanntes Messdeck. Das ist die Aufklärungszentrale und die haben wir über die Lebenszeit dieses Bootes immer wieder aktualisiert, modernisiert. Also, das, was da jetzt drauf ist, ist von hoher Qualität, wird man könnte fast sagen, wird umgebaut auf das neue Modell.

Weil es dem Stand der Technik dort entspricht. Insofern, wir haben drei Augen und Ohren in dieser Hinsicht und die Boote sind auf einem hohen technischen Stand und wir kriegen jetzt die Ablösung durch die Klasse 424, ein großes Schiff, weltweiter Einsatz, alle Klimazonen. Das ist dann sozusagen der neue Schritt.

Euronews: Müssten die Boote nicht erst einmal auch in der Ostsee eingesetzt werden? Die Russen lassen ihre Schiffe da herumfahren, haben eine Schattenflotte. Sind immer wieder auffällig und zeigen Präsenz. Was können die Schiffe da künftig leisten?

Vizeadmiral Daum: Die leisten das, was jetzt unsere Flottendienstboote auch in der Ostsee leisten. Sie klären dort auf. Wir haben ja in der Regel ein oder zwei Schiffe unterwegs, die dann in den Seegebieten der Ostsee dort das Lagebild erstellen, die dann natürlich in die mittlere Ostsee verlegen.

Dort haben sie einen optimalen Erfassungsbereich auf dem Wasser. In Richtung Land und das ist das, was wir jetzt machen und das wird natürlich auch zukünftig ein Einsatzraum für die neuen Flottendienstbote sein.

Euronews: Wissen wir, was die Russen da machen?

Vizeadmiral Daum: Wir beobachten das ja sehr intensiv, was dort passiert. Wir klären das auf, wir kriegen darüber sehr, sehr viele Informationen.

Natürlich, das was man empfängt, empfängt man und was man daraus analysiert, bearbeitet, kriegt dann natürlich so einen kleinen Stempel. Da steht dann geheim drüber und vor dem Hintergrund. Da kann ich nur sagen, wir haben sehr viele Erkenntnisse. Das ist sehr hilfreich. Dazu kann ich aber keine Details nennen.

In eigener Sache: Sehen Sie auch die aktuelle Euronews Exklusiv-Reportage:

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