Loader
Finden Sie uns
Werbung

Hitze und Trockenheit: Warum Bier auf dem Oktoberfest bald knapp werden könnte

Ein junger Mann trinkt Bier, während er am Freitag, dem 1. Mai 2026, in Kuehbach, Deutschland, einen traditionellen Maibaum aufstellt.
Ein junger Mann trinkt Bier, während er am Freitag, dem 1. Mai 2026, in Kuehbach, Deutschland, einen traditionellen Maibaum aufstellt. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Ohne Hopfen kein Bier. Hitze und Trockenheit setzen dem Hopfen in Österreich und Deutschland zu. Das gilt auch für Sommergerste, wichtig für das Malz. Droht deshalb ein Bierengpass? Landwirte und Brauereien arbeiten bereits an Lösungen - von Bewässerungsprojekten bis zum Anbau von Wintergerste.

Hitze, ausgetrocknete Böden und deutlich kleinere Hopfendolden: Für viele Hopfenbauern in Österreich fällt die diesjährige Ernte ernüchternd aus. Besonders betroffen ist das Mühlviertel, eines der wichtigsten Hopfenanbaugebiete des Landes.

WERBUNG
WERBUNG

"Die Hitze und die Dürre haben uns stark zugesetzt. Ich habe zum Teil Pflanzen, die total kaputt geworden sind", sagt Stefan Hofer, Obmann der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft, dem ORF. Auch die Pflanzen, die die Trockenheit überstanden haben, hätten sich schlechter entwickelt. "Die anderen haben einfach die Dolden nicht mehr so ausbilden können. Das ist alles um die Hälfte kleiner, als es in einem normalen Jahr ist."

Doch das Problem endet nicht an der österreichischen Grenze. Auch in Deutschland, einem der weltweit wichtigsten Hopfenproduzenten, stellt zunehmende Trockenheit die Landwirtschaft vor Herausforderungen.

Besonders deutlich zeigt sich das in Bayern. Das fränkische Spalt gehört gemeinsam mit drei weiteren deutschen Anbaugebieten zu den Regionen, aus denen rund 40 Prozent des weltweit produzierten Hopfens stammen.

Wetterextreme setzen den Betrieben zunehmend zu. Längere Trockenperioden beeinträchtigen nicht nur das Wachstum der Pflanzen, sondern begünstigen auch Schädlinge wie die Spinnmilbe. Bei starkem Befall können die Ernteverluste erheblich sein.

Steht Deutschland also bald vor einem Bierengpass?

Trockenheit wird zum Problem für den Hopfenanbau

Zumindest für das diesjährige Oktoberfest müssen sich Bierfans noch keine Sorgen machen: Warnungen vor einem Bierengpass auf dem Fest gibt es bislang nicht.

Die Probleme auf den Hopfenfeldern könnten sich letztlich dennoch auch bei den Brauereien bemerkbar machen. Hopfen ist einer der zentralen Rohstoffe für Bier und verantwortlich für Bitterkeit und einen großen Teil des Aromas.

Der Hopfen wird auf einem Bauernhof in Huell bei Wolnzach in Deutschland verarbeitet.
Der Hopfen wird auf einem Bauernhof in Huell bei Wolnzach in Deutschland verarbeitet. AP Photo

Wie stark sich die diesjährige Ernte auf Preise und Produktion auswirken wird, lässt sich auf Grundlage der bisherigen Prognosen allerdings noch nicht eindeutig sagen. Neben der aktuellen Erntemenge spielen dabei unter anderem bestehende Lagerbestände, langfristige Lieferverträge und die Entwicklung der Anbauflächen eine Rolle.

Klar ist jedoch: Die Branche muss sich zunehmend mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Rohstoffe unter trockeneren Bedingungen anbauen kann. Dabei setzen die Betriebe auf unterschiedliche Ansätze.

Bewässerung soll Hopfenanbau gegen Trockenheit wappnen

Eine der naheliegendsten Antworten auf die zunehmende Trockenheit ist zusätzliche Bewässerung. Für viele Hopfenbetriebe entwickelt sich die Wasserversorgung damit zu einer zentralen Zukunftsfrage.

Im österreichischen Mühlviertel reagieren die Betriebe bereits darauf. Auf rund 20 Prozent der Hopfenflächen sind inzwischen Bewässerungsanlagen installiert. Angesichts zunehmender Trockenperioden könnte der Bedarf weiter steigen.

Auch in Bayern werden größere Bewässerungsprojekte geplant. Im Spalter Hügelland soll ein System entstehen, das im Winter Wasser aus einem Uferfiltratbrunnen an der Fränkischen Rezat in ein neues Speicherbecken pumpt. Von dort sollen in trockenen Monaten rund 400 Hektar Hopfenfläche bewässert werden. Durch die Nutzung von Uferfiltrat soll zugleich das Grundwasser geschont werden.

Die Kosten werden auf bis zu 20 Millionen Euro geschätzt. Rund die Hälfte soll der Freistaat Bayern übernehmen, den übrigen Betrag müssten die beteiligten Landwirte finanzieren.

Ein Landwirt erntet Hopfen in Huell bei Wolnzach.
Ein Landwirt erntet Hopfen in Huell bei Wolnzach. AP Photo

Auch in der Hallertau, Deutschlands größtem Hopfenanbaugebiet, wird an einer langfristigen Wasserversorgung gearbeitet. Im dortigen Bewässerungsverband haben sich 461 Betriebe mit insgesamt rund 12.000 Hektar zusammengeschlossen. Bayern unterstützt die Planung einer neuen Bewässerungsinfrastruktur mit 9,5 Millionen Euro.

Doch zusätzliche Bewässerung allein dürfte nicht ausreichen. "Wasser aufdrehen allein reicht nicht", erklärte Manuel Starlinger, Geschäftsführer der Hopfenbaugenossenschaft Mühlviertler, dem ORF.

Und tatsächlich setzt die Brauwirtschaft nicht nur beim Hopfen an. Denn auch ein weiterer zentraler Rohstoff leidet unter den trockeneren Bedingungen.

Winter- statt Sommergerste

Auch bei der Gerste suchen Landwirte und Brauereien deshalb nach Alternativen. Für einen halben Liter Bier werden im Durchschnitt etwa 60 bis 75 Gramm Sommergerste benötigt. Gerade diese Getreidesorte kommt mit zunehmender Trockenheit jedoch schlechter zurecht.

Die Sommergerste habe "ein großes Problem, wird nur noch notreif und wächst nicht richtig", sagt Braumeister Jörg Kirchhoff dem rbb.

Eine Potsdamer Brauerei experimentiert deshalb in der Uckermark mit Wintergerste. Auf zunächst zwei Hektar wird getestet, ob sie sich für den Anbau und anschließend für den Brauprozess eignet.

Der entscheidende Unterschied liegt im Zeitpunkt der Aussaat. "Die Wintergerste wird im Oktober gedrillt und hat damit die ganze Feuchtigkeit des Herbstes und Frühwinters", erklärt Kirchhoff. "Im Januar ist sie im Regelfall schon grün und hat einen riesigen Wachstumsvorteil."

Während Sommergerste einen großen Teil ihrer Entwicklung in die zunehmend trockenen Frühlings- und Sommermonate verlagert, kann Wintergerste stärker von der Feuchtigkeit der kühleren Jahreszeit profitieren.

Begleitet wird der Versuch vom Projekt Terrathesis der Filmuniversität Babelsberg, das von der Volkswagen-Stiftung finanziert wird und sich mit den konkreten Folgen des Klimawandels in Brandenburg beschäftigt.

"Alle reden davon, dass sich das Wetter ändert, es wird trockener. Aber was heißt denn das? Das heißt zum Beispiel auch, dass deine Brauerei um die Ecke Probleme hat", sagt Projektleiter André Nebe.

Das Projekt soll Wissenschaft, Landwirtschaft und Brauwirtschaft zusammenbringen und läuft bis Ende 2029.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Kanada strebt engere Beziehungen zur EU an, aber keine Vollmitgliedschaft

Italien stoppt 2027 KFZ-Steuer für Autos und Motorräder

Warnung vor Luftangriff: Alarm für Bewohner in Ostpolen