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Money, Money, Marathon - Was das Sportevent der Hauptstadt Berlin einbringt

Teilnehmer starten am 21. September 2025 beim Berlin-Marathon.
Teilnehmer starten am 21. September 2025 beim Berlin-Marathon. -  Copyright  AP Photo
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Von Maja Kunert
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Läuft bei Berlin: Der Marathon am Sonntag ist längst mehr als ein Sportfest, er ist ein Wirtschaftsfaktor von dem die Stadt profitiert. Der Erfolg des Mega-Laufs ist auch ein Beleg für den deutschen Laufboom. Doch nicht alle sind begeistert.

Am Sonntag, dem 27. September 2026, gehen beim 52. Berlin-Marathon mehr als 56.000 Läufer aus über 160 Nationen an den Start. Zählt man alle Nebenwettbewerbe wie Inlineskating, Rollstuhlrennen und die Handbiker hinzu, kommt die Stadt sogar auf über 84.000 Teilnehmer.

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Der Marathon ist damit längst nicht mehr nur ein sportliches Ereignis für Profis und Hobbyläufer, sondern hat sich über die Jahre zu einem regelrechten Millionengeschäft für die Stadt entwickelt.

Fast eine halbe Milliarde Euro Wertschöpfung

Für die Stadt Berlin ist der Marathon vor allem eines: ein Wirtschaftsfaktor. Das Beratungsunternehmen Nielsen Sports hat im Auftrag des Veranstalters SCC Events und der Senatsverwaltung für Inneres und Sport untersucht, welchen ökonomischen Effekt der Marathon im Jahr 2024 erzeugt hat.

Beim 35. Berlin-Marathon im Jahr 2008 waren es noch rund 40.000 Läufer aus 100 Ländern.
Beim 35. Berlin-Marathon im Jahr 2008 waren es noch rund 40.000 Läufer aus 100 Ländern. Copyright 2008 AP. All rights reserved.

Das Ergebnis der Studie ist beeindruckend: Insgesamt kam eine Gesamtwertschöpfung von 469,4 Millionen Euro zusammen. Diese Summe setzt sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich aus 142,7 Millionen Euro direkter Wertschöpfung durch Startgelder, Sponsoring und die Ausgaben der Teilnehmer und ihrer Begleitung sowie aus 326,7 Millionen Euro induzierter Wertschöpfung, die durch zusätzliche Ausgaben in der gesamten Region entsteht.

Wie groß diese Summe tatsächlich ist, zeigt ein Vergleich, den die Studie selbst zieht: das jährlich in Berlin ausgetragene DFB-Pokalfinale. Dieses kam im Jahr 2023 lediglich auf eine Gesamtwertschöpfung von 50,6 Millionen Euro und damit auf nur ein Zehntel des Marathon-Effekts.

Gut für das Problemkind-Image von Berlin?

Am stärksten profitiert offenbar die Hotellerie, die es laut Studie auf rund 80,86 Millionen Euro brachte. Dahinter folgen die Gastronomie mit 16,81 Millionen Euro, der Bereich Shopping und Sightseeing mit 11,87 Millionen Euro sowie der Berliner Transportsektor mit weiteren 3,6 Millionen Euro.

Ein Grund für diese hohen Summen dürfte sein, dass auswärtige Sportler und ihre Begleitung im Durchschnitt drei Nächte in der Stadt verbringen und dabei entsprechend viel Geld ausgeben.

Für das laufende Jahr 2026 wird bei einer ähnlichen Teilnehmerzahl auch mit einer vergleichbaren Größenordnung gerechnet. Doch der Marathon punktet nicht nur wirtschaftlich, sondern auch beim Image der Stadt: Laut der Studie kennen 89 Prozent der Berliner Bevölkerung zwischen 16 und 69 Jahren die Veranstaltung und verbinden sie mit Attributen wie weltoffen, leidenschaftlich und sympathisch. Von den auswärtigen Teilnehmern und ihren Begleitpersonen würden zudem 95 Prozent die Stadt gerne noch einmal besuchen.

Der Japaner Akira Akasaki belegte beim Berlin-Marathon im Jahr 2025 den zweiten Platz.
Der Japaner Akira Akasaki belegte beim Berlin-Marathon im Jahr 2025 den zweiten Platz. Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.

Startnummer ist nicht günstig

Wer selbst beim Marathon mitlaufen möchte, muss inzwischen deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor einigen Jahren. Der Teilnahmebeitrag für den Berlin-Marathon liegt aktuell bei 205 Euro, im Jahr 2021 waren es noch 125 Euro gewesen. In diesem Betrag enthalten sind unter anderem die elektronische Zeitmessung, ein Viertagesticket für Busse und Bahnen in Berlin sowie die Verpflegung entlang der gesamten Strecke.

Ein wichtiger Partner der Veranstaltung ist seit dem Jahr 2011 der Autobauer BMW, der seitdem als Titelsponsor des Rennens auftritt. Wie viel Geld dabei konkret an die Veranstalter fließt, ist allerdings ebenso wenig öffentlich bekannt wie die genauen Einnahmen aus den Fernsehrechten, die derzeit beim Sender RTL liegen.

Etwas transparenterr sind dagegen die Ausschüttungen an die Spitzenläufer: Berichten zufolge erhalten die Sieger eines jeden Rennens eine Prämie im fünfstelligen Bereich, wer zusätzlich noch einen Weltrekord aufstellt, darf sich über einen weiteren, deutlichen Bonus obendrauf freuen.

Wachsende Kosten für Sicherheit und Sperrungern

Der organisatorische Aufwand hinter den Kulissen eines solchen Großevents ist erheblich und wird von Jahr zu Jahr aufwendiger. Für die Sicherheit sorgen neben zahlreichen freiwilligen Ordnungskräften auch mehrere hundert zusätzliche Polizeibeamte, die den Verkehr lenken und die Strecke absichern müssen.

SCC-Events-Geschäftsführer Jürgen Lock bezifferte die Ausgaben allein für Absperrungen, Straßenquerungen, Beschilderungen und einen eigens aufgebauten, rund 15 Kilometer langen temporären Zaun vor einigen Jahren noch auf etwa 1,5 Millionen Euro. Inzwischen seien diese Kosten nach eigenen Angaben aber deutlich gestiegen.

Der Berliner Senat selbst gibt an, ihm seien für die Durchführung des Marathons keine eigenen Kosten bekannt, da sich die Veranstaltung wirtschaftlich vollständig selbst trägt und keine öffentlichen Zuschüsse benötigt. Von den Berliner Bezirken entlang der Strecke soll bislang nur der Bezirk Mitte eine gesonderte Sondernutzungsgebühr für die Straßensperrungen erheben, die übrigen betroffenen Bezirke verzichten Berichten zufolge auf eine solche Gebühr.

Deutlich sichtbarer als diese Kostenfrage sind für viele Berliner ohnehin die zahlreichen Straßensperrungen im gesamten Stadtgebiet. Bereits seit Montag ist die Straße des 17. Juni zwischen dem Großen Stern und dem Brandenburger Tor für den Verkehr gesperrt.

Kritik kommt aus dem Bundestag

Für Ärger sorgten die Absperrungen rund um das Reichstagsgebäude offenbar auch bei Bundestagspräsidentin und CDU-Politikerin Julia Klöckner. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa beschwerte sie sich heute zum Sitzungsauftakt, manche Sperrmaßnahmen der Stadt seien schon ziemlich kreativ, wenn man kaum noch zum eigenen Arbeitsplatz komme, gerade dann, wenn der Bundestag eigentlich arbeiten und abstimmen müsse.

Ganz so ernst meinte sie es aber wohl nicht: Sie freue sich über jeden Teilnehmer, wichtig sei ihr nur, dass Parlament und Marathon nebeneinander funktionieren.

Julia Klöckner (CDU) ist seit dem 25. März 2025 Präsidentin des Deutschen Bundestages.
Julia Klöckner (CDU) ist seit dem 25. März 2025 Präsidentin des Deutschen Bundestages. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Rennen ist in Mode

Dass der Berlin-Marathon derart wächst und immer mehr Menschen anzieht, ist dabei kein Zufall, sondern Teil eines größeren, bundesweiten Trends. Laut dem SportsShoes Running Report 2026, einer repräsentativen Befragung von 3.000 Erwachsenen in ganz Deutschland vom Januar, joggt inzwischen jeder vierte Erwachsene hierzulande mindestens einmal im Monat im Freien.

Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung entspricht das immerhin rund 17,5 Millionen Menschen. Besonders unter jungen Erwachsenen ist der Trend erkennbar stark ausgeprägt: Sowohl bei der Generation Z als auch bei den Millennials liegt die Quote der regelmäßigen Läufer bei jeweils 31 Prozent.

Auch im Internet lässt sich der Trend deutlich messen. Die Google-Suchanfragen zum Begriff Laufen stiegen im vergangenen Jahr um satte 16 Prozent, während sich die Zahl der neu gegründeten Laufclubs auf der Plattform Strava binnen zwölf Monaten fast vervierfacht hat.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband zählt inzwischen rund 800.000 Mitglieder in etwa 4.000 organisierten Laufgruppen im gesamten Bundesgebiet. So wird aus einer Handvoll Hobbyläufern im Park womöglich schon die nächste Marathon-Generation.

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