Der erste beim Menschen bestätigte Fall des Shamonda-Virus in Frankreich stellt nach Angaben des ECDC keine größere Gefahr für die Bevölkerung in Europa dar.
Europas Gesundheitsbehörden sollten den ersten bestätigten menschlichen Fall des Shamonda-Virus in Frankreich genau verfolgen, aber nicht „in Panik geraten“. Das teilte das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) Euronews mit. Die Ermittlungen zum Tod des Patienten laufen weiter.
Die französischen Behörden haben am Donnerstag eine Infektion mit dem Shamonda-Virus bei einem Patienten in Lyon bestätigt, der Anfang Oktober gestorben ist. Es ist der erste gemeldete Fall bei einem Menschen. Zuvor war das Virus nur bei Tieren, vor allem bei Rindern, nachgewiesen worden.
„Das ist ein sehr besonderer Fall“, sagte Tamás Bakonyi, leitender Experte für von Vektoren und Tieren übertragene Krankheiten sowie One-Health-Fragen beim ECDC, im Gespräch mit Euronews.
Der betroffene Patient litt an Leukämie und war „stark immungeschwächt“. So konnte das Virus den Körper leichter befallen. „Der gesamte Ablauf von Virusinfektionen oder anderen Infektionen verläuft bei solchen immungeschwächten Personen anders als bei gesunden Menschen“, erklärte Bakonyi.
Es lasse sich nicht ausschließen, dass sich das Virus auch auf andere Menschen überträgt. „Das bedeutet aber nicht, dass wir uns jetzt sorgen müssen oder in Panik verfallen sollten“, sagte er. Bisher gebe es nur begrenzte Hinweise auf eine größere Gefahr.
„Die Untersuchungen in Frankreich deuten darauf hin, dass der Patient das Virus bereits über einen längeren Zeitraum in sich trug, dann eine Enzephalitis entwickelte und schließlich starb“, so Bakonyi.
Das Shamonda-Virus gehört zu einer Gruppe von Viren, die durch stechende Insekten, sogenannte Gnitzen, übertragen werden.
Erstmals wurde das Virus Mitte der 1960er Jahre in Nigeria nachgewiesen. Seitdem tauchte es vereinzelt bei Rindern in West-, Ost- und im südlichen Afrika sowie in Japan auf.
In diesem Sommer wurde es auch in Westeuropa entdeckt. Fälle wurden aus Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Spanien und der Schweiz sowie von der Insel Jersey gemeldet.
Untersuchungen laufen weiter
Obwohl das Virus zuvor nie beim Menschen beschrieben worden war, hatten Fachleute und öffentliche Gesundheitsinstitute in europäischen Ländern schon geprüft, ob es auch beim Menschen Infektionen auslösen kann.
„Das ist eine Warnung, aber wir kennen dieses Virus“, sagte Bakonyi. Millionen Menschen lebten in Gebieten, in denen es vorkommt, und dennoch sei es bisher nie als Problem beim Menschen beschrieben worden.
„Es lässt sich nicht ausschließen, dass es sich auch in anderen Menschen vermehrt. Das ist der alarmierende Teil. Deshalb laufen jetzt Untersuchungen, um alle Aspekte zu klären“, erklärte er.
Dazu gehören klinische, labormedizinische und epidemiologische Untersuchungen. Sie sollen zeigen, ob das Virus den Tod des Patienten verursacht oder mitverursacht hat und wie die Ansteckung zustande kam.
Einige Studien testen, ob Menschen, die dem Virus ausgesetzt sein könnten – etwa Tierärzte und Landwirte –, Antikörper gebildet haben. So lässt sich feststellen, ob sie eine Infektion durchgemacht haben, ohne Symptome zu entwickeln.
Der Fall zeigt, wie eng Tier- und Menschengesundheit miteinander verbunden sind. Deshalb verfolgen das ECDC und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen One-Health-Ansatz. Fachleute aus den Bereichen Tier- und Humanmedizin sammeln derzeit wissenschaftliche Daten und weitere Informationen, auch aus verschiedenen Ländern, um die Risikobewertung zu untermauern.