Der Aufsichtsrat von WBD hält Paramounts feindliches Übernahmeangebot für „unzureichend“ und riskant.
Warner Bros hat am Mittwoch das jüngste Übernahmeangebot von Paramount abgelehnt und den Aktionären geraten, beim Konkurrenzangebot von Netflix zu bleiben.
Die Warner-Führung weist die Avancen von Paramount, das Skydance gehört, seit Langem zurück. Vor wenigen Wochen warb sie dafür, das Streaming- und Studiogeschäft für 72 Milliarden Dollar (61,62 Milliarden Euro) an Netflix zu verkaufen.
Paramount hat sein 77,9-Milliarden-Dollar-Angebot für den gesamten Konzern nachgebessert und ist mit einer feindlichen Offerte direkt an die Aktionäre gegangen.
Warner Bros Discovery erklärte am Mittwoch, der Vorstand halte das Paramount-Angebot nicht für im besten Interesse des Unternehmens oder seiner Anteilseigner.
„Das Paramount-Angebot bietet weiterhin zu wenig Wert. Es enthält Bedingungen wie eine außergewöhnlich hohe Schuldenfinanzierung. Das birgt Abschlussrisiken und lässt unsere Anteilseigner ohne Schutz, wenn die Transaktion nicht zustande kommt“, erklärte Warner Bros Discoverys Aufsichtsratsvorsitzender Samuel Di Piazza Jr.
„Unsere verbindliche Vereinbarung mit Netflix bietet höheren Wert und mehr Sicherheit, ohne die erheblichen Risiken und Kosten, die das Paramount-Angebot unseren Anteilseignern auferlegen würde.“
Paramount reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Ende vergangenen Monats meldete Paramount eine „unwiderrufliche persönliche Garantie“ von Oracle-Gründer Larry Ellison, dem Vater von Paramount-CEO David Ellison, zur Absicherung von 40,4 Milliarden Dollar Eigenkapital für das Angebot.
Zudem erhöhte Paramount die zugesagte Zahlung an die Aktionäre auf 5,8 Milliarden Dollar, falls Aufsichtsbehörden den Deal stoppen. Das entspricht dem, was Netflix bereits zugesagt hat.
In einem Brief an die Aktionäre äußerte Warner Bedenken zu einem möglichen Deal mit Paramount. Der Konzern sieht das Angebot im Kern als fremdfinanzierte Übernahme mit viel Schulden. Ein Abschluss könnte zwölf bis 18 Monate dauern.
Der Bieterkampf wird kompliziert, denn Netflix und Paramount wollen Unterschiedliches. Der geplante Kauf von Netflix umfasst nur Warners Studio- und Streaming-Geschäft, also die traditionellen TV- und Filmproduktionen sowie Plattformen wie HBO Max. Paramount will den gesamten Konzern, darunter Sender wie CNN und Discovery.
Kommt Netflix zum Zug, würden Warners Nachrichten- und Kabelsparten gemäß der bereits angekündigten Abspaltung in ein eigenes Unternehmen ausgegliedert.
Eine Fusion mit einem der beiden Konzerne dürfte intensive Kartellprüfungen auslösen. Wegen Größe und möglicher Auswirkungen ist eine Überprüfung durch das US-Justizministerium so gut wie sicher. Die Behörde könnte klagen, um die Transaktion zu stoppen, oder Änderungen verlangen. Auch Regulierer in anderen Ländern könnten den Zusammenschluss anfechten.