Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, gemessen in Kaufkraftstandards, fällt in Europa 2025 deutlich unterschiedlich aus. In der EU lebt nur etwa jede dritte Person in einem Land mit einem überdurchschnittlichen BIP-Niveau.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner, berechnet in Kaufkraftstandards, gilt als verlässlicher Vergleichswert für Einkommensniveaus, weil es Unterschiede bei den Preisen mit einbezieht.
2025 zeigt sich in Europa eine deutliche Kluft bei diesem Pro-Kopf-BIP. Setzt man den EU-Durchschnitt auf 100, reicht die Spannbreite laut Eurostat von 68 in Bulgarien und Griechenland bis hin zu 239 in Luxemburg. Damit erreicht Luxemburg ein rund dreieinhalb Mal so hohes Pro-Kopf-BIP wie Bulgarien und Griechenland.
Konkret heisst das: Nach Anpassung an die Preise kann sich eine durchschnittliche Person in der EU Waren und Dienstleistungen im Wert von 100 Einheiten leisten. In Bulgarien und Griechenland entspricht das etwa 68 Einheiten, in Luxemburg dagegen rund 239. Irland liegt mit 237 Einheiten nahezu auf demselben Niveau.
Die Zahlen machen deutlich, wie gross die Unterschiede sind. Luxemburg und Irland führen die Statistik mit deutlichem Abstand an. Ihre Werte liegen 139 beziehungsweise 137 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Bulgarien und Griechenland hingegen bleiben rund 32 Prozent darunter.
Sieht man von diesen Extremwerten ab, führen die Niederlande das Feld an: mit 134 Prozent des EU-Durchschnitts, gefolgt von Dänemark mit 127 Prozent und Österreich mit 117 Prozent. Deutschland und Belgien erreichen jeweils 115 Prozent. Schweden und Malta kommen auf 110 Prozent, während Finnland mit 101 Prozent nur knapp über dem EU-Durchschnitt liegt.
Pro-Kopf-BIP: Deutschland führt die "großen Vier" an
Unter den vier grössten Volkswirtschaften der EU nimmt Deutschland beim BIP je Einwohner in Kaufkraftstandards mit 115 Prozent des EU-Durchschnitts die Spitzenposition ein und ist somit das einzige Land in dieser Gruppe, das über der Marke von 100 Prozent liegt.
Frankreich bewegt sich mit 98 Prozent nahezu exakt auf dem Niveau des EU-Durchschnitts. Italien bleibt mit 96 Prozent leicht darunter. Spanien bildet mit 92 Prozent das Schlusslicht innerhalb dieser vier grossen Volkswirtschaften.
Acht Länder deutlich unter dem EU-Durchschnitt
Neben Griechenland und Bulgarien liegen sechs weitere Staaten beim Pro-Kopf-BIP in Kaufkraftstandards mindestens 20 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Dazu zählen Lettland mit 71 Prozent, die Slowakei mit 75 Prozent, Ungarn mit 76 Prozent, Kroatien mit 78 Prozent sowie Rumänien und Estland mit jeweils 79 Prozent.
Grundlage ist jeweils ein EU-Durchschnittswert von 100. Polen und Portugal bewegen sich mit jeweils 81 Prozent auf einem sehr ähnlichen Niveau und liegen damit ebenfalls klar unter dem EU-Schnitt.
Luxemburg und Irland verzerren das Gesamtbild
Luxemburg und Irland sind allerdings Sonderfälle. Eurostat verweist darauf, dass in Luxemburg viele Grenzpendler arbeiten. Sie tragen zum BIP bei, gehören aber nicht zur ansässigen Bevölkerung.
In Irland hängt das hohe BIP je Einwohner unter anderem mit großen multinationalen Konzernen zusammen, die dort geistiges Eigentum halten. Verbundene Auftragsfertigung erhöht das BIP, ein großer Teil der daraus erzielten Einkommen fließt jedoch an die ausländischen Eigentümer der Unternehmen zurück.
Durchschnittliches EU-Pro-Kopf-BIP liegt bei 41.600 Euro in KKS
In Euro und kaufkraftbereinigt lag das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP in der EU 2025 nach vorläufigen Daten bei rund 41.600 Euro. Unter den Mitgliedstaaten reicht die Spanne von 28.300 Euro in Bulgarien bis 99.300 Euro in Luxemburg.
Neben Luxemburg und Irland überschreiten auch die Niederlande mit 55.600 Euro und Dänemark mit 52.800 Euro die Schwelle von 50.000 Euro Pro-Kopf-BIP in KKS.
In Deutschland beträgt der Wert 47.900 Euro, in Frankreich 40.700 Euro. In zehn EU-Staaten liegt das Pro-Kopf-BIP in KKS unter 35.000 Euro.
Osteuropa bleibt beim Pro-Kopf-BIP hinter West- und Nordeuropa zurück
Grundsätzlich zeigen die Daten ein klares Muster: In osteuropäischen Ländern fällt das Pro-Kopf-BIP in Kaufkraftstandards am niedrigsten aus. Staaten in West- und Nordeuropa erreichen dagegen deutlich höhere Werte.
Als zentrale Ursachen für diese Unterschiede nennt Eurostat vor allem die Arbeitsproduktivität – gemessen pro beschäftigter Person oder je geleisteter Arbeitsstunde – sowie die Erwerbsbeteiligung. Beide Faktoren tragen wesentlich dazu bei, wie stark Volkswirtschaften im europäischen Vergleich abschneiden.
Nur jeder dritte EU-Bürger lebt über dem Durchschnitt
Im Jahr 2025 lagen lediglich zehn der 27 EU-Staaten beim Pro-Kopf-BIP in Kaufkraftstandards über dem EU-Durchschnitt. In diesen Ländern lebt rund ein Drittel der Bevölkerung – konkret etwa 34 Prozent.
Anders gesagt: Nur etwa jeder dritte EU-Bürger wohnt in einem Staat, dessen Pro-Kopf-BIP über dem Durchschnitt liegt. Das verdeutlicht, wie ausgeprägt die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der Europäischen Union sind.
Beitrittskandidaten liegen beim Pro-Kopf-BIP deutlich zurück
EU-Beitrittskandidaten, das Vereinigte Königreich sowie die Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) sind in den vorläufigen Ergebnissen zwar nicht enthalten. Ein Blick auf die Zahlen für 2024 liefert dennoch eine klare Orientierung.
Die Kandidatenländer schneiden beim Pro-Kopf-BIP in Kaufkraftstandards deutlich schwächer ab. Bosnien und Herzegowina erreicht 35 Prozent des EU-Durchschnitts, Albanien und Nordmazedonien jeweils 42 Prozent, Serbien kommt auf 52 Prozent, Montenegro auf 53 Prozent und die Türkei auf 72 Prozent.
Mit Ausnahme der Türkei liegen damit alle deutlich unter dem Niveau der EU-Mitgliedstaaten. Das Vereinigte Königreich bewegt sich mit 99 Prozent nahezu auf Höhe des EU-Durchschnitts. Die EFTA-Staaten liegen dagegen klar darüber: Norwegen erreicht 160 Prozent, die Schweiz 151 Prozent und Island 131 Prozent des EU-Durchschnitts.
Ein weiterer wichtiger Indikator ist der tatsächliche Individualkonsum pro Kopf in Kaufkraftstandards. Er gilt als besonders aussagekräftig für den materiellen Wohlstand von Haushalten und die Lebensverhältnisse. Nach diesem Maßstab fallen die Unterschiede zwischen den Ländern allerdings weniger stark aus als beim Pro-Kopf-BIP.